Aktienbewertungen: Wertlose Analysten-Tipps

Aktienbewertungen
Wertlose Analysten-Tipps

Meist raten Analysten bei Aktien zum Kauf. Nur wenige Papiere stehen auf den Verkaufslisten der Profis - und dann meist auch noch die falschen.
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Wertlos. Mit nur einem Wort watschte im vergangenen Sommer Graham Copley eine ganze Berufssparte ab. Seine Berufssparte. Copley ist nicht irgendwer, er ist der Leiter der weltweiten Aktienanalyse bei HSBC in London, einer der fünf größten Banken der Welt.

"Wertlos" sei die Arbeit seiner Mitarbeiter. "Komplett inakzeptabel", so Copley, seien ihre Aktienstudien. Damit beschimpfte er seine 20 Top-Analysten. Die Attacke wäre nicht so schlimm, hätten seine Mitarbeiter nicht erheblichen Einfluss auf die Aktienmärkte. Heben oder senken sie den Daumen, steigt oder sackt der Aktienkurs des belobigten oder verschmähten Unternehmens zunächst meist erheblich. Denn die Bankanalysten beraten Fondsmanager, die auf deren Rat hin Papiere in den Fonds hineinnehmen oder hinausschmeißen. Sie drängen Unternehmenslenker zu Verschlankungskuren oder Zukäufen.

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"Für private Anleger bringen die Anlageurteile nichts, denn die Empfehlungen sind sehr unterschiedlich und schwer zu verstehen", sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen in Frankfurt. Sie sollte es wissen: Früher leitete sie die Aktienanalyse der Bankgesellschaft Berlin. Trotz solcher Mahnungen ist es verlockend für Privatanleger, sich nach den Einschätzungen zu richten. Ob in den Wirtschaftsspalten der Zeitung, bei der "Börse im Ersten" vor der Tagesschau oder auf den zahlreichen einschlägigen Seiten im Internet - der Blick zumindest auf die zeitverzögerte Veröffentlichung der Analysen reizt viele Privataktionäre immer wieder zum Kauf. "Davon wird aber niemand schlauer", so Traud.

Also die Empfehlungen aus den Bankabteilungen einfach ignorieren? Warum nicht. Oder gleich den Spaß einfach umdrehen und gegen den Strom der Empfehlungen handeln. Das kann sehr effektiv sein, wie eine Stichprobe der von Analysten am schlechtesten eingeschätzten europäischen und amerikanischen Aktien zeigt. Wir haben uns angeschaut, wie sich die über vier Monate bei Analysten am wenigsten beliebten Aktien entwickelt haben im Vergleich zum Marktdurchschnitt. Und siehe da: Sie liefen vergleichbar gut, streng genommen gar einen Hauch besser.

So wollten Mitte September 2006 die wenigsten Bankprofis ihren Kunden die Aktie des Bahntechnikers Vossloh ans Herz legen. Der Internetbuchhändler Amazon stand ebenso auf der Abschussliste wie das Schweizer Biotechnikunternehmen Serono oder der Finanzsoftware-Anbieter FJH. Einige der ungeliebten Aktien schafften in der kurzen Zeit seither Gewinne zwischen 30 und 40 Prozent.

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