Aktieninvestment
Rentable Spekulation auf Abfindungen

Die Regeln, nach denen Minderheitsaktionäre abgefunden werden, sollen geändert werden. Bei welchen Unternehmen sich eine Spekulation lohnt.
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Das war wohl nichts. 95 Prozent der Aktien seiner Stuttgarter Tochtergesellschaft Allianz Leben wollte der Allianz-Konzern in München unter seine Kontrolle bringen. Dann hätte er die verbliebenen freien Aktionäre zwangsweise aus dem Unternehmen drängen dürfen. Doch das Angebot für die Aktien der Allianz Leben war zu vielen Anteilseignern nicht attraktiv genug, sie boten der Konzernmutter nach und nach nur 92,58 Prozent der Aktien an. Die 95 wären dem Versicherer wichtig gewesen, dann hätte er die letzten renitenten fünf Prozent rauskaufen können, auch gegen deren Willen - das sogenannte Squeeze-out-Verfahren. So aber bleibt alles beim Alten: Die Allianz Leben steht weiter auf dem Kurszettel der Börse und muss einmal im Jahr zur Hauptversammlung laden.

Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Kampf zwischen David und Goliath aussieht, Kleinaktionäre - private wie institutionelle - können übernahmewilligen Konzernchefs das Leben richtig schwer machen. Sie wissen, dass das Management sie als lästige Teilhaber so schnell wie möglich loswerden will. Ihren Abschied lassen sie sich daher mitunter teuer abkaufen. So musste der Celanese-Mehrheitsaktionär Blackstone sein Abfindungsangebot von 32,50 auf 62,22 Euro je Anteil erhöhen.

Solche Erfolgsmeldungen aus Sicht der Aktionäre heizen die Fantasie der Börsianer an. Jüngstes Beispiel: Die Puma-Aktie legte Anfang April von 275 auf etwa 340 Euro zu, obwohl der französische Luxuskonzern PPR für die Übernahme (kein Squeeze-out) nur 320 Euro geboten hatte. Soll ein Unternehmen komplett von der Börse verschwinden, sind nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 1999 die Durchschnittskurse in den drei Monaten vor dem letzten Aktionärstreffen entscheidend. Da bleibt vom ersten Angebot bis zur Einigung viel Luft nach oben. Doch damit könnte demnächst Schluss sein, denn beim BGH läuft ein erneutes Verfahren, das die alte Regel umkrempeln dürfte.

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