4000 Papiere im Test
Die besten Aktien der Welt

Boston Consulting hat 4 000 Unternehmen getestet. Welche Aktien auch in den kommenden – schwierigen – Börsenjahren Potenzial haben und warum Konzerne aus Asien und Lateinamerika die Ranglisten dominieren.
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Westliche Manager verbinden meist Unangenehmes mit dem Getränk. "Die Chinesen machen sich damit ausländische Ingenieure gefügig, um ihnen Know-how abzuschwatzen", scherzt ein Manager eines rheinischen Chemiekonzerns, "auf jeden Fall bekommt man fürchterliche Kopfschmerzen davon." Maotai, ein Destillat aus Hirsemaische, darf bei keinem Arbeitsessen in China fehlen. Katalysator für interkulturelle Verhandlungen oder nur Kopfweh-Fusel - der Brand mit über 70 Prozent Alkohol beschert seinem Hersteller Kweichow beste Geschäfte. Der Umsatz wächst Jahr für Jahr kräftig - bei stetig steigender Gewinnmarge. Das Unternehmen hat kaum Schulden und bezahlt jedes Jahr Dividende. Damit gehört die Aktie der Schnapsbrennerei aus der Provinz Guizhou zu den besten der Welt.

Die Boston Consulting Group (BCG) stuft Kweichow in ihrem Ranking der besten Aktiengesellschaften auf Rang zwei unter den Konsumgüterherstellern weltweit ein. Ein internationales Team um die BCG-Berater Daniel Stelter, Frank Plaschke und Hady Farag hat dazu exklusiv für die WirtschaftsWoche Bilanzen und Börsenentwicklung von 4 000 Unternehmen aus zwölf Branchen und 40 Ländern analysiert. Die Unternehmensberater haben nicht nur untersucht, welche Firmen ihren Aktionären über Jahre hinweg am meisten einbringen - durch Kursgewinne und Dividenden.

Sie wollten vor allem wissen, aus welchen Quellen sich dieser Börsenerfolg speist. Wächst der Umsatz mit dem Börsenwert? Wie steht es mit der Marge - lässt sie noch Raum für Gewinnsteigerungen, oder hat sich die Firma schon schlankgespart? Werden unter dem Strich Schulden abgebaut oder angehäuft? Kommen Aktionäre in den Genuss von Dividenden und Aktienrückkäufen? Nicht zuletzt: Wie sehr ist das Papier schon zum Anlegerliebling mutiert, wird an der Börse für den gleichen Umsatz und Gewinn also immer mehr bezahlt?

Die Ergebnisse dieser einzigartigen Untersuchung zeigen, ob die Kursgewinne nachhaltig und fundamental untermauert sind, welche Aktien noch Potenzial haben und welche vor allem von den Anlegern hochgejubelt werden. Für Investoren besonders interessant ist die Differenz des fundamentalen Wertes zum aktuellen Börsenwert. In den Tabellen "Sieger nach Branchen" ist sie grün oder rot dargestellt.

Rot bedeutet: Die Aktie wird an der Börse höher bewertet, als es die Ertragskraft des Unternehmens hergibt. "Die Anleger setzen offenbar große Hoffnungen in diesen Wert und nehmen durch ihre teuren Aktienkäufe eine bessere Zukunft vorweg", erklärt BCG-Partner Plaschke. Bei Aktien mit grünen Ziffern hingegen unterschätzen Anleger die künftige Ertragskraft, sie bewerten sie zu niedrig. Plaschke spricht von einer "negativen Erwartungsprämie". Die Methodik ist auf der letzten Seite des Artikels erklärt.

Am besten lässt sie sich an einem Beispiel aus dem Dax erläutern : Auf den ersten Blick sind Thyssen und FMC gleich gute Aktien. Beide brachten Anlegern in den letzten fünf Jahren einen Gesamtertrag von 15 Prozent pro Jahr. Nur stehen - rein fundamental - bei Thyssen die Chancen schlechter, dass dies auch weiterhin so sein wird: Fast der gesamte Ertrag stammt aus einer Höherbewertung der Aktie an der Börse, die pro Jahr 36 Prozentpunkte beitrug. Das operative Geschäft hat sich hingegen verschlechtert: Während der Umsatz noch in etwa gleich blieb, kostete eine sinkende Gewinnmarge die Aktionäre 33 Prozentpunkte pro Jahr. Anders FMC: Der Umsatz schuf pro Jahr runde 13 Prozentpunkte Mehrwert; die Bewertung an der Börse ist dennoch rückläufig.

In der Analyse fällt auf: Immer mehr Gewinner-Aktien kommen aus Schwellenländern wie Südkorea, Brasilien, Indien, Mexiko - und vor allem aus China. Von den insgesamt 120 je zehn besten Aktien aus zwölf Branchen stammen allein 21 aus China, 12 aus Indien und 8 aus Südkorea; viele asiatische Werte haben ihre westlichen Konkurrenten in puncto Wachstum und Börsenerfolg längst abgehängt. Sie brachten ihren Aktionären seit 2005 bis zu 106 Prozent Ertrag aus Wertsteigerung und Dividende - pro Jahr.

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