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15.09.2006 
Börsenhandel mit Wettkontrakten

Sportwetten boomen

von Udo Rettberg

Am Thema Sportwetten scheiden sich die Geister der Experten. Gegner führen ethisch-moralische Bedenken ins Feld – Befürworter betrachten Sportwetten als ökonomisch sinnvoll. Während sich auf politischer Ebene die Diskussion über die Abschaffung staatlicher Wettmonopole verschärft, erleben Sport- und Wettbörsen in zahlreichen Ländern einen exorbitanten Aufschwung.

BÜRGENSTOCK. Auch hier zu Lande schlägt das Thema hohe Wellen. Wie schwer die Einführung von Sportwetten als legales Privatgeschäft ist, hat nicht nur Österreichs Anbieter Bwin erfahren müssen, dem nach Sachsen jetzt auch Hessen verboten hat, Sportwetten anzubieten. Negative Erfahrungen macht auch die Wertpapierhandelsbank Berliner Effektengesellschaft, die sich seit eineinhalb Jahren um die Lizenz für eine Wettbörse bemüht.

Die Bank plant, Kontrakte etwa auf den Ausgang von Sportereignissen einzuführen. Hierzu wurde mit dem Landessportbund eine Gesellschaft gemeinnütziger Art gegründet, deren Gewinne der Sportförderung zufließen sollen.

Obwohl diese Instrumente nach Einschätzung von Jörg Franke, Aufsichtsratschef der Bank, auch ökonomische Zwecke erfüllen – nämlich die Chance des Risikotransfers für Sportunternehmen –, stößt das Konzept bei den Behörden auf Widerstand. „Man lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern“, sagte Franke auf Europas größtem Derivate-Meeting in Bürgenstock. Mit Berlins Finanzbehörden habe man dabei auch die Frage diskutiert, ob der Handel auf den Ausgang von Sportereignissen eine Wette ist.

„Auch der Aktienkauf ist nichts anderes als eine Wette“, sagt Michael Mainelli. Der Käufer wette gegen den Verkäufer, meint der Wirtschafts-Professor am Gresham College in London. „Ich war in der Rolle eines Wettanbieters, als ich für ein großes internationales Wertpapierhaus als Bondhändler tätig war“, bricht Mark Davies von der weltweit größten Wettbörse Betfair eine Lanze für Sport- und Wettbörsen. Betfair wickelt täglich mehr als fünf Millionen Sportwetten ab. Die Behörden sollten erkennen, dass Sportwetten ähnlich wie Aktien kein Lotteriespiel seien, sagt Franke. An beiden Märkten könnten anhand bestehender Fakten Chancen und Risiken ausgelotet werden. „Man treibt uns ins Ausland“, sagt er zum Handelsblatt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Wettbörsen funktionieren

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