Aktie unter der Lupe
Analysten geben die Hoffnung für die T-Aktie nicht auf

Die Übernahme der Cingular-Mobilfunknetze soll das Wachstum in den USA sichern.

DÜSSELDORF. Das Ende der Kaufzurückhaltung der Deutschen Telekom ist an der Börse verhalten aufgenommen worden. Auf die Ankündigung des Unternehmens, in den USA für 2,5 Mrd. Dollar zwei Mobilfunknetze des bisherigen Kooperationspartners Cingular in Kalifornien und Nevada zu übernehmen, reagierte der Kurs der T-Aktie zunächst mit Einbußen und setzte den jüngsten Abwärtstrend damit fort. Seit Ende Februar hat das Papier rund 20 Prozent an Wert verloren und die Kursgewinne von Anfang des Jahres längst wieder aufgezehrt.

Dabei hatten viele Analysten für 2004 das Jahr der Telekom ausgerufen. Der erneute Ärger um das Maut-Konsortium Toll Collect, das allgemein schwächere Börsen-Umfeld und zuletzt eben auch die Übernahmepläne in den USA machten den Aktionären bisher jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Ihren Optimismus haben die Analysten aber nicht verloren. Nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Bloomberg lauten nach wie vor 20 von 33 Anlageempfehlungen auf „Kaufen“. Gerade das Cingular-Geschäft bewerten viele Beobachter trotz des relativ hohen Kaufpreises als Schritt in die richtige Richtung. „Die Telekom wird den Zukauf u.a. durch Kosteneinsparungen bei den Sachanlageinvestitionen sowie durch operative Margenverbesserungen ausgleichen“, schreibt Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz in einer Studie. Letztlich sei „die Übernahme für beide Seiten eine gute Lösung“, sagt der Analyst. Cingular verhindere mögliche kartellrechtliche Probleme bei der Übernahme von AT&T Wireless, und die Telekom sichere sich eigene Netzkapazitäten in den strategisch wichtigen US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada.

Für Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim ist die Übernahme der Cingular-Netze ein „notwendiges Mosaiksteinchen“ einer veränderten Strategie des Konzerns. „Die Telekom muss weg vom reinen Sparkurs und hin zu einem deutlicheren Wachstumskurs“, fordert er. Noch lasse der Vorstand eine klare Wachstumsvision vermissen. Trotzdem empfiehlt Rothauge die Aktien der Telekom schon jetzt zum Kauf und nennt einen angemessenen Wert für die Papiere von 23 Euro. Das entspräche einem Aufschlag von fast 70 Prozent auf den gestrigen Kurs: „Auf dem aktuellen Niveau ist die Telekom ungefähr mit dem Siebenfachen des Free-Cash-Flow bewertet. Damit ist die Aktie klar zu billig“, begründet der Oppenheim-Analyst seinen Optimismus. Fundamental sprächen die gute Entwicklung in den USA und Großbritannien, das überproportionale Wachstum von T-Mobile und die Margenverbesserungen im Festnetzgeschäft für höhere Kurse.

Skeptischer bewertet Werner Stäblein von der ING-BHF Bank die Aussichten für den Aktienkurs der Telekom. Zwar hält auch er die Titel angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,9 auf Basis der für 2005 erwarteten Gewinne für günstig bewertet. Im Moment sei aber kein größerer Impuls zu erkennen, der eine überdurchschnittliche Kursentwicklung der Telekom auslösen könne, gibt Stäblein in einer aktuellen Studie zu bedenken. Seine Anlageempfehlung lautet daher „Halten“ mit einem Kursziel von 16,10 Euro.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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