Aktien und Anleihen
„Geld vermehrt sich nicht mehr von selbst"

Viele Depots sind ein Sammelsurium von Anlageprodukten. Dieses Problem kennt auch Andreas Beck. Der Chef des Instituts für Vermögensaufbau über gut strukturierte, einfache Portfolios, wahre Renditebringer und Risiken.
  • 11

Die Deutschen investieren falsch und verzichten damit auf wertvolle Rendite. Dabei würden schon zwei Produkte ausreichen, um es besser zu machen, weiß Andreas Beck. Doch einfach nur breit gestreut auf den Aktien- und Anleihenmarkt zu setzen, ist dem Gründer und Chef des Münchener Instituts für Vermögensaufbau zu wenig. Im Interview erklärt er, wie Anleger ihr Portfolio clever streuen und warum ein kleines Zockerdepot auch nicht schlecht ist.

Herr Beck, viele Anleger möchten sich gar nicht so intensiv mit ihrer Geldanlage auseinander setzen. Wie können die sich ein einfaches Depot zusammenstellen?
Sie brauchen im Grunde genau zwei börsennotierte Indexfonds, kurz ETFs. Einen auf den MSCI All Country World, der zu 92 Prozent aus Aktien aus den Industrieländern und acht Prozent aus den aufstrebenden Schwellenländern besteht, und einen ETF auf den Barclays Euro Aggregat Bonds, der auf europäische Anleihen setzt. Diese Depotzusammensetzung – je nach Risikotragfähigkeit mit mehr oder weniger hohem Aktienanteil – basiert auf dem wissenschaftlichen Einfaktorenmodell. Dafür brauche ich keinen Berater, und die Strategie ist fachlich fundiert.

Klingt sehr einfach, aber auch wenig spannend.
Wenn Ihnen das zu langweilig ist, haben Sie einerseits Recht. Es ist zwar wissenschaftlich fundiert, aber Stand 1964. Auf der anderen Seite haben in der Vergangenheit weniger als zehn Prozent der aktiv gemanagten Fondsmanager langfristig ein solches Depot geschlagen.

Die Depots von Privatanlegern sehen aber oft anders aus. Da finden Sie eher ein Sammelsurium aus verschiedensten Anlageprodukten.
Ganz ehrlich? Mein privates Depot sieht auch nicht anders aus. An der Börse zu handeln, das macht doch auch Spaß. Eine Zeit lang hatte ich sogar ausschließlich in den von mir kreierten Portfolio-ETF investiert. Da hat mich dann sogar der Wirtschaftsteil der Zeitung gelangweilt. Also habe ich wieder eine Bilfinger- und eine Adidas-Aktie beigemischt und ein Russland-ETF gekauft. Mit Russland bin ich bald soweit im Plus, dass es meine Verluste mit einem ETF auf den griechischen Athex ausgleicht. Das ist ein kleines Zockerdepot mit sehr mäßigem Erfolg. Man macht das als Hobby mit ein paar tausend Euro, freut sich, wenn es gut geht, aber erwartet davon nicht die Altersvorsorge.

Also doch lieber das Einfaktorenmodell?
Aus meiner Sicht zeitgemäßer ist das Mehrfaktorenmodell, denn das ist der aktuelle Stand der Wissenschaft. Das Einfaktorenmodell stammt aus einer Zeit, als es noch keine Rechner gab, mit denen man das Modell empirisch überprüfen konnte. Es wurde von 1952 bis 1964 entwickelt. In den 1990er-Jahren versuchten dann Wissenschaftler wie Eugene Fama und Kenneth French das Modell empirisch zu bestätigen. Über verschiedene Regionen und Zeiträume haben sie versucht, die These in den Daten wiederzufinden. Man hat es aber nicht wiedergefunden, total verrückt.

Aber es klappt doch. Sie sagten doch, die meisten Fonds würden schlechter abschneiden…
Ja, ich bin halt breit gestreut. Die Fehler heben sich gegenseitig auf. Ich profitiere von allen Erträgen, die die Realwirtschaft bringt – über Aktien und über Anleihen.

Was macht das Mehrfaktorenmodell anders?
Die Kapitalmarktforschung hat inzwischen umfassend untersucht, welche Renditequellen es gibt. Der Faktor Marktrendite reicht nicht aus. Es braucht mehrere Faktoren, beispielsweise Small Caps, also die Überrendite von Aktien kleinerer Unternehmen. Diese Firmen kommen schwieriger an Kapital als Großkonzerne und müssen Investoren mehr bieten. Sie haben ein anderes Risiko-Profil, bieten aber breit gestreut auch mehr Chancen. Diesen Effekt gilt es bei der Portfoliokonstruktion zu berücksichtigen.

Kommentare zu " Aktien und Anleihen: „Geld vermehrt sich nicht mehr von selbst""

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was Anleihen (Bonds) anbelangt, teile ich - wie so viele - Becks Zurückhaltung. Hier gibt es bereits seit einiger Zeit eine gefährliche Blase, die schon bei einem moderaten Zinsanstieg schmerzhaft platzt. Auch die Immobilienpreise befinden sich in den allermeisten Lagen längst in einem besorgniserregenden Ballon, der allenfalls noch von interessierter Anbieterseite geleugnet wird. Sobald Marios fragwürdige Rezepte auslaufen oder ihr Versagen offensichtlich wird, entweicht die heiße Luft in beiden Märkten schonungslos. Natürlich wird in einem solchen Szenario auch der Aktienmarkt eine Delle bekommen, die aber ein hervorragender Einstiegszeitpunkt sein sollte.

  • Manchmal muss man auch warten können, bis sich abschätzbar "sichere" Gelegenheiten bieten.

  • Geld vermehrt sich nicht mehr, sondern verzehrt sich durch Inflation und signifikant negative Realzinsen. Das "Handelsblatt" sollte es besser wissen, aber streut stattdessen seinen Lesern Sand in die Augen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%