Aktie unter der Lupe
Anleger meiden Motorola

Die Luft wird dünn für den Motorola-Chef Ed Zander. Vergangene Woche musste der zweitgrößte Handyhersteller der Welt eine Gewinnwarnung ausgeben, jetzt hat auch noch ein rühriger Aktionär eine Internetkampagne für Zanders Rauswurf gestartet. Die Wall Street ist ebenfalls unzufrieden mit dem Boss. Der Markt lässt die Aktie ins Bodenlose sinken.

STUTTGART. „Es ist offensichtlich, dass seine Strategie einfach nicht funktioniert“, sagt Analyst Edward Snyder von Charter Equity Research. Anteilseigner Eric Jackson aus Florida fordert derweil in seinem basisdemokratischen Online-Aufruf die Ablösung von Zander und vier anderen Motorola-Topmanagern. Schon den Internetgiganten Yahoo hatte Jackson diesen Sommer das Fürchten gelehrt, als er dessen Chef Terry Semel attackierte. Eine Woche später war Semel seinen Job los. Und auch diesmal hat Jackson nach eigenen Angaben eine beachtliche Gefolgschaft hinter sich: Knapp 70 Aktionäre mit 400 000 Aktien hätten den Aufruf unterschrieben, heißt es. Auf dem Internetportal Youtube.com wurde Jacksons Video „Plan B“ bislang fast 3 000 Mal abgerufen.

Doch auch ohne die digital organisierten Störenfriede hat der Motorola-Chef genug Sorgen. Der Aktienkurs dümpelt mit 18 Dollar nur knapp über dem Jahrestief. Von 36 Analysten raten nicht einmal ein Drittel zum Kauf der Papiere, 20 zum Halten und fünf zum Verkauf. Analyst Todd Rosenbluth von Standard & Poor's setzte sein Anlageurteil gerade erst von „Kaufen“ auf „Halten“ herab, weil sein Vertrauen in eine Trendwende sinke.

Obwohl die offiziellen Zahlen erst an diesem Donnerstag vorgelegt werden, lässt der Markt die Aktie wegen der Gewinnwarnung schon jetzt fallen. Die Chefetage hat vor wenigen Tagen einen Quartalsverlust von zwei bis vier Cent pro Aktie angekündigt; die Handysparte werde noch mindestens bis ins kommende Jahr hinein rote Zahlen schreiben. Analysten hatten einen Gewinn von etwa zwei Cent pro Aktie erwartet. Unterdessen heimst die Konkurrenz wichtige Marktanteile in Europa und Asien ein. Analysten erwarten daher, dass Motorola nach diesem Quartal auf den dritten Platz der Weltrangliste abrutscht: Nach Berechnung von JP Morgan etwa beherrscht Rivale Samsung bereits 13,6 Prozent des Markts, Motorola nur noch 12,8 Prozent. An erster Stelle bleibt die finnische Nokia.

Dabei kommt Motorolas miese Bilanz nicht unerwartet. Experten warnen schon länger vor schlechteren Umsatzzahlen, nachdem das Unternehmen im Herbst 2006 die Preise für seine Handys drastisch senkte. Das war offensichtlich zu hoch gepokert: Die Gewinnmargen litten, der Absatz stieg nicht wie erhofft, und die Bilanz ging in den freien Fall. Im zweiten Quartal verschickte Motorola nach eigenen Angaben nur noch rund 35 Mill. Exemplare an die Händler, fast ein Viertel weniger als im ersten Quartal. „Diese Zahl liegt noch weit unterhalb der pessimistischsten Schätzungen“, sagte Analyst Lawrence Harris von Oppenheimer der Nachrichtenagentur Reuters.

Als größtes Problem für Motorola gelten die fehlenden Ideen. Der letzte Bestseller ist das hippe Klapptelefon Razr, das seit drei Jahren auf dem Markt ist – eine halbe Ewigkeit für die digitale Gemeinde. Vor allem die anspruchsvollen Kunden in Asien und Europa lockt das Razr kaum noch hinter dem Ofen hervor. Allein in den USA steht Motorola noch verhältnismäßig gut da. Dennoch: Um gegen die Konkurrenz bestehen zu können, „braucht man gute neue Produkte, und Motorola verlässt sich immer noch auf seine alte Palette“, kritisiert Mark Sue von RBC Capital Markets. Auch Oppenheimer-Analyst Lawrence Harris sagt: „Kosteneinsparungen reichen nicht mehr aus. Was wir brauchen, sind neue Produkte.“

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