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Chinas Heißhunger treibt Rohstoffpreise

Der „China-Faktor“ rankt sich als Mythos um das Geschehen an den Finanz- und Rohstoffmärkten. Wissen Analysten exorbitante Kurs- und Preisausschläge nicht logisch zu erklären, bringen sie den „China-Faktor“ ins Spiel. Gemeint sind damit die Auswirkungen des politischen und ökonomischen Umbruchs in der VR China auf die Kurs- und Preisgestaltung der Märkte.

HB FRANKFURT/M. Der Wandel von der kommunistisch gelenkten Planwirtschaft hin zu einem marktwirtschaftlich orientierten System wird zuallererst an den Rohstoffmärkten erkennbar. Dass die repräsentativen Rohstoffindizes in den vergangenen beiden Jahren kräftig in die Höhe schossen, ist vor allem der starken Nachfrage Chinas zuzuschreiben. Und zahlreiche Analysten sind davon überzeugt: Die Rohstoffmärkte befinden sich daher erst im Anfangsstadium eines Haussemarktes.

„China ist hungrig nach Rohstoffen“, sagt Stephan Kunze von ABN Amro in Frankfurt. Defizite verzeichne das Land vor allem bei der Energieversorgung und den Basismetallen wie Kupfer und Aluminium. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die VR China im Monat Mai zum ersten Mal seit 15 Monaten wieder Nettoimporteur von Aluminium war. Bereits im Jahr 2018 dürfte die VR China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt übertreffen, sagt Kunze. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Rohstoff-Nachfrage in den nächsten Jahren auf hohem Niveau bleibe.

„China revolutioniert die Rohstoffmärkte“, sagt auch Graham Birch, Leiter des Rohstoff-Teams bei Merrill Lynch Investment Managers. Durch den starken Anstieg des chinesischen Rohstoffverbrauchs sind Ungleichgewichte entstanden. Die westlichen Industrieländer müssten sich an ein deutlich höheres Preisniveau für Rohstoffe gewöhnen. Ungeachtet der jüngsten Abkühlung der Konjunktur in China seien die langfristigen Einflussfaktoren noch intakt, sagen Jim Lennon und Adam Rowley von Macqarie Research. Etwas vorsichtiger ist Peter Blight von UBS, der davon ausgeht, dass es auf Grund der eingeleiteten Maßnahmen zur Vermeidung einer Konjunkturüberhitzung zu einer Beruhigung der chinesischen Rohstoffnachfrage kommen wird.

Die Nachfrage nach Rohstoffen werde in China weiterhin schneller wachsen als das Bruttoinlandsprodukt, sagt Birch, der dies mit dem hohen Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt begründet. „China hat in weiten Teilen des Landes beim Aufbau seiner Infrastruktur noch erheblichen Nachholbedarf“, sagt Hans-Jürgen Klisch von Raymond James & Associates. Die starke Rohstoffnachfrage werde auch durch die sich verändernde Bevölkerungsstruktur und den steigenden Wohlstand getragen.

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