Aktie verliert an Wert Esmertec irritiert Investoren

Die Situation weckt unschöne Erinnerungen an das Endstadium des Neuen Marktes und das Platzen der Internet-Blase: Das Züricher Software-Unternehmen Esmertec hat – nach nicht mal einem Jahr an der Börse – massiv an Wert verloren.

ZÜRICH. Auslöser sind drastisch nach unten korrigierte Ergebnisse und ein verschwundener Chef. Die Aktie musste am Freitag, dem Tag der Generalversammlung, in Zürich zeitweise vom Handel ausgesetzt werden. Zeichen dafür, dass die Aktie sich in dieser Woche erholt, gibt es nicht. Im Umfeld nervöser Märkte, die seit Tagen vor allem den Trend nach unten kennen, dürften solche Vorfälle zusätzlich für Verunsicherung sorgen.

Esmertec stellt Software für Handys her. Als das Unternehmen vergangenes Jahr an die Börse strebte, hatte es die ersten Pannen gegeben. Der Start aufs Parkett platzte im Juli, weil eine Patentklage der Konkurrenz Unsicherheit für das Geschäftsmodell bedeutete. Einen Monat später verpatzte Esmertec auch den zweiten Anlauf. Diesmal hatte ein Kunde Konkurs angemeldet und konnte Rechnungen nicht begleichen. Erst der dritte Versuch im September gelang schließlich. Fünf Millionen Aktien zu einem Stückpreis von 18 Franken brachten 90 Mill. Franken (60 Mill. Euro) in die Kasse. Das Unternehmen hatte zwar zuvor noch nie Gewinn gemacht, aber es galt um so mehr als Hoffnungswert mit viel Potenzial. Analysten veranschlagten für das Jahr 2005 bereits schwarze Zahlen. Der Umsatz war immerhin zwischen 2002 und 2004 von vier auf 27 Mill. Dollar gestiegen. 2008, so die Prognose der Banken, waren bis zu 40 Mill. Dollar Gewinn drin. Gestützt auf solche Vorhersagen und angesichts prosperierender Märkte, die auch Pannenkandidaten eine Chance gaben, stieg der Kurs auf bis zu 26 Franken im Januar.

Seither geht es allerdings in Riesenschritten bergab. Zuerst schreckte Esmertec die Anleger mit der Feststellung auf, dass Millionen für uneinbringliche Forderungen zurückgestellt werden müssten. Der Finanzchef ging, und die Firma gestand ein, faule Verträge abgeschlossen zu haben. Sie gelobte Besserung. Der Kurs brach dennoch um ein Viertel ein. Im März folgte dann die Konsequenz: Der Firma war es nicht gelungen, 2005 einen Gewinn zu erzielen, auch der Ausblick war nicht mehr rosig. Der Umsatz werde nur noch bescheiden steigen, hieß es. Der Kurs gab abermals nach.

Seit einer Woche blutet die Firma personell aus. Sie musste bekannt geben, dass zwei Mitbegründer, frühere Ingenieure der Technischen Hochschule in Zürich, sowie die Technik-Chefin das Unternehmen verlassen wollten. Vergangenen Donnerstag, am Tag vor der Generalversammlung, schmiss der langjährige Esmertec-Chef und Verwaltungsratspräsident Alain Blancquart die Brocken hin. Der Abgang wurde von einer Warnung begleitet: Esmertec erwartet für das erste Halbjahr 2006 einen hohen Verlust. Der Umsatz dürfte von 20,1 Mill. Dollar im ersten Halbjahr 2005 auf deutlich weniger als zehn Mill. Dollar sinken. Der Aktienkurs stürzte ins Bodenlose. Aufgebrachte Aktionäre konnten sich am Freitag nur noch an den Vizepräsidenten Hans-Ulrich Müller wenden. „Fünf Franken, Herr Müller, würden Sie soviel Geld noch für eine Esmertec-Aktie bezahlen?“, fragte eine Aktionärin. Müller antwortet: „Wir sind in einer schwierigen Situation.“ Neue Software werde dringend gebraucht.

Analysten packen seither ihre Unsicherheit in wohlgesetzte Worte: „Wir zweifeln, dass die Wachstumsstory des Unternehmens noch immer intakt ist“, sagt Christoph Ladner von der Basler Bank Sarasin und empfiehlt die Aktie abzustoßen. Die Bank Sarasin hatte Esmertec im vergangenen Jahr gemeinsam mit der UBS und der Deutschen Bank an die Börse gebracht und dürfte damit unverändert zu den Gewinnern des Börsengangs gehören – auch das Muster ist bekannt.

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