Abwarten lohnt für Minderheitsaktionäre
Das erste Angebot ist nicht das beste

Bei Übernahmen von Unternehmen lohnt es sich für Minderheitsaktionäre zu warten. Jüngstes Beispiel sind die Aachener AMB Generali und der Axa Konzern AG in Köln. Nachdem die Muttergesellschaften Axa und Generali jeweils Barabfindungsangebote gemacht haben, sind die Kurse schon kräftig gestiegen.

DÜSSELDORF. Die Mütter hatten unabhängig voneinander angekündigt, dass sie die deutschen Töchter ganz übernehmen wollen. Damit sind zwei neue prominente Fälle von Abfindungs-Verfahren für Minderheitsaktionäre (Squeeze Out) ins Rollen gebracht. Erfahrungsgemäß erhöhen die Großaktionäre in solchen Verfahren mehrmals ihr Angebot und bieten einen Vergleich an, um jahrelange Streitereien zu verhindern.

Schon jetzt sind die Kurse der beiden deutschen Versicherungstöchter ausländischer Mütter höher als die Barofferten. Die Titel der Axa Versicherungs AG notierten am Freitag bei 140,50 Euro. Im Januar hatte die französische Mutter den Minderheitsaktionären 129,30 Euro geboten. Auch die Papiere von AMB Generali sind bereits mehr wert, als das Abfindungsangebot : Sie kosteten am Freitag 100,50 Euro). Die Barofferte von Generali, die noch bis 24. April läuft, beträgt lediglich 98 Euro.

Die hohen Kurse beinhalten bereits, dass die Offerte für die letzen Aktionären voraussichtlich höher ausfällt, als das erste Angebot. „Es gibt Fälle, da werden in einem Vergleich noch mal 50 Prozent auf das ursprüngliche Angebot aufgeschlagen“, sagt Jan Querfurth von der Kanzlei Rotter in München, die sich auf Anlegerschutz spezialisiert hat. Auch Carsten Heise von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz sagt: „Die letzten Aktien sind immer die teuersten.“

Ein Squeeze-Out-Verfahren erlaubt Minderheiten gegen eine Abfindung aus einer Gesellschaft zu drängen, sofern der Großaktionär mindestens 95 Prozent hält. Bis alle Verfahren abgeschlossen sind, können jedoch viele Jahre vergehen. Erst ist ein Haupversammlungsbeschluss ist fällig.

Der wird in den meisten Fällen angefochten. Der Großaktionär kontert dann mit einem Freigabeverfahren. Wenn entschieden ist, ob eine Abfindung der Minderheitsaktionäre rechtens ist, klären die Gerichte schließlich in einem Spruchverfahren, wie hoch die Abfindung ausfallen muss. Das kann viele Jahre dauern. Da legen die meisten Großaktionäre lieber noch einmal kräftig in einem Vergleich drauf.

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