Aktie unter der Lupe
Weihnachtsgeschäft ist für Toys R Us kein Kinderspiel

Große Einzelhandelsgesellschaften machen der Spielwarenkette immer mehr Konkurrenz. Das wirkt sich auch auf die Aktie des Unternehmens aus.

HOUSTON. Alle Jahre wieder: Am Tag nach Thanksgiving hat in den USA die Weihnachts-Shoppingsaison begonnen. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen bei vielen Kunden Spielzeuge – in diesem Jahr Puppen der Marke „Bratz“ (übersetzt etwa: Gören), die Stofftiere zum Kino-Kassenknüller „Findet Nemo“ und reihenweise Computerspiele. Trotzdem werden die nächsten Monate für die führende US-Spielwarenkette Toys R Us kein Kinderspiel. Denn das Fachgeschäft muss sich gegen die wachsende Konkurrenz von Einzelhandelsgiganten behaupten, die die gefragtesten Spielwaren zu Schleuderpreisen verkaufen und den damit entstehenden Verlust durch andere Geschäftssparten auszugleichen versuchen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's setzte Mitte November die Bewertung für Toys R Us von „stabil“ auf „negativ“ herab, weil „die Befürchtungen wachsen, dass das diesjährige Weihnachtsgeschäft unsere bisherige Erwartungen nicht erfüllen wird“. Der Aktienkurs stürzte am gleichen Tag 11 % ab. Seit dem Jahreshoch Mitte Oktober haben die Titel damit etwa 30 % verloren.

Während in den vergangenen Jahren vor allem die Discountkette Walmart den spezialisierteren Geschäften wie Toys R Us zusetzte, fahren jetzt auch andere Einzelhändler schwere Geschütze auf, darunter die Ketten Target und Kmart. Das Puppenzubehör „Bratz-Disco“ etwa, das sich nach Ansicht von Beobachtern zu einem der diesjährigen Knüller entwickeln wird, kostet bei Toys R Us rund 90 $, bei Kmart 80 $ und bei Target und Walmart etwa 65 $. „Toys R Us steckt in einem harten Kampf gegen die Discounter“, sagt Bill Sims, Analyst bei Citigroup Smith Barney. „Die letzten Quartalsergebnisse waren absolut enttäuschend. Die Kunden sind immer noch bereit, Geld auszugeben, aber eben nicht mehr bei den spezialisierten Spielwarenläden.“

Tatsächlich sind die Erwartungen der Experten in diesem Jahr für den US-Spielzeugmarkt allgemein recht optimistisch. Der Markt ist mit schätzungsweise 21 Mrd. $ Umsatz pro Jahr der größte der Welt. „Die Spielzeugverkäufe lassen sich relativ gut vorhersagen und schwanken von Jahr zu Jahr nicht wesentlich“, sagt Analyst Anthony Gikas von der Investmentbank US Bancorp Piper Jaffray. „Offenbar knausern die Eltern nur selten bei den Weihnachtsgeschenken.“ Die Spielzeughändler erzielen in der Vorweihnachtssaison bis zu 40 % ihres Jahresumsatzes. Einige Firmen fahren sogar sämtliche Gewinne im vierten Quartal ein.

Damit auch Toys R Us in Zukunft wieder ein größeres Stück vom Kuchen abbekommt, hat die Unternehmensspitze jetzt Notmaßnahmen angekündigt. Das Quartalsergebnis hatte mit 18 Cent Verlust pro Aktie fast doppelt so schlecht gelegen wie von Analysten erwartet und auch die Bilanz des Vorjahresquartals verfehlt. Einer der Gründe für die roten Zahlen waren die Kinderkleidungs- Filialen „Kids R Us“. Jetzt gab der Konzern aus New Jersey bekannt, die rund 150 Läden sollten ausnahmslos geschlossen werden.

Experten loben den Schritt. „Diese Pläne werden sich langfristig mehrfach positiv auswirken, weil sie ein Verlustgeschäft über Bord werfen, Bargeld liefern und es der Geschäftsleitung erlauben, sich auf die Probleme bei den US-Spielzeuggeschäften zu konzentrieren“, sagt Danielle Fox von JP Morgan, die die Aktie mit Neutral bewertet. Analyst Bill Sims schätzt, dass der Schritt 2004 etwa 8 Mill. $ zusätzlich an operativen Einnahmen in die Kasse bringen sollte und in den Jahren darauf sogar jeweils 20 Mill. $.

Dennoch bleiben die Analysten für Toys R Us vorerst pessimistisch. Der Finanzdienst Thomson First Call verzeichnet zwölf Anlageurteile, von denen acht zum Halten und vier zum Verkauf der Aktie raten. Eine Kaufempfehlung gibt keiner der Experten. „Da sowohl Walmart als auch Target ihre jeweilige Verkaufsfläche weiter vergrößern und Toys R Us gleichzeitig relativ unverändert bleibt, rechnen wir damit, dass der Trend zu einem konzentrierteren Spielwarenverkauf anhält“, sagt Gikas.

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