Aktie unter der Lupe
Ladenhüter Amazon

Nicht mal Harry Potters Zauberkräfte können der Amazon-Aktie derzeit auf die Sprünge helfen. Aufgrund der hohen Quartalszahlen fürchten sich viele Aktionäre vor einem geringeren Margenwachstum des Onlinehändlers. Die Experten wiegeln ab: Vorsicht sei geboten, Panik dagegen überflüssig. Doch Amazon muss sich auch um andere Baustellen kümmern.

STUTTGART. Mit 2,5 Mill. verkauften Exemplaren ist der siebte und letzte Harry-Potter-Band die größte Neuerscheinung, die Amazon je ausgeliefert hat – und trotzdem sind die Titel bei den Anlegern in Ungnade gefallen. Denn das Buch sei unter Wert verscherbelt worden und habe deshalb nicht genug Gewinn für den Onlinehändler gebracht. Überhaupt kümmere sich Amazon zu wenig um seine Gewinnmargen, so der gewichtigste Vorwurf der Investoren.

Um mehr als zwölf Prozent ist die Aktie seit der Bilanzvorlage vergangene Woche eingebrochen. Und das, obwohl die Quartalszahlen gigantisch ausfielen: ein Umsatzplus von mehr als 40 Prozent und ein Gewinn, der fast viermal so hoch lag wie im Vorjahresquartal. Doch ob Amazon auch in Zukunft solche Steigerungsraten liefern kann, bezweifeln inzwischen viele Beobachter. „Um Amazon jetzt zu kaufen, müsste man überzeugt sein, dass sie auf lange Sicht zweistellige Margen erbringen können – und ehrlich gesagt sehen wir dafür nicht genug Beweise“, sagt etwa Mark Mahaney von Citigroup.

Allerdings: Allzu schwarz sollten die Investoren trotzdem nicht in die Zukunft sehen. Denn obwohl die meisten Banken ihr Anlageurteil derzeit auf „Neutral“ stellen, korrigierten sie ihre Kursziele in den vergangenen Tagen gleich reihenweise um zehn bis 20 Dollar nach oben. Zwischen 95 und 115 Dollar liegen die meisten der neuen Zielvorgaben, Credit Suisse erwartet sogar einen Anstieg auf 120 Dollar binnen zwölf Monaten. Im Vergleich zum aktuellen Kurs wäre dies ein Plus von mehr als 35 Prozent. Bereits jetzt hat die Aktie in nur neun Monaten seit dem Jahrestief von Januar ihren Wert um das Zweieinhalbfache gesteigert.

Dass sich Amazon dennoch um einige Baustellen kümmern muss, steht außer Frage. In der Vergangenheit gab die Chefetage viel Geld dafür aus, neue Technologien und Geschäftsfelder auf der Internetseite zu integrieren, zum Beispiel für digitale Musik und Videos. Doch bevor sich diese Investitionen auszahlen konnten, stiegen zunächst die Kosten, und auf Druck der Investoren fuhr Amazon die Ausgaben wieder zurück. „Letztlich wird allerdings der Zeitpunkt kommen, an dem das Unternehmen wieder mehr Geld in die Bereiche Technologie und Inhalte stecken muss, um konkurrenzfähig zu bleiben“, mahnt Robert Peck von Bear Stearns.

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