Aktien, Anleihen, Immobilien

Wer hat Angst vor der Zinswende?

Seit Jahren befinden sich die Finanzmärkte im Ausnahmezustand. Jetzt deutet sich erstmals eine Wende an: Die US-Notenbank bereitet die Märkte auf steigende Zinsen vor. Wir erklären, was das für Anleger bedeutet.
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Die US-Notenbank sucht den Ausweg aus der Politik des billigen Geldes - doch eine Rückkehr zur Normalität ist noch weit entfernt. Quelle: Getty Images

Die US-Notenbank sucht den Ausweg aus der Politik des billigen Geldes - doch eine Rückkehr zur Normalität ist noch weit entfernt.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Notenbanken haben die Zinsen auf null gesenkt und die Welt mit billigem Geld überflutet. Nur so haben sie den ganz großen Zusammenbruch, der in der Finanzkrise drohte, verhindert – auf Kosten unvorhersehbarer Nebenwirkungen. „Je länger diese Tiefzinsphase anhält, desto mehr werden sich auch die Schuldner an das billige Geld gewöhnen, und umso schmerzhafter wird der Weg zurück zur Normalität“, sagt Philipp Vorndran, Anlagestratege bei Flossbach von Storch. Er rechnet nicht mit einem raschen Ende der Nullzinsen, sagt aber auch: „Den hieraus erwachsenden Herausforderungen muss sich jeder Investor stellen. Nicht wenige werden die falschen Schlüsse ziehen.“

Auch wenn eine Rückkehr zur Normalität weit entfernt scheint – immerhin deutet sich jetzt erstmals eine Wende an: Auf ihrer jüngsten Sitzung hat die US-Notenbank Federal Reserve beschlossen, dass sie den Ausstieg aus dem größten Geldexperiment aller Zeiten wagen will. Es soll künftig keine weiteren Geldspritzen geben. Die milliardenschweren Anleihekäufe, mit denen man Wirtschaft und Märkte jahrelang gestützt hatte, sollen im Oktober auslaufen. Im kommenden Jahr könnten dann auch die Zinsen wieder steigen.

Manche Experten erwarten, dass schon Anfang des kommenden Jahres etwas passiert, andere etwas später. „Mit einer Zinswende ist spätestens bis Mitte nächstes Jahres in den USA zu rechnen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die Fed eine Leitzinserhöhung wagen, da sich die Wirtschaftsdaten sich stetig verbessern“, sagt Andrew Bosomworth, Chefstratege für die Fondsgesellschaft Pimco in Deutschland.

Entscheidend wird sein, wie stark und wie schnell die Fed die Geldpolitik strafft. Die Währungshüter haben aus der Vergangenheit gelernt. Als der frühere Fed-Chef Ben Bernanke im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Abkehr von der laxen Geldpolitik andeutete, sorgten seine Äußerungen für Panik an den Märkten. Weltweit rutschten die Börsen ab. Die Unruhe hielt über Wochen an. Bernanke ist seit diesem Jahr nicht mehr im Amt. Seine Nachfolgerin, Janet Yellen, wird vorsichtiger vorgehen, vor allem ihren Zeitplan genauer kommunizieren – damit Investoren die Chance haben, sich auf die neue Zeit einzustellen.

„Wir glauben die reale Fed Rate, also nach nach Abzug der Inflation, eher bei Nullprozent liegen wird als bei den historischen ein bis Prozent“, sagt Bosomworth. Zinswende ist dafür wahrscheinlich ein zu großes Wort, denn eine Anhebung der Zinsen dürfte es nur in homöopathischen Dosen geben. Trotzdem könnte schon das weitreichende Folgen haben.

Auf den folgenden Seiten stellen wir mögliche Folgen für die wichtigsten Anlageklassen vor: Währungen, Anleihen, Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Cash.

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11 Kommentare zu "Aktien, Anleihen, Immobilien: Wer hat Angst vor der Zinswende?"

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  • Sie beschreiben alle das Problem, daß die Wirtschaft den
    Zinseszins dauerhaft nicht erbringen kann. Also senken die
    Herrschaften den Zins oder das Spiel ist aus.

  • "Wer hat Angst vor der Zinswende?"

    Fragen Sie doch einmal bei der BAFin nach!

    Eine Zeit, in der alle Märkte auf Top-Niveau notieren, bringt Frau König, Präsidentin der BAFin, das Lebensversicherungsreformgesetz ein und durch (?), weil es der Branche "so schlecht" ginge.

    Für jeden, der etwas von der Sache versteht, eine Ungeheuerlichkeit, die an der Seriosität der Akteure massive Zweifel aufblitzen lässt.

    Es geht offensichtlich nicht um die Zinswende oder nicht, sondern darum möglichst viel in die eigene Tasche umzuleiten. Die Null-Zinspolitik der EZB gehört auch dazu.

