„Die unbeliebteste Rally der vergangenen Jahrzehnte!“

Aktienexperte im Interview
„Die unbeliebteste Rally der vergangenen Jahrzehnte!“

Zypern hat die Investoren kaum beeindruckt. Sie glauben fest an steigende Kurse. Einer von ihnen ist Karsten Stroh von JP Morgan. Im Interview erklärt er, warum er keine Angst vor der Euro-Krise hat.
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Viele Deutsche sehen in Aktien vor allem eins: Risiko. Die Turbulenzen in der Finanzkrise haben das Vertrauen nicht gerade gestärkt. Warum sollten Anleger trotzdem in Aktien investieren?

Wer in den vergangenen Jahren nicht investiert war, hat einen Fehler gemacht. Bei aller Volatilität ließen sich mit Aktien gute Gewinne erzielen. Das sollte auch in den kommenden Jahren so bleiben.

Was macht Sie da so sicher?

Es gibt einen klaren Anreiz, in höher rentierliche Anlagen wie Aktien zu investieren. Denn langsam spricht sich herum, dass man mit Cash oder niedrig verzinsten Anlagen real Geld verliert. Die Inflation ist zwar nicht übermäßig hoch, aber die Zinsen für sichere Anlagen sind noch niedriger. Die Realzinsen werden noch lange negativ bleiben. Wer sein Geld in dieser Situation in Tagesgeld investiert, das kaum etwas erwirtschaftet, kann allein dadurch nach zehn Jahren einen Verlust von rund 20 Prozent erleiden.

Und davor schützen nur Aktien?

Unter anderem ja. Aber, es geht nicht darum, alles Geld in Aktien zu stecken. Natürlich kommt es auf eine gesunde Mischung an. In vielen Portfolios sind Aktien einfach noch unterrepräsentiert.

Gibt es an Anzeichen dafür, dass Anleger in Aktien umschichten?

Es gibt erste Anzeichen, dass Geld von Anleihen in Aktien fließt, der Anfang der sogenannten Großen Rotation. Noch wichtiger ist im Moment, dass Anleger ihre Cash-Bestände auflösen und mehr in Aktien investieren.

Die Rally an den Aktienmärkten ist schon weit gelaufen.

Ich sehe keine Übertreibung oder zu große Euphorie. Im Gegenteil. Diese Rally ist die unbeliebteste der vergangenen drei Jahrzehnte!

Was daran liegen könnte, dass sie vor allem auf billigem Geld der Notenbanken beruht.

Sicherlich ist Geld aktuell günstig. Aber europäische Aktien können aus innerer Kraft heraus überzeugen. Schauen Sie nur auf die Bewertungen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund zwölf sind die Papiere günstig und liegen damit unter ihrem langfristigen Durchschnittspreis.

Warum haben die Börsen im vergangenen Jahr so kräftig zugelegt?

Der Grund lag in der Erleichterung darüber, dass der Euro doch nicht auseinander gebrochen ist. Mit seiner Erklärung im vergangen Jahr, alles für den Erhalt des Euros zu tun, hat EZB-Präsident Draghi die schlimmsten Befürchtungen beseitigt - ohne dafür nur einen Euro auszugeben. Die Börsen haben die extremen Risiken ausgepreist und sich wieder auf die Bewertungen der Unternehmen konzentriert.

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"Zypern ist kein Präzedenzfall"

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"Einen Teil haben wir geschafft"

Kommentare zu "„Die unbeliebteste Rally der vergangenen Jahrzehnte!“"

Alle Kommentare
  • Anal-ysten Geschwaetz

  • Ganz genau, denn sie wollen ja unbeschadet eben aus ihren Positionen heraus (!) und möchten sie schrecklich gerne an die unbedarften, zittrigen Kleinaktionäre abgeben. Nicht wahr, JPM? Denn sonst seid Ihr "doomed".
    Ich habe es neulich hier...
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/marktberichte/us-boersen-wall-street-im-falle-von-zypern-rettung-
    ...schon einmal erläutert:
    "Natürlich haben wir in den USA eine gigantische Asset-Inflation bei den Aktienkursen - eine rein liquiditätsgetriebene Hausse, durch die monströse Überschussliquidität (Geldmengenzuwachs minus Sozialproduktzuwachs) irrational aufgepumpt.
    Nichts Reales steckt dahinter, kein wirklicher Konjunkturaufschwung, kein tatsächlicher Rückgang der Arbeitslosenzahlen, wie dieser - nirgendwo veröffentlichte (da nicht manipulierbare) - Arbeitsmarktchart zeigt:
    http://www.bullionbullscanada.com/us-commentary/26073-us-corpse-economy-still-losing-jobs
    "During the four years which the U.S. government has dubbed “an economic recovery”, the U.S. economy has been losing jobs at the fastest rate in recorded history – for every year of this so-called recovery...
    While U.S. employment has been a line going straight down during this “recovery”, food-stamp usage has been a line going straight up. There is no possible reality where there could be gains in both jobs and wages, and yet there are still millions more Americans qualifying for food stamps."
    ... die US-Börsen werden weiter steigen, denn die "market-making" Big-Boys haben keine andere Wahl, da sie unbedingt aus ihren Positionen raus(!) wollen:
    "Wir erleben wohl das erste Mal in der Geschichte der Börsen den Fall, dass die Distributionphase nicht funktioniert. Sprich es gelingt den großen Adressen, den sogenannten “sicheren Händen”, nicht, ihre Bestände unauffällig in die Hände unerfahrener Anleger, den “zittrigen Händen” zu befördern, weil die ihnen das Zeug einfach nicht abkaufen wollen."
    http://www.rottmeyer.de/wann-kommt-der-flash-crash-2-0/

  • Das Bankmanager und Analysten immer zum Einstieg drommeln ist normal.Das ist ihr Geschäft.

  • "Home Prices Up, Best Yearly Increase Since 2006"

    Auch die Blase wächst ...

  • Als systemrelevante Bank darf JPMorgan nie pessimistisch sein, allenfalls zur eigenen Kurspflege. Und: Stroh-Marketing ist...Stroh. Bald brennt es lichterloh, vielleicht auch erst in 5 Jahren. Wenn der letzte Privatanleger eingeiegen ist; bislang reden immer mehr Menschen eher pessimistisch, in allen denkbaren sozial-alltäglichen Situationen. Und: egal an welchem Platz.

  • Wenn man bedenkt, dass der Finanzmarkt zu 94% aus Informationen besteht und nur zu 4% aus realem Wert, ist das oben gesagte, nur eine Meinung unter beliebig vielen.

  • Goldman Sachs liefert die Stellschrauben!

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