Aktienauswahl
Die Angst-Strategie des Doktor P.

Tobias Preis ist Physiker. Und er sucht nach lukrativen Aktien. Seine Strategie: Er schaut sich die Suchbegriffe bei Google an. Klingt verrückt? Ja, klingt es, aber es funktioniert. Die Renditen können sich sehen lassen.
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LondonAus den Spuren, die Menschen per Laptop, iPad oder Smartphone im Internet hinterlassen, lässt sich ablesen, welche Aktien demnächst gefragt sein könnten. „Wenn die Anzahl der Suchen nach dem Begriff Apple stieg, konnten wir in derselben Woche auch ein erhöhtes Transaktionsvolumen der Apple-Aktie an der Börse beobachten“, sagt Tobias Preis.

Der promovierte Physiker hat mit anderen Forschern – darunter Professor H. Eugene Stanley von der Boston University und Daniel Reith von der Johannes Gutenberg Universität Mainz – untersucht, wie das Handelsvolumen der im US-Index S&P 500 vertretenen Aktien mit der Zahl der Google-Suchen nach den Namen der Unternehmen zusammenhängt. „Wir haben gezeigt, dass bei allen Aktien im S&P 500 ein Zusammenhang zwischen der Zahl der Suchanfragen und dem Transaktionsvolumen besteht“, sagt Preis.

Negative Begriffe kündigen Kursverluste an

Aber die Forscher fanden nicht nur heraus, dass das Volumen steigt, also mehr Aktien gehandelt werden, wenn der Name des jeweiligen Unternehmens häufiger gesucht wird. Sie tasteten sich auch an die Frage heran, in welche Richtung sich Märkte bewegen könnten. Preis: „Wir trafen die Annahme – die sich später bestätigt hat –, dass ein Anstieg des Suchvolumens für einen bestimmten Schlüsselbegriff Besorgnis über diesen Begriff oder damit in Verbindung stehende Dinge signalisiert.“ Einem erhöhten Suchvolumen nach negativ belegten Begriffen wie „Debt“ (Verschuldung) etwa folgten häufig Kursverluste.

Aus einer Kombination der Studienergebnisse zu Aktienvolumina und Marktbewegungen hat der 31-jährige Deutsche ein Handelssystem entwickelt, in das Daten aus Google, Wikipedia, Twitter und Facebook eingespeist werden. Seine private Fondsgesellschaft Artemis Capital Asset Management handelt nach dem System.

Rendite von 326 Prozent seit 2004

Preis und seine Kollegen programmierten ihren Algorithmus auf Basis der Suchvolumina und testeten diesen rückwirkend. „Wenn das Suchvolumen für einen negativ assoziierten Begriff in einer Woche größer war als in der Vorwoche, sind wir zu Beginn der folgenden Woche short gegangen, haben also verkauft, und am Ende der Woche zurückgekauft.“

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326 Prozent Rendite

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  • Bezieht sich die Renditeangabe, wie üblich, auf das Jahr? Also 326% pro Jahr in dem benannten Zeitraum? Das wäre sensationell! Oder auf die gesamte genannte Zeitspanne? Das wäre nichts Besonderes.

  • Für eine hypothetische Rendite von X Prozent kann man sich nichts kaufen.
    Das ist eine reine Werbeaussage, die auch kein Käufer überprüfen kann, denn er kennt weder das genaue Verfahren, noch hat er die Daten.
    Jeder kann aber so hypothetische Perfomances BEHAUPTEN.

    Irgendwelche Korrelationen zwischen Daten, die nicht unbedingt kausal verknüpft sind, kann man auch oft nachrechnen - das bekannteste Beispiel ist das mit der Zahl der Störche und der Zahl der Geburten. Das sagt aber bekanntlic nichts über eine kausale Verknüphung der Daten aus.
    Erst wenn man eine solche in einem Modell vernünftig begründen kann, dient die Korrelation der zugehörigen Daten als zusätzliches Indiz. Genau diese Kausalbrücke fehlt aber hier bzw, schein doch arg dürftig zu sein.


    Erst wenn der Mann seinen Fonds mindestens 5 Jahre real an der Börse betrieben hat, kann man aus der realen Performance EVENTUELL ablesen, ob der Ansatz etwas taugt.
    Es kann auch dann immer noch Zufall sein. Vorher ist es reine Werbeklapperei. Vielleicht geeignet um ein Sommerloch zu füllen.

  • Ist dieser Artikel nun schlecht getarnte Schleichwerbung für irgendeinen Fondsheini, oder soll hier mit Viertelwissen - mehr Klicks, mehr Anzeigenumsatz! - das lotteriesüchtige Publikum aufgeheizt werden? Erbärmlich, wie man's auch dreht. Handelsblatt, schäm dich für solchen Käse!

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