Aktienbörse
Am Ende hat sie doch recht

Warten Sie auf die nächste Milliardenabschreibung einer Großbank und fragen dann ihre börseninteressierten Mitmenschen, wie sich Aktien künftig schlagen. Das Ergebnis dürfte sein: Die Kurse werden fallen. Die Wirklichkeit ist aber nicht immer so finster. Die Aktienbörse scheint die Probleme der Weltwirtschaft nicht ausreichend zu berücksichtigen. Doch dieser Schein trügt.

Als vor einem Jahr das erste Dutzend amerikanischer Baufinanzierer Gläubigerschutz beantragen musste und so die Immobilienkrise ihren Lauf nahm, knickten die Aktienmärkte zwar kurzzeitig ein. Doch schon zum Jahreswechsel erklommen die Aktienkurse trotz ständig neuer Schreckensnachrichten neue Höchstwerte. Erst als sich Frankreichs Großbank Société Générale mit 4,9 Milliarden Euro vor allem am deutschen Aktienmarkt verspekulierte, gewannen düstere Szenarien die Oberhand. Und die Kurse fielen.

Warum so spät? Wieso gelingt es der Börse diesmal scheinbar nicht, die Zukunft vorwegzunehmen? Üblicherweise bilden die Finanzmärkte Trendwechsel der Realwirtschaft sechs bis zwölf Monate vorher ab. Zuletzt gelang das Kunststück vor dem Konjunkturabschwung 2001/02 mit einbrechenden Kursen ab Frühjahr 2000. Anschließend starteten die Börsen ab Frühjahr 2003, schon vor Beginn des Golfkriegs, durch und kündigten so den nächsten Boom ab 2004 an.

Doch diesmal versagt offenbar der Frühindikator. Dabei fehlt es seit einem Jahr keinesfalls an dramatischen Szenarien, in denen die Wirtschaft schwach wird und die Arbeitslosigkeit steigt: Fallende Häuserpreise drücken den Konsum und damit die Firmengewinne, weil der verminderte Immobilienwert den Kreditrahmen für die Verbraucher einschränkt. Das Problem schlägt auf die Banken durch und in der Folge auf alle Branchen: Das Geld wird knapp. Der Internationale Währungsfonds beziffert die Schäden aus der Finanzkrise auf eine Billion Dollar.

Doch derlei Szenarien sagen wenig über die Folgen für die Börsen aus. Ihre Funktion als Frühindikator, leidet aus zwei Gründen. Zum einen trifft die Krise auf ein außerordentlich robustes Umfeld. Mit dem ständigen Auf und Ab spiegeln die Aktienkurse einen dramatischen Zweikampf wider: Pessimisten argwöhnen, dass die Milliardenprobleme in der Immobilien- und Bankenwelt die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen. Optimisten setzen darauf, dass der Boom in vielen Schwellenländern das verhindert. Wer hat recht? Für die Antwort auf diese Frage gilt es, einige Punkte zu beachten.

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