Aktien und Anleihen sind gefragt – Der schwache Dollar erklärt das Phänomen an den Finanzmärkten
Ausländer flüchten in Euro-Anlagen

Mit steigenden Aktienkursen zum Jahresende haben die meisten Großbanken gerechnet. Doch dass die Kurse ausgerechnet dann zulegen, wenn der Euro einen Höchststand erklimmt und immer niedrigere Renditen Konjunkturpessimismus verbreiten, überrascht Anleger doch.

DÜSSELDORF. Strategen erklären die ungewöhnliche, weil gleichzeitige Rally an den Aktien- und Anleihemärkten mit Umschichtungen aus dem Dollar-Raum. Für Amerikaner sind europäische Aktien und Anleihen attraktiv, weil Währungsgewinne Kursgewinne bedeuten.

Nach New York, London, Paris und Mailand schaffte auch Frankfurt mit seinem Deutschen Aktienindex (Dax) ein Rekordhoch in diesem Jahr. Höher als derzeit notierten die Kurse zuletzt im Sommer 2002. Nachdem der Dax dem erst kürzlich von den zehn größten deutschen Banken im Handelsblatt prognostizierten Jahresendziel von 4 205 Punkten nahe gekommen ist und sich die Rahmenbedingungen für Aktien zunehmend verdüstern, tun sich Strategen schwer, den Börsenaufschwung fundamental zu erklären. Der starke Euro sollte eigentlich ebenso die Kurse lähmen wie die fallenden Anleiherenditen. Denn für europäische Unternehmen verschlechtern sich die Exportchancen. Zum anderen signalisieren die nah an ihrem Allzeithoch notierenden Anleihekurse und damit die Flucht der Anleger in die Bondmärkte ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit. Üblicherweise fällt das mit schlechten Konjunkturerwartungen zusammen. Tatsächlich haben sich weltweit die Aussichten eingetrübt. In Deutschland und Frankreich stagniert die Wirtschaft fast angesichts des zuletzt minimalen Wachstums von 0,1 Prozent.

Und auch der Trend bei den Unternehmensgewinnen weist nach unten. Zwar verdienen die Firmen in Deutschland und den USA in diesem Jahr so viel wie noch nie. Doch die hohen Zuwachsraten werden sich 2005 nicht wiederholen. Nach 60 Prozent in diesem Jahr dürften die Dax-Unternehmen nur noch zehn bis 20 Prozent zulegen. Und das auch nur, weil viele Firmen künftig nach IFRS bilanzieren und demnach ihren Goodwill auf mehrere Jahre verteilt abschreiben dürfen. Dadurch werden die Gewinne optisch höher ausfallen. Gemessen am bisherigen Bilanzierungsstandard, dürften die Ertragszuwächse 2005, so wie in den USA, auf das durchschnittliche Mittel von fünf bis zehn Prozent zurückfallen.

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