Aktien, Anleihen, Fonds und ETFs statt strukturierter Produkte

„Finanzprodukte liefern keine zusätzlichen Erträge“

Die Finanzbranche ähnelt oft einer Unterhaltungsindustrie, findet Andreas Beck. Bunte Prospekte, große Versprechen, aber am Ende schaut der Anleger in die Röhre. Der Finanzexperte über sinnvolle und sinnlose Produkte.
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Viele Finanzprodukte sind schlicht zu kompliziert und bringen keinen Mehrwert. Quelle: Getty Images

Viele Finanzprodukte sind schlicht zu kompliziert und bringen keinen Mehrwert.

(Foto: Getty Images)

Woher die Rendite kommt, ist für Andreas Beck ganz klar: aus der Realwirtschaft. Der Chef des Instituts für Vermögensaufbau ist überzeugt, das komplizierte Finanzprodukte Anlegern keinen Mehrwert liefern - im Gegenteil. Aktiv oder passiv, also börsengehandelter Indexfonds (ETF) oder aktiv gemanagter Fonds, ist für ihn nicht die entscheidende Frage. Kritisch sieht er aber, dass Fondsmanager ihre eigenen Leistungsversprechen oft nicht erfüllen. Gerade in schwachen Börsenzeiten werden ihnen diese Versprechen zum Verhängnis. Ein Gespräch über sinnvolle und weniger sinnvolle Produkte.

Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA).
Andreas Beck

Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA).

Herr Beck, warum ist Geldanlage so kompliziert?
Geldanlage erscheint kompliziert, weil es inzwischen völlig unübersichtlich viele Anlageprodukte und Wertpapiere gibt. Es gibt eigentlich nur etwa 15.000 liquide Aktien weltweit. Aber 150.000 Aktienfonds und Millionen strukturierte Produkte rund um die Kursentwicklung dieser Aktien. Dieser Wildwuchs basiert meines Erachtens nach auf einem Missverständnis. Anleger glauben, Anlageprodukte würden Renditen generieren. Aber das ist falsch. Renditen entstehen nur in der Realwirtschaft, zum Beispiel über Gewinne der 15.000 Aktien. Die ganzen Produkte, die auf diesen Aktien basieren, liefern absolut gesprochen keine zusätzlichen Erträge, sondern sind ein Nullsummenspiel.

Sollte uns die mögliche Rendite etwa nicht interessieren?
Natürlich ist das interessant. Aber der Blickwinkel ist trotzdem falsch. Der einzige Sinn und Zweck des Kapitalmarktes ist es, die Realwirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Jemand sucht Kapital, sucht Investoren. Ohne diese Nachfrage gibt es keine Wertpapiere. Eine Bäckerei möchte ihre Produktion erweitern, ein Industrieunternehmen neue Maschinen kaufen. Beide brauchen Geld und gehen an den Kapitalmarkt. Dabei möchten sie die Kosten natürlich so gering wie möglich halten. Sie nehmen entweder Eigenkapital über neue Aktien auf oder Fremdkapital in Form von Anleihen. Der Anleihekupon soll also möglichst niedrig sein, die Aktie möglichst hoch bewertet.

Diese Gedanken machen sich wohl die wenigsten Anleger…
Leider nicht. Aber jeder, der schon mal eine Hypothek für den Hauskauf gesucht hat, kennt das. Man holt Angebote ein, vergleicht Laufzeiten und Konditionen, um seine Kapitalkosten so gering wie möglich zu halten. Für das, was der künftige Hausbesitzer im Wohnzimmer macht, haben große Firmen ganze Abteilungen. Ihre Aufgabe ist es, die Kapitalkosten so gering wie möglich zu halten. Niemand zahlt freiwillig fünf Prozent Zinsen, wenn er Kapital auch für drei Prozent aufnehmen kann.

Und wann kommt die Bank ins Spiel?
Die Realwirtschaft will wachsen und braucht dazu Kapital. Das besorgt sie sich vereinfacht gesprochen über Anleihen oder Aktien. Die Banken orchestrieren diesen Geldfluss, unter anderem indem sie zum Beispiel Kredite verbriefen, oder viele Aktien in einem Fonds verpacken, sodass auch Kleinanleger breit gestreut investieren können. Dabei entstehen manchmal sinnvolle Anlageprodukte und manchmal sinnlose. Die eigentliche Renditequelle bleibt aber immer die Realwirtschaft.

Warum sind Anlageprodukte oft so komplex?
Der Finanzmarkt tendiert dazu, immer noch mehr, noch kompliziertere Produkte zu kreieren. Dem Anleger muss klar sein, dass die Realwirtschaft die einzige echte Renditequelle ist. Es geht also darum, das Geld möglichst sinnvoll und breit gestreut in die Wirtschaft zu investieren. Wie kann es dort ankommen, wenn es in mehrfach verschachtelten Produkten steckt, an denen 17 Leute Geld verdienen.

Es gibt sehr sinnvolle Fondskonzepte
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6 Kommentare zu "Aktien, Anleihen, Fonds und ETFs statt strukturierter Produkte: „Finanzprodukte liefern keine zusätzlichen Erträge“"

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  • @Paul Bernward: Danke! Endlich mal wieder ein vernünftiger Beitrag! Kann ich komplett zu 100% so unterschreiben. Jeden Satz. Prima!

