Abgeltungsteuer
Parkplatz für Investments gesucht

Ende 2008 dürften Hunderte neuer Anlagevehikel auf den Markt kommen, ausgelegt auf die Abgeltungsteuer 2009. Wohin mit dem freien Kapital bis dahin?
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Runde 3 beim Wettrüsten ist eingeläutet. Die Frankfurter konstruieren ausgeklügelte Waffen im Kampf gegen das Böse. In Berlin lauert das feindliche Lager, allzeit bereit, das Konstrukt des ersten Frankfurters, der sich aus der Deckung wagt, zu sezieren und bei der kleinsten Ungereimtheit mit dem schärfsten Schwert zurückzuschlagen: einer druckfrischen, neuen Steuerrichtlinie. Denn am Main sitzen die großen deutschen Fondsgesellschaften und brüten über neue Produkte, mit denen sie im nächsten Jahr Millionen deutscher Steuersparer in Empfang nehmen können, die vor der ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer Unterschlupf suchen. Und in Berlin warten die Geldeintreibertruppen von Finanzminister Peer Steinbrück drauf, jede noch so kleine Gesetzeslücke, die das Frankfurter Heer erfolgreich ausgekundschaftet hat, postwendend zu schließen.

Runde 1 und 2 gingen schon an Berlin: Steueroptimierte Indexzertifikate wurden im Mai rückwirkend zum März einkassiert; die Luxemburger Millionärsfonds traf es soeben. Immerhin scheint das durch die Bankentürme wabernde Gerücht, womöglich werde Berlin die ganze Abgeltungsteuer schon früher als 2009 umsetzen, schon aus wahlkampftaktischen Gründen unwahrscheinlich. Welche Partei will sich nachsagen lassen, ihr sei der Vertrauensschutz keinen Pfifferling wert? Auch wenn es in diesem Fall nur um den gefühlten, nicht um den rechtmäßigen Vertrauensschutz geht – noch liegen die Details zur Steuer in Form einer finalen Durchführungsverordnung, auf die man sich berufen könnte, gar nicht vor.

Derweil fragen sich Privatanleger, die gerade frisches Geld anlegen wollen: Jetzt noch schnell langfristig investieren oder lieber auf den Steuer-Schlussverkauf warten? Der Fonds Metzler Torero Multi Asset hat laut Werbung die Abgeltungsteuer schon bei den Hörnern gepackt; die Fondsgesellschaft Franklin Templeton ruft mit einem röhrenden Hirsch zum Ende der Schonzeit und zum Handeln auf – jedes Vieh wird derzeit vor den Karren gespannt. Fidelity liebt es nüchterner und beteuert, für den künftigen Abschlag bestens gerüstet zu sein. Eine Werbelawine rollt an, die Mitte 2008 zum Hype wachsen könnte.

Denn von 2009 an sind auf alle Kapitalerträge 25 Prozent Steuer plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer fällig, die zwölfmonatige Spekulationsfrist für Gewinne aus Aktienverkäufen entfällt ersatzlos. Experten erwarten, dass die Deutschen bis zu 200 Milliarden Euro Vermögen in den nächsten Monaten umschichten werden, um ihre Steuerlage zu verbessern – wenn sie bisher auf Zinsen mit ihrem persönlichen Steuersatz über 25 Prozent lagen, hilft ihnen die neue Steuer; wenn sie jetzt Aktien kaufen, denen sie über Jahre dank erhoffter Kursgewinne treu bleiben wollen, umgehen sie die neue Steuer. Denn für Papiere, die vor Silvester 2008 gekauft werden, gilt weiterhin die steuerbefreiende Spekulationsfrist. Eine Ausnahme sind Zertifikate: Wer sie bis zum 30. Juni 2008 kauft, kann sie noch bis zum Ende der ihnen gewährten Übergangsfrist am 30. Juni 2009 unter Ausnutzen der Spekulationsfrist verkaufen.

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