Aktien in Europa Anlagestrategen pfeifen auf Draghi

Die Märkte hatten sich mehr von Mario Draghi erhofft. Weil der EZB-Präsident die Geldpolitik nur wenig lockerte, kam es zu einem Ausverkauf an den Börsen. Strategen großer Banken setzen dennoch auf europäische Aktien.
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Die Anlagestrategen der Großbanken setzen nach den jüngsten Aussagen des EZB-Chefs weiter auf europäische Aktien. Quelle: dpa
Mario Draghi

Die Anlagestrategen der Großbanken setzen nach den jüngsten Aussagen des EZB-Chefs weiter auf europäische Aktien.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/FrankfurtFast 500 Punkte büßte der Dax am vergangenen Donnerstag und Freitag ein und rauschte unter die Marke von 11.000 Punkten. Fast fünf Prozent rutschte auch der europäische Standardwerteindex Euro Stoxx 50 ab. Schuld war Mario Draghi. Der Präsident der Europäischen Zentralbank hatte die Erwartungen der Börsianer enttäuscht. Sie hatten mit einer noch lockereren Geldpolitik der EZB gerechnet.

Welche Konsequenzen hat das für die Börsen? Ist die Jahresendrally damit abgesagt? Zählen europäische Aktien nicht mehr zu den Favoriten für 2016? Strategen geben Entwarnung und zeigen sich vom Ausverkauf in der vergangenen Woche relativ unbeeindruckt. Viele Institute, darunter die Schweizer Bank UBS und das US-Institut JP Morgan Chase, halten an ihren optimistischen Prognosen für Aktien aus Europa fest.

Die Aussicht auf eine weitere Geldspritze der europäischen Zentralbank hatte zu einer verfrühten Jahresendrally geführt. Doch dann kam die Ernüchterung: Mario Draghi lieferte nicht. Die EZB hat zwar beschlossen, ihre monatlichen Anleihekäufe unverändert zu belassen. Außerdem senkte sie den Einlagensatz verlängerte das Programm der quantitativen Lockerung bis mindestens März 2017. Die Börsianer hatten jedoch mehr erwartet. Da half es auch nicht, dass die Zentralbank Zuversicht in Bezug auf die Wirkung ihres Stimulusprogramms signalisierte, ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2017 von 1,8 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben hat. Die Enttäuschung war groß. Börsianer zogen die Reißleine.

Möglicherweise fielen die Kurse nach Draghis Ankündigungen aber übertrieben stark. Immerhin steigen die Börsenbarometer zu Wochenbeginn schon wieder. An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt. Prognosen und Erwartungen lassen die Kurse steigen – oder auch fallen.

Doch selbst nach der schlechtesten Woche für den Euro Stoxx 50 seit August bleiben die Strategen zuversichtlich, dass sich die Konjunktur erholt. „Bis jetzt hat sich nichts wesentlich verändert“, sagt Emmanuel Cau, Aktienstratege Europa bei JP Morgan in London. „Sicher, kurzfristig könnten einige Exporteure, die vor allem vom schwachen Euro profitiert haben, unter der Rücknahme des EZB-getriebenen Optimismus leiden. Aber nächstes Jahr, so glauben wir, wird die EZB marktstützend wirken.“

Nicht alle Experten sind so optimistisch
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11 Kommentare zu "Aktien in Europa: Anlagestrategen pfeifen auf Draghi"

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  • Ja, ne ist klar. Du verdienst mit jedem Punkt nach oben, unten, seitlich, quer. Was machst du eigentlich noch hier bei den Milliarden die du schon verdient hast ?

  • Rohstoffpreise egal
    Zentralbankgeld egal
    Konjunkturzahlen egal
    Unternehmenszahlen egal

    Aktienkaufen, da gehts nur noch unbegrenzt nach oben. Alternativlos.

  • Sie scheinen leider die letzten 6.000 Punkte nach oben völlig verpaßt zu haben, schade!

  • Ich hoffe Sie haben den Ausverkauf zum Nachkauf genutzt.
    Denn die Anlage in Aktien ist alternativlos.
    Wer wie ich seit über 50 Jahren in Aktien investiert, der kann über solche Meldungen nur schmunzeln.
    Die internationalen Marketmaker im Depot und bei Schwäche aufstocken, so einfach ist die Geldanlage.
    Bei Verlust nie verkaufen, denn nur realisierte Verluste sind Verluste.

  • (...)
    was sich alles um das gegenwärtige Finanzsystem abspielt es gibt keinen Unterschied zu den Dogensüchtigen.

    Totaler Werte- und Moralverlust, Irrationalität, Lug, Betrug aufgrund zügellose Gier nach dem nächsten Schuß,
    (...)
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ist wie beim Poker: Irgendwann will einer sehen, dann platzt die Blase.

    Denn hinter den von Draghi "gedruckten" Billionen steht ja nicht ansatzweise eine Wertschöpfung , noch gar ein Wert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Draghi spielt mit der Druckerpresse und den Schulden der Euro Länder hinter denen aber kein wirtschaftlicher Wert = Innovtionskraft = wirtschaftliche Wertschöpfungskette also kein MEHRWERT steht.
    Dem Draghi-Euro fehtl die volkswirtschaftliche Substanz = Erfolg der Euro Länder.
    Solange die Refromen und damit meine ich der Rückzug des Staates aus der Realwirtschaft nicht stattfindet, solange wird man keine wirtschafltiche Wertschöpfungskette = Mehrwert für eine Gesellschaft vorweisen können. Solange wird der EURO Raum von einer staatlichen Umverteilung am Leben gehalten und dies wird nur solange gut gehen, solange die in der Vergangenheit angehäuften Mehrwerte der Volkswirtschaften aufgebraucht sind. Danach wird der Mangel und die Armut den Euroraum im Griff haben.
    Innovation und Mehrwert braucht Freiraum...einen Freiraum von politischen-staatlichen Eingriffen.

  • Goldman Sachs sendet Weihnachtsgrüße.

  • Das hätte diesen elenden, geldgierigen Raffzähnen gefallen: Dass Draghi die Märkte mit noch mehr Geld flutet, die Zinsen auf ewig so mickrig bleiben und die Börsen deshalb explodieren, weil keiner mehr weiß wohin mit seiner Kohle. Zum K....

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