Zwar haben sich die EU-Regierungen vergangene Woche auf verbindliche Ziele für den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch festgelegt, was mittel- bis langfristig speziell auch die Solarwerte beflügeln dürfte. Innerhalb der Einzelwerte haben sich die Prioritäten der Analysten jedoch in den letzten Wochen deutlich verschoben.
FRANKFURT. Ganz oben auf der Favoritenliste steht weiterhin unangefochten Marktführer Solarworld. Erst am Monrag heizte Vorstandschef Frank Asbeck die Spekulation um die Aktie weiter an, indem er via Medien verkündete, der EU sei es gelungen, Europa als Spezialisten für diese Energieform zu präsentieren. Davon profitieren speziell die deutschen Unternehmen, denen hierbei eine Vorreiterrolle zukommt. Solarworld gilt unter Börsianern als Phänomen. Zwar hat sich der Kurs in den letzten drei Jahren mehr als verdreißigfacht, dennoch raten noch immer zehn von 16 Analysten, die die Aktie beobachten, zum Kauf.
Erst recht seit der vergangenen Woche, als die Bonner den Erwerb eines Chipwerkes im US–Bundesstaat Oregon bekannt gegeben haben. 30 Mill. Euro zahlt Solarworld für eine Anlage, deren Bau den japanischen Konkurrenten Komatsu 1998 einst über 500 Mill. Dollar gekostet hat. Nun sollen noch einmal 300 Mill. Euro dort investiert werden, um ab dem Jahr 2009 mehr als zehnmal so viele Solarzellen wie bisher in den USA zu produzieren. Erst gestern hat Analyst Martin Decot von der Düsseldorfer WGZ-Bank sein Kursziel für die Aktie von 62 auf 67 Euro nach oben geschraubt.
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Ganz weit nach oben in der Beliebtheitsskala sind zuletzt Q-Cells und die deutlich kleinere Solon gestiegen. In beiden Fällen waren Verträge mit Solarsiliziumlieferanten dafür entscheidend, dass die Kurse zuletzt anzogen. Solarsilizium ist der wichtigste Rohstoff der Solarplatten-Produzenten. Regelmäßig belasten Nachrichten über mögliche Engpässe die Kurse, weshalb eine hohe vertragliche Absicherung für Solar-Unternehmen wie eine Lebensversicherung wirkt.
Q-Cells hat hier zuletzt ein Paket von 17,9 Prozent am weltweit größten Solarsiliziumlieferanten REC übernommen. „Landing the Big One“, überschrieb Benjamin Kluftinger, Analyst bei der Citigroup, daraufhin seinen Kommentar. Bei 58 Euro liegt seither sein Kursziel für die Aktie, die gestern knapp 47 Euro kostete.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Solon hatte kürzlich ein Joint Venture zur Siliziumversorgung mit einer französischen Firma angekündigt.
Ähnlich sind die Vorzeichen bei Solon. Die Berliner hatten kürzlich ein Joint Venture zur Siliziumversorgung mit einer französischen Firma angekündigt, woraufhin der bis dato im Vergleich zu den Großen der Branche eher unterentwickelte Kurs deutlich anzog. Mit einem Plus von inzwischen 77 Prozent seit Jahresanfang zeigt die Aktie hinter dem Windturbinen-Hersteller Nordex die zweitbeste Kursentwicklung aller 30 TecDax-Aktien. Gründe dafür gibt es viele: Zu der Sicherung der Siliziumversorgung kamen die überraschend guten Zahlen für 2006 sowie die im Vergleich zur Branche günstige Bewertung. Einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20 bei Solon stehen Werte von 28 bis 30 bei Solarworld und Q-Cells gegenüber.
Etwas gelitten im Ansehen der Analysten hat hingegen zuletzt Conergy, Deutschlands Nummer zwei unter den Solar-Unternehmen. Grund dafür ist unter anderem die jüngst abgeschlossene Kapitalerhöhung, die Analysten wie Marc Köbernick von der WestLB vorsichtig werden lässt. Er sieht hierdurch „einen verwässernden Effekt“ auf sein Bewertungsmodell und hat seine Einschätzung zur Aktie deswegen gerade gesenkt. Immerhin billigt er der Aktie, die gestern knapp 57 Euro kostete, noch ein Kursziel von 60 Euro zu. Zuvor hielt er einen Preis von 65 Euro für angemessen.
Der Sonne entgegen
Überflieger: Keine andere Branche in Deutschland verzeichnete in den letzten Jahren solche Kurszuwächse wie der Solarbereich. Der Kurs von Marktführer Solarworld hat sich in drei Jahren mehr als verdreißigfacht.
Weltmarktführer: Die deutsche Solarbranche ist seit dem letzten Jahr Weltmarktführer und hat damit die Position von Japan übernommen.
Energiewende: Die Klimaschutz-Debatte wird die Branche weiter antreiben.

