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04.10.2005 
„Behavioural Finance“ untersucht menschliche Reaktionen

Profis nutzen Herdentrieb an den Märkten

von Getrud A. Hussla

Fondsmanager und Kapitalmarktexperten übertragen Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung auf ihre Anlagestrategie. In den USA hat die Disziplin bereits in den 90er-Jahren breite Anerkennung gefunden. Seit einigen Jahren wird sie auch in Deutschland stärker angewandt.

DÜSSELDORF. Der Begründer der Aktienanalyse, Benjamin Graham, hat es schon geahnt: „Der schlimmste Feind des Investors ist wahrscheinlich er selbst“, schrieb er in den dreißiger Jahren. Inzwischen haben Finanzwissenschaftler längst das menschliche Verhalten und Fehlverhalten an Kapitalmärkten als eigene Disziplin entdeckt – und benannt: „Behavioural Finance“. Der bekannteste Vertreter, Daniel Kahnemann aus den USA, hat 2002 den Nobelpreis gewonnen. Auch in Europa kommen Fondsmanager zunehmend auf den Geschmack. Sie ziehen systematisch Vorteil aus dem irrationalen Verhalten der Marktteilnehmer – mit teilweise beachtlichem Erfolg.

Behavioural Finance untersucht menschliche Reaktionen wie den Herdentrieb, um daraus Schlüsse für künftige Marktreaktionen zu ziehen. In den USA hat die Disziplin bereits in den 90er-Jahren breite Anerkennung gefunden. Seit einigen Jahren wird sie auch in Deutschland stärker angewandt und findet entsprechende Beachtung. Fondsgesellschaften wie JP Morgan Fleming und der Liechtensteiner LGT Capital Management ist es gelungen, mit speziellen Aktienfonds den Markt zu schlagen. Andere hatten damit jedoch weniger Erfolg.

Alfons Cortes, Vermögensberater von LGT, gehört zu den konsequenten und erfolgreichen Nutzern der Forschungsrichtung: „Fundamentaldaten wie Gewinne, Umsatz und Cash-Flow eines Unternehmens allein reichen mir nicht“, sagt er. Zusätzlich bezieht Cortes bei Kaufentscheidungen Elemente wie den Kursverlauf einer Aktie und die Umsätze mit ein. Bereits am 9. Februar hat Cortes etwa VW empfohlen, da kostete die Aktie noch 37 Euro. Inzwischen steht sie bei 51 Euro. „Der Ablauf ist immer gleich“, erläutert Cortes. Erst entdeckten nur einige Anleger den Titel, die große Mehrheit warte jedoch ab. Ziehe der Aktienkurs dann an, stiegen immer mehr Marktteilnehmer ein: „Die meisten Menschen brauchen sehr lange, bis sie neue Informationen verwerten.“

Demnach kann es sich auch durchaus lohnen, bei positiven Gewinnüberraschungen noch einzusteigen, wenn die Information bereits auf dem Markt ist. Hat sich die Situation in einem Unternehmen grundlegend verbessert, glaubt das ein Großteil der Anleger erst mit größerer Zeitverzögerung. Besondere Beachtung findet in der Forschungsrichtung Behavioral Finance deshalb auch das Verhalten der Insider. Vorstände, die damit beginnen, eigene Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, gelten als Vorreiter, denen die breite Masse mit einer Zeitverzögerung von zwei bis drei Monaten folgt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Investoren neigen zur Selbstüberschätzung

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