0 Bewertungen
16.05.2008 
Trotz Krise ansehnliche Gewinne

Optimismus in Athen

von Gerd Höhler

An den griechischen Banken geht die globale Kreditkrise nicht spurlos vorüber. Die großen Athener Geldinstitute dürften allerdings relativ glimpflich davonkommen - auch dank ihrer zunehmend profitablen Geschäfte in benachbarten Schwellenländern. Analysten empfehlen deshalb, bei griechischen Bankaktien zuzugreifen.

Emporiki Bank in Athen: Offenbar hat keines der griechischen Kreditinstitute nennenswert in Subprime-Produkte investiert. Foto: APLupe

Emporiki Bank in Athen: Offenbar hat keines der griechischen Kreditinstitute nennenswert in Subprime-Produkte investiert. Foto: AP

ATHEN. Die meisten griechischen Banken haben für das vergangene Geschäftsjahr hervorragende Zahlen vorgelegt. So übertraf die EFG Eurobank, die Nummer zwei der Branche, mit einem Gewinn von 851 Mill. Euro sogar ihr bereits nach oben revidiertes Ziel von 820 Mill. deutlich. Gegenüber 2006 wuchs das Ergebnis um 32 Prozent. Sogar ein Gewinnplus von 70 Prozent auf 1,68 Mrd. Euro meldete die National Bank of Greece (NBG), Griechenlands größtes Kreditinstitut.

Die bisher vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal 2008 signalisieren zwar eine nachlassende Gewinn-Dynamik, sind aber vor dem Hintergrund der aktuellen Krise immer noch ansehnlich. So konnte die EFG Eurobank ihren Quartalsgewinn gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent steigern. Nach Analystenschätzungen dürfte die Branche im ersten Quartal unter dem Strich einen Gewinnrückgang von rund zwölf Prozent gegenüber dem sehr guten Vorjahr melden.

Zwar wies die zur Crédit Agricole gehörende Emporiki Bank, die Nummer sieben in Griechenland, nach Abschreibungen im Bond-Portfolio einen Quartalsverlust von 15,3 Mill. Euro aus, aber das dürften die einzigen roten Zahlen bleiben. Keine griechische Bank hat offenbar nennenswert in Subprime-Produkte investiert. Ganz abgekoppelt sind die griechischen Banker aber nicht, denn die gestiegenen Refinanzierungskosten am Interbank-Markt schmälern die Margen.

"Liquiditätsprobleme hat aber keines der großen Institute", versichert Ralph Luther, Fonds-Manager und Griechenland-Experte bei der Hamburger Berenberg Bank. Die Ergebnisse des ersten Quartals seien "besser als befürchtet" und die an der Athener Börse zuletzt abgestraften Bankaktien "zu den gegenwärtigen Kursen sehr attraktiv", meint Luther. Die Papiere sind aktuell mit dem 7,8-fachen der Gewinne für 2009 günstiger bewertet als der europäische Branchendurchschnitt, der bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,2 liegt.

Zu den Favoriten des Berenberg-Bankers Luther gehören die Alpha und die Piraeus Bank, Nummer drei und vier der Branche, sowie der Marktführer National. Für die NBG spricht vor allem das starke Auslandsgeschäft. Die Bank ist in fast allen Balkanländern vertreten. Die NBG übernahm 2006 für 5,5 Mrd. Euro die türkische Finansbank und steht jetzt vor dem Einstieg bei der ägyptischen Banque de Caire. Das Auslandsgeschäft trägt inzwischen fast zu einem Drittel zum Gesamtergebnis bei. Bei den anderen drei großen Instituten sind es zwischen zehn und 20 Prozent.

Nachdem die griechischen Banker anfangs in die benachbarten Balkanländer expandierten, sind sie inzwischen in einer Region präsent, die von Russland, Polen und der Ukraine im Norden über die Türkei im Osten bis nach Ägypten im Süden reicht und 450 Mill. Menschen umfasst. Neben dem Heimatmarkt Griechenland, der immer noch wächst, seien es vor allem die Auslandsmärkte, die weiteres Wachstum und steigende Gewinne versprechen, schrieb die Ratingagentur Fitch in einer Analyse. Die griechischen Banken seien deswegen "gut aufgestellt" und dürften 2008 trotz erschwerter Refinanzierungsbedingungen und eines verlangsamten Kreditwachstums mit "soliden Ergebnissen" rechnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bankensektor in Bewegung

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige
Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Den Nullzins vor Augen  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 16:45 Uhr von Nobert Häring

Und wieder hat die Europäische Zentralbank gehöriges Pulver verschossen. Aber sie liegt richtig: Eine zögerliche Zinspolitik ist gefährlicher als eine mutige. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

An der Börse brechen neue Zeiten an  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 10:45 Uhr von Christian Schnell

Was auf den ersten Blick vor einer Woche nur wie ein leicht verändertes Detail im Regelwerk aussah, entfaltet bei seiner ersten Nagelprobe bereits große Wirkung. Mit ihrer Index-Entscheidung beweist die Deutsche Börse, dass sie endich bereit ist, sich an die Realitiät anzupassen. Kommentar

Handelsblatt Börsenradio 04.12.2008 (Abendausgabe) 

04.12.2008, 18:35 UhrBörsenradio

EZB mit historischer Zinssenkung - Dax setzt Berg- und Talfahrt fort - Nach Neuordnung im Leitindex: Conti und Hypo Real Estate mit Verlusten - Stahlwerte auf der Gewinnerseite - Ölpreis auf tiefstem Stand seit fast vier Jahren Anhören


Anzeige