  • Fondsmanager wissen auch nicht mehr über die Zukunft als ich. Wofür kassieren sie dann aber 1,5% p.a. meines eingesetzten Kapitals? Falls man mit Aktien im langjährigen Durchschnitt 5% Rendite erwirtschaften kann, entsprechen 1,5% vom Kapital in Wirklichkeit einer Gebühr von 30% (!). Jemand sagt einmal Lebensversicherungen seien legaler Betrug. Bei Derivaten und Finanzprodukten werden die Anleger über die realen finanzmathematischen Zusammenhänge nicht informiert -sonst würden sie diese ja gar nicht kaufen-, manche spitzfindigen Juristen würden dies vielleicht auch Betrug nennen. Es bleibt also nur der uralte Rat: selber denken, selber fühlen, selber handeln und selber glauben. Für mich heißt dies: eine selbstbewohnte Immobilie anstreben, Sachwerte bei denen ich mich auskenne und selbstausgesuchte Aktien (jetzt im Augenblick erscheinen mir Aktien zu teuer zu sein). Der Arme ist arm dran, er kann quasi nur in Goldmünzen investieren, denn sein Gespartes wird ihm spätestens beim Harz IV Antrag wieder abgenommen. Vorher kommt natürlich noch die Investition in Bildung, Gesundheit, Familie, Lebensqualität und Erlebnisse.

  • Was Herr Beck sagt ist die Standard-Formel, die man in den deutschen Medien rauf und runter liest.
    Was aber wirklich in D. für die breite Bevölkerung notwendig wäre, ist die Einrichtung von großen Staats- oder Pensionsfonds, die alle relevanten Anlageklassen (auch Private Equity u.a.) berücksichtigen. Der größte Teil der breiten Masse wird sich nie geeignet um eine Kapital-gedeckte Alterssicherung bemühen. Dies muss für ihn verpflichtend und professionell geleistet werden.

    'Rendite entsteht nur in der Real-Wirtschaft' klingt wohlfeil. ... Dann nennen Sie mir mal die Quote im Investment-Banking der Banken ( Real-Wirtschafts-Gewinn zu Gesamt-Gewinn oder Spekulationsgewinn zu Gesamt-Gewinn). Es wird Sie wohl nicht überraschen.
    Im Markt verkehren heute die Soros' auf Augenhöhe mit den Buffet's, wie Sie wissen.
    Das Problem ist doch heute, wie schon immer, wer schon viel Kapital besitzt, hat überproportional viele Möglichkeiten, wer wenig Kapital besitzt, hat sehr wenig Möglichkeiten. Und so geht die Vermögens-Schere auch bei passiven Einkommensstrukturen immer weiter auseinander.
    Besonders in Deutschland im Übrigen. Siehe das dauernde Niedrig-Zins-Jammern und die Unfähigkeit der Politik, der Gesellschaftsverbände, der Medien, wie der Eliten schlechthin, dies auch nur mal ansatzweise geeignet zu diskutieren und konstruktiv anzugehen.
    Es geht um geeignete Möglichkeiten und Teilhabe, man muss dazu nicht das Wirtschaftssystem auf den Kopf stellen.
    Etwas in Richtung geeignetem Staatsfonds, wäre schon ein Beginn.

  • Herr Preungesheim,

    dem ist so. Kurz vorm letzten Crash 2008 hatte ich mir von der Werbung im N-tv einen sog. kostenlosen Depotcheck mit mittlerer Risikoneigung machen. Allerdings waren die empfehlende Fonds für meine RisIkoneigung teils nicht geeignet, die auch heute noch im Minus stehen. Ich habe es auf jeden Fall alleine besser hinbekommen als von den empfohlenen Vermögensverwalter des n-tv.

    Das dürfte hier nicht anders sein. Man hat auch hier eine Tür gefunden, sich an dem unwissenden deutschen Michel zu bereichern, der ausser Bausparverträge, Lebensversicherubgen, Risterrente und Tagesgeld offenbar nix anders kennt.

    Die Vermögensberater hatten damals und auch gegenwärtig Jahr für Jahr eine kostenenfreie Bühne über n-tv.

    It's the same!

  • Die Verwaltungen der Fonds kosten meist zwischen 1,5 %. Beim Dachfonds dann für die Fondsverwaltungd er Verwaltung eben noch einen Schnaps mehr.

    Fazit: Ggf. prüfen wegen Direktanlage in ausgewählte "eigene" Titel. Wer dann nicht schlechter als 2% (pro Jahr wohlgemerkt) im Vergleich zu ausgewählten Indizes liegt hat alles richtig gemacht.
    Und machst auch noch Spaß sein eigener Fondsmanager zu sein.

  • Alleine 3mal die Frage "ob es denn keine guten aktiven Fonds gibt" und ja zum Glück für den Interviewer hat er dann gesagt, dass es diese durchaus gibt. Muss Herr Beck doch auch wissen, denn er hat ja Jahre lang die Partnerfonds des Sponsors des Depot-Checks (n-tv, Capital etc.) in die optimierten Portfolios gebracht. Gut, da waren ETFs noch nicht so populär und wahrscheinlich war er jung und brauchte das Geld.

    Heute vermarktet er seinen Dach-ETF und bekommt hier eine kostenfreie Bühne dafür. Das ist schön, dass es in der Finanzwelt noch so familiär und kuschelig zugeht.

    Fazit des Artikels: ETFs sind das geringere Übel, aber in ihrer aktuellen Konstruktionsweise auch nicht die ultimative Lösung.

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