Aktie unter der Lupe
Anleger bauen auf Hochtief

Die Bauindustrie freut sich über eine steigende Auftragslage – allen voran Branchenprimus Hochtief. Der Baukonzern macht gute Geschäfte im Ausland. Viele Experten raten daher zum Kauf der Aktie.

DÜSSELDORF. Experten sehen daher langfristiges Kurspotenzial bei dem drittgrößten Bauunternehmen der Welt. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 42,58 für 2006 ist die Aktie jedoch nicht gerade billig. Dennoch empfehlen neun von 14 Analysten die Aktie zum Kauf.

Der Grund für den Optimismus sind die gut gefüllten Auftragsbücher bei Hochtief: Im ersten Halbjahr 2006 wuchs die Zahl der Aufträge um 20 Prozent auf 7,9 Mrd. Euro; insgesamt liegt der Auftragsbestand mit 21,5 Mrd. Euro auf Rekordniveau. Besonders gut laufen dabei die Geschäfte in Australien, allen voran bei der Hochtief-Tochter Leighton Holdings Limited. Das auf Infrastruktur- und Minenprojekte spezialisierte Unternehmen, an dem die Essener zu 53 Prozent beteiligt sind, hat seinen Nettogewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr um 28 Prozent auf 161,9 Mill. Euro gesteigert.

Hochtief selbst meldete erst jüngst den Neuauftrag für ein Schienenprojekt im Großraum Sydney. Auftragsvolumen: 83,32 Mill. Euro. Ein Großteil des Orderbestandes ist dabei langfristiger Natur. Daher glaubt Ralf Dibbern, Analyst bei M.M. Warburg Investment, dass sich der positive Geschäftsverlauf fortsetzen wird: „Wir gehen davon aus, dass die Konzernerträge auch über die kommenden Jahre von der Region Asia/Pazifik dominiert werden.“ Der Umsatz dort stieg in der ersten Hälfte 2006 um 32,3 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Insgesamt erwartet der Hochtief-Vorstand im laufenden Jahr einen Umsatz zwischen 13 und 14 Mrd. Euro.

Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe beobachtet die Entwicklung des Papiers dennoch skeptisch: Obwohl der Kurs momentan bei 52 Euro steht, hält der Analyst bei seinem Kursziel von 43 Euro fest. Das von Hochtief mittelfristig angestrebte Nettoergebnis von 100 Mill. Euro ist für ihn erst 2008 realistisch. „Wir sind zwar der Auffassung, dass Hochtief auf dem richtigen Weg ist, die Profitabilität im Konzern nachhaltig zu verbessern“, sagt Schlienkamp. Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis sei die Aktie jedoch zu teuer.

Warburg-Analyst Dibbern findet die isolierte Betrachtung des KGV für Bewertungszwecke nicht sinnvoll: „Die addierten Nettobarwerte im Portfolio belaufen sich auf 945 Mill. Euro, generieren aber derzeit so gut wie keine Erträge.“ Dies müsse bei der Betrachtung des optisch relativ hohen KGV berücksichtigt werden.

Nachdem der Aktienkurs seit Mai überdurchschnittlich im Vergleich zum Nebenwerteindex MDax gefallen war, erholt er sich seit Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im August wieder deutlich. Im vergangenen Jahr sah die Bilanz besser aus. Der Kurs stieg um fast 33 Prozent, allein im vergangenen Dezember lag das Plus bei über zehn Prozent. „Wir halten die Aktie auf dem derzeitigen Niveau wieder für unterbewertet“, sagt Dibbern und stuft das Papier mit „Kaufen“ ein. Als Kursziel nennt er 48 Euro.

Grundlage dieser Einschätzung sind vor allem die Private-Public-Partnership-Projekte. Im September sicherte sich Hochtief PPP-Projekte in Irland und Nordirland mit einem Vertragsvolumen von rund 470 Mill. Euro. Heino Hammann, Analyst bei der NordLB, sieht hier Ausbaupotenzial: „In den Bereichen Verwaltung, Bildung und Gesundheit ist in diesem Jahr mit Ausschreibungen von PPP-Projekten in einem Gesamtvolumen von fast drei Mrd. Euro zu rechnen.“

Claudia Schumacher
Claudia Schumacher
Handelsblatt / Redakteur
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