Abgeltungssteuer
Steuer verunsichert Anleger

Die Folgen der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer interessieren Privatanleger mehr als viele Börsenthemen – insbesondere mehr als die aktuelle Finanzkrise. Das ergab die Telefon- und Internet-Aktion des Handelsblatts und des Bundesverbands deutscher Banken am Freitag. Zehn Bankexperten standen Lesern am Telefon und online Rede und Antwort.

HB DÜSSELDORF. Besondere Zusatzschwerpunkte bei der Aktion waren Direktanlage, Fonds, Zertifikate und Altersvorsorge. Die wichtigsten Änderungen im Rahmen der neuen Steuer sind die Abschaffung der Spekulationsfrist von zwölf Monaten und die Einführung einer einheitlichen 25-prozentigen Steuer auf alle Kapitalerträge inklusive Kursgewinne. Zudem wird das Halbeinkünfteverfahrens abgeschafft, so dass Aktienerträge künftig voll versteuert werden müssen. Heute besteht noch die Möglichkeit zum Anteilsverkauf nach einem Jahr, ohne dass dann der Anteilspreisgewinn versteuert wird.

Ab 2009 fühlt sich ein Leser „wehrlos“, wenn die Fondshäuser ihre jährlichen Managementgebühren erhöhen und Erfolgsprämien einführen sollten – was jetzt schon eine Gesellschaft umfassend tat. Der Anleger kann einen dann erworbenen Fondsanteil nach Gebührenerhöhungen nicht mehr verkaufen und in ein kostengünstigeres Produkt wechseln, ohne Abgeltungssteuer zu zahlen. Der Experte räumte das Problem ein, verwies jedoch auf die wachsende Konkurrenz der Anbieter und Initiativen der Europäischen Union zur Offenlegung der Gebühren.

Darüber hinaus gab es Fragen zu Umschichtungen von Aktien- in breiter anlegende Mischfonds. Der Experte räumte allerdings ein: Bei einem Verkauf der Aktienfonds nach 2009 gelte Bestandsschutz für die Kursgewinne. Allerdings fällt das bisherige Halbeinkünfteverfahren weg, dass nur die Versteuerung der Hälfte der Dividendeneinnahmen vorsieht. Der Experte riet vom erwogenen Wechsel nach 2009 ab.

Bei der Altersvorsorge spielen Fondssparpläne eine große Rolle. Ein Leser mit 30 Jahren Anlagehorizont setzt dabei auch Indexfonds und fragte nach passenden Messlatten. Der angesprochene Fachmann hielt das für eine gute Lösung und empfahl auf Grund der fehlenden Währungsrisiken europäische und deutsche Indizes sowie eine Beimischung asiatischer Kursbarometer. Ein anderer Leser wollte eine hohe Summe zur Steueroptimierung in niedrig verzinslichen Anleihen anlegen, war sich aber über die Steuerfolgen ab 2009 nicht klar. Wenn die Papiere noch vor dem erwähnten Jahr erworben werden, sind Kursgewinne nach zwölf Monaten steuerfrei. Dennoch riet der Banker zu prüfen, ob der langfristige steuerliche Vorteil bei einem eventuellen Kursverlust im Zuge einer Stimmungseintrübung am Anleihemarkt wirklich überwiegt.

Ein Rentner mit niedrigem Steuersatz wollte wissen, wie sich seine Situation nach 2009 darstellt. Der angesprochene Fachmann wies darauf hin, dass auch ihm 25 Prozent abgezogen werden, er die Differenz zum geringeren persönlichen Steuersatz aber im Wege der Einkommensteuer-Erklärung zurückfordern kann. Darüber hinaus gab es viele weitere und teils sehr komplexe steuerliche Fragen, die längere Zeit für die Beantwortung in Anspruch nahmen.

Informationsbedarf zur aktuellen Börsenlage hatten nur wenige Leser. Einer unter ihnen fragte nach Chancen für Aktien. Der Experte verwies auf die derzeit guten Wirtschafts- und Unternehmensdaten. Er riet zum Einstieg, empfahl dabei europäische Aktien als die Werte mit weiterhin größtem Potenzial.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%