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04.03.2005 
Absturz war schmerzlich

Risikokapital lieferte den Schmierstoff für den Boom

von Jens Koenen, Handelsblatt

Es war die Zeit der nicht enden wollenden Partys, auch in der Venture-Capital(VC)-Industrie. Ob ein abgetakeltes Schiff oder eine ausgemusterte Fabrikhalle – keine „Location“ war zu skurril, um nicht die Stars der New Economy zu umwerben. Venture-Capital-Fonds sammeln bei institutionellen Anlegern Geld ein und investieren es in junge Firmen.

HB FRANKFURT. Das Kalkül: Etabliert sich das Geschäftsmodell der Start-ups, kann der VC-Fonds sein Engagement Gewinn bringend verkaufen. Die Interneteuphorie war der ideale Nährboden für VC. Ohne die Risikokapitalgeber hätte es die Euphorie nicht gegeben.

„Es wurde viel zu stark auf die Themen geachtet und zu wenig auf gute Unternehmer“, beschreibt Frank Böhnke, Partner der VC-Gesellschaft Wellington Partner einen Kardinalfehler jener Tage. Allerdings wundert die häufig blinde Euphorie nicht. Das Geld floss reichlich. Alleine amerikanische Risikokapitalfirmen sammelten während der Boomjahre über 30 Milliarden Dollar ein. Erst dieses Geld ermöglichte den Goldrausch der New Economy. Es entstand eine regelrechte Ehe zwischen Risikokapital und Börse. Die VC-Industrie investierte massiv in Internetfirmen, weil der lukrative Ausstieg etwa über die Börse lockte. Dort witterten die Investoren und Anleger schnelle Kursgewinne, weil Internetpapiere auf dem Parkett weggingen wie warme Semmel.

Doch der Absturz war schmerzlich. Nirgendwo ist das so deutlich abzulesen wie in den Statistiken. Nach Berechnungen der Beratungsfirma New England, einer Tochter von Ernst & Young, investierten die Risikokapitalgeber alleine im Spitzenjahr 2000 über 94 Mrd. Dollar in insgesamt 6 287 Start-ups. Zwei Jahre später waren es nur noch 18,9 Mrd. Dollar, die in 2 092 Firmen flossen. Ganz ähnlich war die Situation in Deutschland, wo erst mit dem Internetboom eine eigene Venture-Capital-Industrie entstand. Waren im Jahr 2000 hier zu Lande noch 1,6 Mrd. Euro an Risikokapital in junge Firmen investiert worden, brach der Wert nach Berechnungen des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) 2003 auf 300 Mill. Euro ein. Plötzlich war das Internet nichts mehr wert, genauso wie viele Beteiligungen der Fonds. Nicht nur viele Geschäftsmodelle lösten sich in Luft auf, auch auf dem Parkett war das Internet verpönt, der Ausstieg der VC-Firmen damit blockiert. „Schlechte Unternehmer bekamen zu viel und viel zu früh Geld, Unternehmen wurden zu lange am Leben erhalten, und viele Firmen wurden nur regional und nicht global aufgestellt“, sagt Böhnke von Wellington Partners.

Es begann ein Teufelskreislauf. Statt mit der Suche nach neuen Investments mussten sich die Fondsmanager um die Rettung ihrer Beteiligungen kümmern. Teilweise wurden sogar die von Investoren zugesagten Mittel von den VC-Firmen gar nicht mehr abgerufen. Die Geldgeber der Fonds wurden unruhig, zumal auch die versprochenen Rückflüsse ausblieben. Viele drehten den Geldhahn zu. Als der US-Risikokapitalgeber Crosspoint Venture Partners Ende 2000 einen neuen Fonds über eine Milliarde Dollar auflegen wollte, musste er die Pläne mangels Interesse schon bald begraben. Viele Fonds mussten sogar ganz aufgeben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Das Ende der Durststrecke scheint erreicht zu sein.

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