Aktien legen deutlich zu
Anleger reißen sich um Anteile der Solarstrom-Anbieter

Die „Sonnen-Aktien“ drohen heiß zu laufen. Analysten rechnen deshalb mit einer technischen Korrektur.

DÜSSELDORF. Erneuerbarer Energien sind unerschöpflich, fast überall verfügbar und mindern die Abhängigkeit vom Öl – mit dieser Vision wirbt Bundesumweltminister Jürgen Trittin für ein neues Energiekonzept wie beispielsweise vergangenen Dienstag bei der Eröffnung der Konferenz für Erneuerbare Energien in Bonn.

Vor dem Hintergrund eines Ölpreises, der tagtäglich neue Rekorde markiert, hören die Anleger diese Botschaft sehr wohl – und kaufen die Aktien von Solarstrom-Anbieter. Allein in dieser Woche legten die Branchenvertreter Solar-World, Solon, Sunwaves und Solarfabrik über 10 % zu. „Der jüngste Kursanstieg ist vom Ölpreis getrieben“, stellt Patrick Hummel, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, dazu fest. Die „Sonnen-Aktien“ profitierten eigentlich von der Reform des Erneuerbaren- Energien-Gesetzes. Seit Anfang Januar wird die Einspeisung von Strom aus privaten Solaranlagen in die öffentlichen Netze deutlich stärker gefördert als noch im Jahr 2003.

Wer sich eine Solarstrom-Anlage auf das heimische Dach schraubt, dem zahlen die Energieversorger nun durchschnittlich 1 500 Euro im Jahr, rechnet die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) vor – 300 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Folge: Deutschlands Dächer werden aufgerüstet und das füllt die Auftragsbücher der Solarstrom-Anbieter. „Mit der Gesetzesnovelle wird der Bau einer Anlage für Privatleute profitabel, daher zieht die Nachfrage an“, erklärt Christoph Keidel, Analyst bei der BW-Bank.

Auch die UVS bestätigt diesen Trend und rechnet damit, dass die Branchen in diesem Jahr erstmals einen Umsatz von über 1 Mrd. Euro erreichen wird. „Die Solarenergie wird langfristig der wichtigste Energieträger in Deutschland werden“, prophezeit der UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig.

Dennoch: Trotz dieser euphorischen Aussagen sollten Anleger nicht blind in Solar-Aktien investieren, denn die Kurse sind der positiven Entwicklung bereits weit vorausgeeilt. So hat sich seit Jahresbeginn der Preis beispielsweise der Solon-Aktie versechsfacht. „Die Bewertung ist inzwischen ambitioniert“ sagt Analyst Hummel. „Kurzfristig schreit das nach einer technischen Korrektur.“

Analyst Keidel warnt zudem vor drohenden Überkapazitäten, denn „alle vier Hersteller haben begonnen, ihre Kapazitäten auszuweiten“. Da die Branche angesichts des starken Wettbewerbs aber ohnehin nur geringe Margen erzielt, arbeiten viele Unternehmen nur bei voller Auslastung rentabel. Hummel hält daher die Aktie der Solar-Fabrik für überbewertet – obwohl der Konzern dank einer massiven Umsatzsteigerung im ersten Quartal 2004 zum ersten Mal seit dem Börsengang vor zwei Jahren schwarze Zahlen schreibt.

Vorsicht ist nach seiner Ansicht auch beim Solarzellenhersteller Sunways geboten. Damit das Unternehmen auch in Zukunft wachsen kann, müsse es kräftig investieren. Eine Kapitalerhöhung sei daher nicht auszuschließen, sagt Hummel, der die Aktie mit „neutral“ einstuft. Einzig bei Solar-World, dem in puncto Marktkapitalisierung größten, börsennotierten Solarunternehmen, sieht er noch Luft nach oben, weil die Gesellschaft international am besten aufgestellt ist“.

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