Bob Doll im Interview
„Wir werden uns wieder einmal durchmogeln“

Schulden türmen sich immer höher auf. Droht den USA die Pleite? Alles nur Gerede, meint Bob Doll, Chefstratege von Blackrock. Im Interview erklärt er, warum er sich keine Sorgen um die Billionen seiner Kunden macht.
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Handelsblatt: Herr Doll, in den USA gibt es eine schwere Schuldenkrise. Bereiten Sie sich auf den Fall vor, dass die Schuldenobergrenze bis zum 2. August nicht erhöht wird und der Staat dann nicht mehr zahlt?

Bob Doll: Nein. Das Reißen der Schuldengrenze wäre gar kein Problem. Das Finanzministerium hat seitenlange Pläne, wie es dann vorgehen soll. Es ist genau ausgearbeitet, wer zuerst bezahlt werden muss, wer warten kann, welche Vermögenswerte verkauft werden und welche Reserven von einem Posten zum anderen verschoben werden können. Das ist keine schöne Angelegenheit. Aber es ist ein gewisser Puffer für mehrere Monate.

Handelsblatt: Werden die Aktienmärkte einbrechen, wenn die Schuldengrenze nicht rechtzeitig erhöht wird?

Doll: Wenn wir die Schuldenobergrenze rechtzeitig erhöhen, dann werden die Kurse steigen. Wenn wir sie nicht rechtzeitig erhöhen, dann wird es einfach weiterhin eine Belastung sein. Ich denke nicht, dass es einen Crash geben wird. Meine persönliche Meinung – und die ist etwas positiver als die von Blackrock: Die ganze Bestürzung und das Gerede, das wir hatten, ist viel zu übertrieben. Wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben, würde ich sagen: Wird die Schuldengrenze nicht rechtzeitig erhöht und die Kurse sinken, dann bin ich ein Käufer.

Handelsblatt: Viele Konjunkturdaten in letzter Zeit waren schwach. Ist die US-Wirtschaft auf dem Weg in eine neue Rezession?

Doll: Die Bruttoinlandsprodukte der entwickelten Länder und der USA wachsen schwächer als gewöhnlich. Das hat vor allem strukturelle Gründe. Und in dieser langsamen Erholung befinden wir uns nun zusätzlich noch in einer Schwächephase. Aber ich denke, quasi alle Faktoren, die uns in diese Phase geführt haben, sind temporär: das Erdbeben in Japan, der hohe Ölpreis, ein langsameres Wachstum in China sowie Schneestürme und Tornados im ersten Halbjahr. Deshalb glaube ich, dass die zweite Jahreshälfte stärker sein wird als die erste. Aber auch dann wachsen wir immer noch langsamer, als wir eigentlich sollten.

Handelsblatt: Ökonomen wie Larry Summers, der ehemalige Berater von Präsident Barack Obama, fordern neue Konjunkturprogramme. Was halten Sie davon?

Doll: Wir hatten die stärkste Kombination von monetärer und fiskaler Politik, die die USA je gesehen haben. Die Maßnahmen brauchen Zeit, um sich zu entfalten, zum Teil mehrere Jahre, um zu wirken. Lasst uns jetzt nicht noch hier und da ein wenig herumfummeln.

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Wir können uns noch mehr Zeit erkaufen

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Zur Person: Bob Doll

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  • Was ist, wenn die Leopard- Panzer der griechischen Armee in der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag rollen und die Küstenwache und Marine alle Häfen dicht macht?? Die Offiziersgewerkschaft hat signalsiert, daß sie keine Einschränkung der griechischen Souveränität auch nur im Ansatz hinnehmen werde, zahlreiche Griechen sind gleicher Meinung, sowohl die, die von der Korruption leben, als auch die, sie seit einem Jahr zunehmend ihre Lebensgrundlagen verlieren. Die Verschuldung Griechenlands ist nach der Zeit der Militärdiktatur und maßgeblich seit der EURO-Einführung explodiert unter den linken und rechten Sozialisten... - das haben die Leute nicht vergessen.

  • .....der Junge hat doch Recht. Garnix wird passieren, garnix.
    Das solide Denken von Früher ist außer kraft gesetzt und in die Tonne geworfen worden. Ein neues Denken ist angesagt. Es braucht nur weiter gedruckt zu werden. Immer weiter Geld drucken ist das Geheimnis. Und das machen sie alle. Gott sei Dank machen es alle so. Und wenn das so einfach ist, und es ist ganz einfach, dann stellt sich die Frage, wo ist das Problem? Es gibt keine Probleme.
    Nur die Schwätzer bleiben. Glauben, sie wüßten den Weg. Heißt also, noch einmal die Schulbank drücken und dazulernen.

  • Lieber Hr.Doll, der 24.Oktober 1929 ist näher als Sie denken...
    Mit freundlichen Grüßen
    ein (un)-Investor

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