Abwertung der isländischen Krone
Investoren ziehen Kapital aus Island ab

Im Land der Geysire geht es derzeit heiß her: Nach einem beispiellosen Fall der isländischen Krone geraten jetzt auch die Aktien der Banken des Inselstaates im Nordatlantik unter Druck.

STOCKHOLM. Seit Jahresbeginn hat die isländische Währung 22 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren.

Auslöser für die Turbulenzen: Die britische Rating-Agentur Fitch hatte Ende Februar den Ausblick für die isländische Wirtschaft von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Die Rating-Experten zeigten sich besorgt über das große wirtschaftliche Ungleichgewicht mit einem stark angestiegenen Leistungsbilanzdefizit und einer wachsenden Auslandsverschuldung. Daraufhin zogen sich viele ausländische Investoren aus der isländischen Krone zurück. Die Währung erreichte jetzt einen neuen Tiefstand gegenüber dem Euro: Gestern wurden für einen Euro 95,9 isländische Kronen gezahlt, zu Jahresbeginn waren es gerade einmal knapp 74 Kronen.

Dänemarks größte Bank, Danske Bank, glaubt sogar, dass die Talfahrt der Krone weiter anhalten wird, und rechnet auf Einjahres-Sicht mit 110 Kronen für einen Euro. Björn Gudmundson, Analyst der isländischen Landsbanki, teilt diesen Pessimismus nicht. „Nach unserer Auffassung ist die Krone nicht mehr fair bewertet“. Aber es sei schwer vorherzusagen, wann die Trendwende kommt.

Die Aktien der isländischen Banken Islandsbanki, Kaupthing und Glitnir kamen ebenfalls unter Druck, nachdem die Rating-Agentur Moody’s mit einer einem negativen Ausblick für Banken drohte. Die bis vor kurzem beliebten Bankaktien wurden abgestoßen. Seit Anfang dieses Monats haben die Aktien der drei größten Banken zwischen drei und fünf Prozent verloren, seit Jahresbeginn büßte allein der Kaupthing-Titel in Reykjavik mehr als ein Viertel seines Wertes ein. Experten sind besorgt, dass die Banken, die in den vergangenen Jahren vor allem im nordeuropäischen Ausland expandierten, wegen der Währungsturbulenzen und der rekordhohen Leitzinsen ihre bis Ende kommenden Jahres fälligen Schulden von rund 18 Mrd. Dollar nicht tilgen können. Die Banken dementieren das. Beschwichtigungen der Politik, die isländische Wirtschaft sei gesund, halfen nichts. Die Zentralbank in Reykjavik zog deshalb Ende März die Notbremse in Form einer Leitzinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent. Allerdings ohne Erfolg. „Das Vertrauen ist weg, die Leute sind nervös“, sagt Mats Olausson, Analyst der SEB in Stockholm. Gegen Ende des Jahres rechnen die meisten Analysten mit einem Leitzinssatz von rund 13 Prozent.

Wie nervös derzeit die Märkte reagieren, zeigte sich vergangene Woche: Nach einer Meldung, Island würde die Euro-Einführung erwägen, schnellte kurzzeitig der Kurs der Krone nach oben – bis Anleger und Analysten merkten, dass das Land bisher nicht einmal in der Europäischen Union ist.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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