Aktien in USA und Asien
Lieblinge der Analysten schmieren ab

Analysten haben Macht – ihre Urteile können Aktienkurse beflügeln oder niederschmettern. Mit ihren Prognosen haben sie aber nicht immer Recht. Einige Aktientipps entpuppen sich als Verlustgeschäfte.

HongkongUm das Schlimmste beim Aktienausverkauf in diesem Jahr zu vermeiden, hätte man diesen Rat befolgen sollen: Fragen Sie Ihren Analysten, was Sie kaufen und verkaufen sollen. Dann tun sie das absolute Gegenteil. Denn die Aktien, die weltweit die größten Lieblinge der Strategen gewesen sind, haben seit Jahresbeginn durchschnittlich elf Prozent abgegeben. Dazu gehört etwa der amerikanische Spieleentwickler Activision Blizzard, der knapp ein Fünftel seines Wertes einbüßte, wie auch der Haushaltsgerätehersteller Midea aus China, dessen Aktie im gleichen Zeitraum 17,8 Prozent verlor. Die Aktien, die bei Analysten ganz unten auf der Favoritenliste standen, haben dagegen nur 3,4 Prozent verloren, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Die populären Firmen seien Opfer ihres eigenen Erfolgs, schreibt BNP Paribas Investment Partners. Der Grund: Investoren verkaufen die Gewinnertitel, um Rücknahmeverpflichtungen zu erfüllen. In den USA hat die Auflösung von Momentum Trades dazu geführt, dass Lieblingsaktien von Hedgefonds dieses Jahr um 4,6 Prozentpunkte hinter dem Standard & Poor’s 500 Index hinterherhinkten. In allen vier vorherigen Jahren hätten sie den index hingegen um zehn Prozent übertroffen, erklärt Goldman Sachs. Sich verschärfende Verluste bei den einstigen Favoriten-Aktien tragen nun zum wachsenden Pessimismus bei.

Der MSCI All-Country World Index hat letzte Woche 0,9 Prozent zugelegt und damit seinen Verlust seit Jahresbeginn auf 6,5 Prozent verringert. Der Index ist im Februar erstmals seit 2011 in einen Bärenmarkt eingeschwenkt, weil Sorgen um den Konjunkturausblick Chinas und der Kollaps der Ölpreise eine Flucht aus Risikoanlagen auslösten.

„Wenn Risiken wie in letzter Zeit reduziert werden und gute Aktien zusammen mit den nicht so guten abgestoßen werden, dann muss man zu seinen fundamentalen Analysten schon wirklich Vertrauen haben“, sagt Julian Emanuel, Geschäftsführer US-Aktien- und Derivatestrategie bei UBS Securities in New York. Solche Titel hätte man früher einmal günstig bewertete Wachstumswerte genannt. „Aber jetzt stellt sich die Frage, ob sie vielleicht nicht mehr günstig sind.“

Noch in den letzten beiden Jahren legten die beliebtesten Firmen durchschnittlich 42 Prozent zu. Bei jenen, die die Analysten nicht mochten, waren es nur 6,6 Prozent. Für Maurer von BNP Paribas ist das ein Grund, die Außenseiter zu favorisieren. „Man kann nicht ewig hinter dem herjagen, was sich am Markt bereits gut entwickelt hat“, sagt sie. „Man muss auch mal andersherum denken.“

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