Aktie unter der Lupe
SAP-Aktie hinkt dem Markt hinterher

Es ist ein eher ungewöhnliches Bild: In der Kursrangliste der Dax-30-Aktien über ein Jahr hält die Aktie von SAP derzeit mit einem Minus von 22 Prozent die rote Laterne unter allen Werten. Der Technologieaktienindex Stoxx Technology verlor im gleichen Zeitraum lediglich sechs Prozent, der Dax legte gar um 17 Prozent zu.

DÜSSELDORF. Spätestens mit den enttäuschenden Zahlen im Januar hat sich die SAP-Aktie vollends vom Gesamtmarkt abgekoppelt. Sichtbares Zeichen: Zu Beginn der Korrektur Ende Februar hielt sich das Papier zwar stabil, konnte aber kaum von der guten Stimmung der letzten zwei Wochen profitieren. Mit 34,90 Euro notiert SAP nur knapp über dem Zweijahrestief von 33 Euro. Eine Milliardenklage des US-Wettbewerbers Oracle wegen des Vorwurfs des Datendiebstahls sowie der unerwartete Abgang des Technologievorstands Shai Agassi hielt Aktionäre in Atem.

„Der Weggang ist kein Vertrauensvotum für die Expansionspläne und die ehrgeizigen finanzielle Ziele von SAP bis 2010“, sagte Société-Générale-Analyst Stefan Slawinski in einer Stellungnahme Bloomberg News. Bis 2010 will SAP die Zahl der Kunden auf dann 100 000 mehr als verdoppeln und den Anteil der Mittelstandskunden steigern. Dazu will SAP auch binnen zwei Jahren bis zu 400 Mill. Euro in eine für den künftigen Unternehmenserfolg wichtige Mittelstandssoftware mit dem internen Namen „A1S“ investieren.

„Die Investitionen in die neue Software sind eine Belastung für die Marge“, schreibt Merck-Finck-Analyst Theo Kitz in seiner jüngsten Studie. Er rät zum „halten“ der Aktie und rechnet für das laufende Jahr lediglich mit einem jährlichen Gewinnanstieg je Aktie von sechs Prozent und erst 2008 wieder mit zweistelligem Gewinnwachstum.

Traditionell liegt die Messlatte für das Wachstum des Weltmarktführers für Unternehmenssoftware hoch: In den letzten 15 Jahren kletterte der Aktienkurs parallel zu Erlösen und Gewinne um im Schnitt rund 25 Prozent pro Jahr. „SAP muss in diesem Jahr sehr starke Vergleichszahlen aus dem Vorjahr schlagen“, urteilt Credit-Suisse-Analyst Matthew Hammond. Zwar fehlten derzeit Triebfedern für steigende Kurse, doch zugleich sei „auf dem aktuellen Bewertungsniveau das Abwärtspotenzial auch begrenzt.“

Tatsächlich ist die Aktie mit einem laufenden Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 21 für das laufende und 18 für das nächste Jahr so günstig bewertet wie seit Beginn der neunziger Jahre nicht mehr. Mehr als die Hälfte der 38 SAP-Analysten raten derzeit zum Kauf der Aktie, unter ihnen Knut Woller, Analyst der HVB. „Selbst wenn man die Übertreibungen der Technologieblase herausrechnet, lag die Bewertung von SAP stets in einem KGV-Band zwischen 25 und 32.

Unser mittelfristiges Kursziel lautet 51 Euro“, so Woller. Er moniert auch, dass der Kapitalmarkt im Hinblick auf den Vergleich mit dem Dauer-Rivalen Oracle zu Unrecht die aggressive Akquisitionsstrategie von Oracle honoriere und das organische Wachstum von SAP bestrafe: „Berücksichtigt man bei der Analyse der Wachstumsraten den Beitrag der Akquisitionen, so bleiben nach unseren Berechnungen von Oracles berichtetem Lizenzplus von 65 Prozent im Jahr 2006 gerade einmal zwei Prozent übrig. Das dürfte sich 2007 nicht beschleunigen, während SAP auch 2007 ein zweistelliges Lizenzwachstum erreichen sollte.“ Erste Hinweise, ob dies gelingt, erhalten Investoren im Rahmen der Quartalszahlen am 20. April.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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