  • Wir werden in wenigen Jahren ein neues Währungs- und Finanzsystem haben. Die Vorbereitungen werden getroffen. Solange es Menschen gibt ist das Spiel nie aus. Die Vermögen sind dann nur teilweise in anderen Händen und eventuell werden auch die Spielregeln geändert. Systemabbrüche sind riesige Chancen. Hyperinflation 1923, Zusammenbruch 1945, Wiedervereinigung 1989, Währungs-Event 2020. Es geht immer weiter - das Geld haben danach aber andere und man sollte dafür sorgen, dass man zu diesen anderen gehört. :-)

  • O.k. das haben wir jetzt verstanden. Ihr Argument: Zinsen können nicht steigen, weil Zinsen nicht steigen können. Man ist ja in seiner Verzweiflung auch schon weiter. In Spanien wurden ja Steuern auf Sparguthaben eingeführt. Glaubt Ihr Schuldenkönige denn wirklich, dass die Leute ihr Geld dann noch auf der Bank lassen. Die europäischen Sparer sind schon doof - das ist richtig. Aber ob sie doof genug sein werden, wage ich einmal zu bezweifeln. Banken Runs werden kommen und spätestens dann ist der Ofen auch mit Nullzinspolitik aus. Oder was ist ihre Idee von der Zukunft. Nullzins- und Negativzinspolitik bis in alle Ewigkeit. Ich glaube das nicht. Wir sollten die letzten ruhigen Monate bzw. Jahre noch geniessen...

  • Da wäre ich mir nicht so sicher. Ob die Wertpapiermärkte von der aktuellen Überbewertung rund 50-70% korrigieren oder ob man durch Inflation und Schuldenschnitt diesen Teil seines Vermögens verliert, spielt doch keine Rolle. Eines ist klar: Die Staaten werden sich entschulden und dabei bedient man sich der Sparvermögen, entwertet Leistungsversprechen der Sozialkassen, inflationiert Altersguthaben und erhebt Sondersteuern. Auch Immobilien und die damit besicherten Kredite, kann man durch eine Währungsreform wie gewünscht neu bewerten. Die Bürger und der Mittelstand werden bezahlen. Wer sonst.

  • Es spart keiner in physischen Edelmetallen? Das ist wirklich unglaubhaft - allerdings systemkonform.

    Die Überschuldung aller westlichen Industriestaaten inklusive USA und Deutschland läasst sich nur mittels Inflation oder/oder Schuldenschnitt beseitigen. Wir stehen wenige Monate bis Jahre vor diesem Ereignis. Nullzinspolitik und Steuern auf Spareinlagen, wie vor kurzem in Spanien eingeführt, sind schon die ersten Verzweiflungstaten der Verantwortlichen Politiker und Notenbanker. Die dadurch eingeleitete Enteigung der Sparer und Leistungsempfänger ist schon in vollem Gange. Sie wird sich sehr bald beschleunigen. Noch kann man sein Sparvermögen dem Papiergeldsystem entziehen und mittel- bis langfristig retten. Solange der Gesetzgeber es noch erlaubt, sollte man seine Kontoguthaben räumen und in Assets investieren. Immobilienbesitzer werden übrigens ebenenfalls über einen Lastenausgleich oder eine Sondersteuer zur Kasse gebeten.

    Die Notenbanken können das aktuelle Interventionslevel von 1'300 USD pro Unze Gold mit ihre Preismanipulationen an der COMEX kaum noch halten.

  • .....sonst werden alle insolvent......

    Vielleicht ist ja gerade das Absicht. Tabula rasa oder auch: besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Wenn schon Sportasse, Künstler und sogenannte Anlagespezies zu Milliardären werden, ist doch etwas faul im Staate... Wo bleibt da die notwendige Wertschöpfung? - Was würde denn passieren, wenn Menschenmassen mit einem Male anfingen ihr Geld auf den Markt zu werfen, z.B. nach globalen Ernteausfällen oder einem temporären Zusammenbruch der globalen Infrastrukturen? -- Zumindest würde ein Chaos ausbrechen, dass nicht beherrschbar wäre. - Also werden doch eher Staatsführungen versuchen, die aktuellen Geldmengen wieder einzuengen. - Möglicherweise wird es dann wichtiger sein, ein paar Fischdosen, Dosenbrot und Mineralwasser (darf ja auch die ein oder andere Flasche Wein dabei sein) in seinem Depot zu haben, als Aktien von Daimler Benz oder ähnlichem. Das nahezu grenzenlose Vertrauen in die Zukunft, dass alles so bleibt wie es ist oder möglichst noch besser werden soll, ist zumindest mir seit langem abhanden gekommen.

  • 1% zinserhöhung belastet den deutschen steuerzahler mit ca. 20 milliarden an zusätzlichen zinsen. wer soll da wieder abgegriffen werden. vorausgesetzt natürlich dass das wirtschaftswachstum nicht weg bricht.wenn ich mir dann den pensionstsunami ansehe der auf uns zurollt. gute nacht deutschland.

  • Ist ja kein Wunder, dass der "Normalbürger" vollkommen verunsichert ist: Mal ist die niedrige Zins gut (zum Hauskauf, als Konsumstütze), dann wieder schlecht (für die Lebensversicherung und Altersvorsorge).
    Dauerhaft niedrige Zinsen sind überwiegend nicht vorteilhaft und unnatürlich. Für das Verleihen von Geld muss eine angemessene Gegenleistung möglich sein. Deshalb ist eine Rückkehr zu Zinsenhöhen, etwas höher als die Inflation, immer gut. Was soll also die Panikmache vor einer Zinserhöhung, die noch Jahre brauchen wird, bis sie die früher übliche Höhe erreicht hat.

  • Papperlapapp " Im kommenden Jahr könnten dann auch die Zinsen wieder steigen. "
    Wenn es dann soweit ist machen die garantiert wieder einen Rueckzieher. Hoehere Zinsen geht bei diesen immensen Schuldenbergen naemlich gar nicht mehr. Egal ob Griechenland, Japan, USA oder Italien. Wenn die Zinsen steigen ist das Spiel aus.

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