Aktie unter der Lupe
Analysten mögen Hürriyet

Die türkische Tageszeitung steigert Auflage und Anzeigenerlöse. Das gefällt Aktienprofis. Die Tageszeitung Hürriyet (Freiheit) ist nicht nur Lieblingslektüre vieler Türken. Auch als Wertpapier ist Hürriyet gefragt, vor allem bei ausländischen Anlegern.

ISTANBUL. Im vergangenen Jahr legte die an der Istanbuler Börse gehandelte Aktie der Hürriyet Gazetecilik ve Matbaacilik A.S. (Hürriyet Zeitungsverlags- und Druck AG) um knapp 67 Prozent zu. Seit dem historischen Hoch bei 5,80 Lira Ende Februar 2006 fiel das Papier allerdings im Juli auf 2,68 Lira zurück. Analysten sehen von diesem Niveau aus Potenzial für Kurssteigerungen. Denn die Zeitung, die derzeit täglich mit 550 000 Exemplaren erscheint, erhöht nicht nur kontinuierlich ihre Auflage. Auch steigende Anzeigenerlöse, das profitable Druckgeschäft und Online-Aktivitäten lassen den Gewinn wachsen. Morgan Stanley empfiehlt, die Aktie überzugewichten.

Hürriyet ist das publizistische Flaggschiff der Dogan Yayin Holding (DYH), des größten türkischen Medienkonzerns, zu dem neben acht Tageszeitungen auch die Fernsehsender Kanal D und CNN Türk gehören. Neben der an sechs türkischen Druckorten produzierten Inlandsausgabe druckt Hürriyet in Mörfelden-Walldorf täglich bis zu 140 000 Exemplare ihrer Europa-Ausgaben. Dogan Yayin hält 60 Prozent an Hürriyet, die restlichen 40 Prozent sind im Streubesitz.

Im ersten Quartal 2006 steigerte die Zeitung ihre Anzeigenerlöse um 19,5 Prozent auf 77 Mill. Lira – gegenüber 12,7 Prozent im Branchendurchschnitt. Damit baute Hürriyet ihre Position als anzeigenstärkste Zeitung weiter aus: Das Blatt hat an der landesweit verkauften Zeitungs-Gesamtauflage einen Anteil von etwas über zehn Prozent, kassierte aber im ersten Quartal knapp 43 Prozent der Anzeigenerlöse aller türkischen Blätter. Die Stärke der Hürriyet, sagt Sayra Can Altundas, Analyst bei Morgan Stanley, sind ihre Leser: 65 Prozent von ihnen haben eine höhere Schulbildung und gehören zu den oberen Einkommensgruppen. „Damit erreichen Anzeigenkunden in Hürriyet fokussiert ihre wichtigsten Zielgruppen, die Zeitung positioniert sich als eine echte Alternative zur TV-Werbung“, sagt Altundas.

54 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Anzeigengeschäft, 20 Prozent aus Druckaufträgen, auch in Deutschland, wo Hürriyet u.a. Teilauflagen der „Financial Times“ und des „Wall Street Journal“ produziert. 16 Prozent der Einnahmen kommen aus dem Verkauf des Blattes, der im ersten Quartal mit konzentrierten Marketingaktionen angekurbelt wurde. Zur Auflagensteigerung trug aber auch der Ausbau der Regional- und Lokalausgaben bei. Damit konnte Hürriyet die verkaufte Auflage von 519 000 Exemplaren im vergangenen Jahr auf 540 000 im ersten Quartal 2006 steigern. Damit festigte das Blatt seine Position als eine der drei größten türkischen Tageszeitungen. Morgan Stanley prognostiziert dem Unternehmen für 2006 einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 175 Mill. Lira (93,8 Mill. Euro). Vor allem im Anzeigengeschäft sieht Morgan Stanley noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Keine türkische Aktie ist bei ausländischen Anlegern beliebter als das Hürriyet-Papier: 92,4 Prozent der börsennotierten Anteile befinden sich in ausländischen Depots. Das erklärt, warum die Aktie im Frühjahr, als viele ausländische Investoren ihr Geld aus Schwellenmärkten abgezogen haben, besonders hart abgestraft wurde. Damit ist das Papier allerdings jetzt günstig zu haben. Morgan Stanley nennt ein Kursziel von 6,68 Lira.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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