Abspaltungen lohnen sich oft nur für die Muttergesellschaft – Infineon und Epcos gelten als spekulative Werte
Siemens-Aktie überflügelt ihre Ex-Töchter

Wenn große Unternehmen Geschäftsbereiche ausgliedern und an die Börse bringen, fahren Anleger langfristig mit der Konzernmutter oft besser als mit den Töchtern. Das Paradebeispiel dafür ist Siemens. Der Münchener Konzern brachte 1999 sein Geschäft mit elektronischen Bauelementen unter dem Namen Epcos an die Börse; 2000 folgte der Halbleiterhersteller Infineon.

HB DÜSSELDORF. Die Kurse der Töchter gingen zwar kurzfristig steil nach oben, dann setzte aber ein massiver Abschwung ein. Nur für die Siemens-Aktionäre hat sich die Abspaltung der konjunkturanfälligen Geschäftsbereiche gelohnt. Auch der Bayer-Konzern hat in diesem Jahr sein schwankungsanfälliges Spezialchemiegeschäft an die Börse gebracht. Hier zeigt sich bisher ebenfalls das Muster von Siemens.

Die Siemens-Aktie hat sich vom Anteilsschein einer „Bank mit angeschlossener Elektroabteilung“ zum Substanzwert eines Mischkonzerns entwickelt. Das Papier gilt als solides Investment für langfristig orientierte Anleger. Von 38 Analysten raten aktuell nur vier dazu, Siemens zu verkaufen. Dass die Konzernmutter an den Gesellschaften jeweils deutlich weniger als 20 Prozent der Anteile hält, ist ein Ergebnis der Auflösung der alten Deutschland AG – der engen Verflechtung von Finanzwirtschaft und Industrie. Die beiden jungen Unternehmen haben sich von ihrer Mutter abgenabelt: Epcos erzielte im vergangenen Jahr 16 Prozent des Umsatzes mit Siemens, bei Infineon sind es nur noch 13 Prozent.

„Das Timing der Börsengänge von Infineon und Epcos war fantastisch – aus Sicht der Siemens-Aktionäre“, sagt Ingo Queiser von Kepler Equities. Heute wären die Geschäftsfelder eine Belastung für den Konzern. Weil beide Bereiche sehr viel Forschung und Entwicklung erfordern, hätte die Mutter dauerhaft Geld in Halbleiter und Elektronik-Bauteile stecken müssen. Mit der Abspaltung wurden dagegen Mittel frei für neue Investitionen.

Doch mit der Unabhängigkeit kommen Probleme auf die Elektronikhersteller zu. Beide gelten als zu klein, um im internationalen Wettbewerb ganz vorne mitzuspielen. „Das Geschäft mit Mikroelektronik ist extrem zyklisch und unterliegt einem hohen Konkurrenzdruck“, sagt Queiser. Infineon sieht er daher als Aktie für kurzfristig orientierte Anleger, die ein Kurspotenzial bis elf Euro habe, also rund 40 Prozent. Bei Epcos rät Queiser zum Verkauf. Oliver Drebing von SES Research sieht mittel- und langfristig Potenzial bei den Töchtern – wenn sich beide auf weniger zyklische Felder konzentrieren. „Infineon und Epcos werden sich spezialisieren. Dabei werden Bauteile für die Automobilindustrie eine wichtige Rolle einnehmen“, sagt Drebing. Weil die Unternehmen noch am Anfang dieser Entwicklung stehen, bewertet der Analyst Epcos mit „unterdurchschnittlich“, Infineon hat er im Juli auf „überdurchschnittlich“ hochgestuft. Die Deutsche Bank hob gestern ihr Kursziel für Infineon um 50 Cent auf zehn Euro, weil sie eine Erholung der Nachfrage von Handyherstellern erwartet.

Gestern zeigte sich, dass die Titel des Zyklikers Infineon zu Recht als Aktie für kurzfristig orientierte spekulative Anleger gilt. Nachdem die „Wirtschafts-Woche“ berichtet hatte, der Konzern könnte noch in diesem Jahr aufgespalten werden, legte die Aktie in zwei Tagen gut vier Prozent zu. Anleger spekulierten darauf, dass die Bereiche Logik- und Speicherchips getrennt werden. Das Speicher-Geschäft (D-Rams) gilt als besonders schwankungsanfällig, weil die Chips wie Rohstoffe an internationalen Märkten gehandelt werden. Die Logikchips werden dagegen vor allem in Autos und der Industrie eingesetzt. „Infineon ist derzeit günstiger bewertet als vergleichbare Halbleiter-Unternehmen. Die Abspaltung der D-Ram-Sparte würde die Ergebnisvolatilität senken und einen Belastungsfaktor für den Aktienkurs wegnehmen“, sagt Günther Hollfelder von der Hypo-Vereinsbank.

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