Aktie unter der Lupe
Analysten sehen PSI-Aktien positiv

Die Titel des Berliner Software-Entwicklers steigen kräftig. Experten sind sich aber uneins, ob der Einstieg noch lohnt.

FRANKFURT/M. Zwischen der PSI-Aktie vom Herbst 2002 und der vom Herbst 2003 liegen Welten: War das Ansehen des Berliner Software-Entwicklers für das Management großer Netze im Bereich Energie, Verkehr und Telefon vor einem Jahr völlig am Boden, so zeigt allein die Performance der Aktie seither, wie sehr diese in der Gunst der Anleger gestiegen ist. Rund 400 % beträgt der Zuwachs innerhalb eines Jahres, wobei der Großteil davon seit dem Frühjahr erzielt wurde. „Im März war unser Jahresergebnis so, wie im Herbst vorhergesagt“, lautet die einfache Begründung des neuen Vorstandschefs Harald Schrimpf für den Schub seither. Das hatten die Aktionäre lange nicht erlebt. Verfehlte Prognosen waren bei PSI lange Jahre auf der Tagesordnung.

Trotz des immensen Kursanstieges notiert die Aktie noch immer in der Nähe ihres aktuellen Buchwertes bei 5,04 Euro. Den fairen Wert der Aktie sieht Thorsten Reigber von der DZ Bank derzeit bei 6 Euro. Eines der Hauptargumente dabei ist, dass in der zweiten Jahreshälfte mit weiteren Kostenentlastungen zu rechnen ist. Wurden hier im ersten Halbjahr bereits 4 Mill. Euro gegenüber dem Vorjahr eingespart, so sollen nun weitere 3 Mill. Euro dazukommen. Vorstandschef Schrimpf will den Verwaltungsbereich erneut verschlanken und zusätzlich innerhalb der einzelnen Geschäftsbereiche Synergien verstärkt nutzen. Als Ergebnis erwartet man in der PSI-Zentrale zum Jahresende nach derzeitigem Stand einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2 bis 4 Mill. Euro. Die Analysten rechnen jedoch eher mit dem unteren Ende dieser Spanne. Bei 2,0 Mill. Euro liegt die Schätzung von Thorsten Reigber, bei 2,1 Mill. Euro die seines Kollegen Christoph Schlienkamp vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Schlienkamp wertet dieses Ergebnis trotzdem als Erfolg, da es zum einen in einem schwierigen Branchenumfeld erzielt worden wäre, zum anderen aber auch zeigen würde, dass nach vier Jahren in den roten Zahlen nun endlich die Ertragswende geschafft ist.

Allerdings spürt PSI auch in diesem Jahr noch eine gewisse Zurückhaltung bei seinen Kunden. Der Umsatz im ersten Halbjahr lag mit 65,8 Mill. Euro unter den Erwartungen, auf Ergebnisseite war man jedoch im Plan. Jedoch könne nach Reigbers Schätzung auch mit einem Jahresumsatz von lediglich 130 Mill. Euro ein operativer Gewinn erwirtschaftet werden. Im abgelaufenen Jahr standen an dieser Stelle noch 150 Mill. Euro.

PSI selbst hat in letzter Zeit versucht, mit einer Reihe positiver Meldungen auf sich aufmerksam zu machen. Beispielsweise wurde erst in der vergangenen Woche publik, dass der Auftragseingang im Geschäftsfeld Produktionsmanagement – hier zählen Unternehmen aus den Branchen Stahl, Chemie und Logistik zu den Kunden – in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 8,5 % über Vorjahresniveau bei 34 Mill. Euro lag. Damit hat der bisher kleinste von drei Teilbereichen deutlich zugelegt.

Über die alles entscheidende Frage, ob die PSI-Aktie nach ihrem immensen Kursanstieg noch immer ein Kauf ist, sind die Analysten indes unterschiedlicher Meinung. Während DZ-Bank-Experte Reigber noch immer zum Kauf rät, ist Lampe-Analyst Schlienkamp zwar grundsätzlich ebenfalls positiv gestimmt, rät wegen des aktuellen Kursniveaus jedoch nicht mehr unbedingt zu einem Einstieg. „Es ist im derzeitigen Marktumfeld schlicht ein psychologisches Momentum, dass es nach einer solchen Rally zu Gewinnmitnahmen kommt“, sagt er. Die Experten von First Berlin raten interessierten Anleger deshalb, erst noch auf fallende Kurse zu warten. Die Kernfrage sei, ob PSI anhaltend Erträge vorweisen kann. Die Hoffnung der Experten ruht nun vor allem darauf, dass die Kunden ihre zuletzt gezeigte Zurückhaltung bei Investitionen aufgeben. „Diese müssen in nächster Zeit zwangsläufig investieren, um ihre Produkte wieder auf den neuesten Stand zu bringen“,sagt Christoph Schlienkamp.

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