Aktien-Spekulation
Student zwingt Aktie in die Knie

Eine 25-jähriger Finanzdoktorand fand heraus, dass ein amerikanischer Holzproduzent Giftstoffe verwendet. Dann riet er Anlegern in seinem Blog zu Leerverkäufen. Der Aktienkurs fiel um 50 Prozent.
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New YorkDer Einbruch der Aktien von Lumber Liquidators von mehr als 50 Prozent zwischen Ende Februar und Anfang März lassen sich offenbar zu einem Blog- Eintrag eines nur 25 Jahre alten Leerverkäufers zurückverfolgen. Xuhua Zhou, der ein Finanz-Doktorandenprogramm der Hochschule UCLA abgebrochen hatte und Einzelinvestor wurde, hatte sich das US-Unternehmen erstmals vor rund zwei Jahren genauer angeschaut.

Nach einem Anstieg der Bruttogewinnmarge stellte er fest, dass der Holzhändler einige seiner Produkte aus China bezog. Er vermute, dass die Sicherheit womöglich dem Streben nach geringeren Kosten zum Opfer gefallen war, erklärte er in einem Interview.

Zhou, der in China geboren wurde und aufgewachsen ist, verfügte bereits über Erfahrungen darin, Zulieferer aus dem Land unter die Lupe zu nehmen. Also begann er mit Nachforschungen. Diese führten letztlich zu einer Klage und einer Reportage in der populären US-TV-Sendung „60 Minutes.“

Und sie brachten Zhou das Lob eines anderen Leerverkäufers ein: Whitney Tilson, der auch gegen Lumber Liquidators gewettet hatte. „Es ist ziemlich erstaunlich, was er auf eigene Faust gemacht hat“, sagt Tilson, Chef von Kase Capital Management. Er bezeichnet Zhou als „Pionier“ der Lumber-Liquidators-Story.

Lumber Liquidators verkauft Holz-Fußbodenbeläge sowie Zubehör. Das Unternehmen sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, es verkaufe Produkte, die mehr Formaldehyd enthalten als nach kalifornischem Gesetz erlaubt. Für die „60 Minutes“-Reportage wurden unter anderem Undercover-Journalisten und versteckte Kameras eingesetzt. Zu sehen waren Manager bei drei chinesischen Fabriken, die zugaben, falsche Beschriftungen zu verwenden, damit die Produkte so aussehen, als würden sie dem US-Gesetz genügen.

In Reaktion auf den TV-Bericht erklärte Lumber Liquidators, dass die Journalisten fehlerhafte Testmethoden verwendet hätten, die Beläge seien sicher. Inzwischen fordert US-Senator Bill Nelson Untersuchungen von Aufsichtsbehörden dazu, ob von aus dem Ausland importierten Belägen ein Gesundheitsrisiko ausgeht.

Als Zhou im Jahr 2013 begann, sich das Unternehmen genauer anzusehen, fand er im Internet Beschwerden über die in China hergestellten Fußbodenbeläge von Lumber Liquidators. Daraufhin kaufte er Produkte der Firma und ließ sie auf eigene Kosten analysieren. Das Ergebnis veranlasste ihn schließlich am 20. Juni 2013 dazu, einen Eintrag auf der Investment-Webseite „Seeking Alpha“ zu veröffentlichen. Darin wird Investoren nahegelegt, die Aktien der Firma leerzuverkaufen, weil die Tests Formaldehyd-Werte oberhalb der kalifornischen Höchstwerte gezeigt hätten.

Zhou wurde später von Tilson kontaktiert, der Lumber Liquidators ebenfalls als eine Short-Wette entdeckt hatte. Er habe die Story des 25-jährigen gesehen und gegen die Aktie gewettet. Bei einer Investorenkonferenz offenbarte Tilson sein Investment und verwies auf Vorwürfe, die Firma beziehe Holz aus geschützten Gebieten und auf das von Zhou aufgebrachte Formaldehyd-Thema.

Zhou, der in Los Angeles wohnt, verwaltet nach eigenen Angaben nur sein privates Geld und arbeitet nicht für einen Fonds. Mit Leerverkaufswetten gegen Lumber Liquidators habe er Gewinne gemacht, erklärte er. Als das Unternehmen am 25. Februar dieses Jahres warnte, dass die negative TV-Reportage bevorstehe, baute er seine Wetten weiter aus. Wie viel Geld er genau verdient hat, will Zhou nicht verraten. „Ich habe einen Gewinn gemacht. Aber es geht um mehr als das“, sagt er. „Es geht um echte Menschen, echte Leben.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • es gibt leider viel zu wenig solcher mutigen,cleveren leute,die solche schweinereien aufdecken.viele firmen sagen doch: erst kommt der profit,dann die moral.letztere bleibt meistens auf der strecke.....

  • GENIAL. Gutes tun und dabei Geld verdienen. Besser geht's nicht. Bravo!

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