Aktienmärkte
Angst vor Rezession? Ach was!

Aktien sind derzeit die attraktivste Anlageklasse. Dennoch trauen sich die Deutschen nicht ran. Sie fürchten sich vor Rezession und Börsencrash. Dabei ist die Angst unbegründet - wenn man es geschickt anstellt.
  • 16

DüsseldorfSoll ich jetzt Aktien kaufen? Oder lasse ich es lieber bleiben? Jeder, der etwas Geld übrig hat, das er anlegen möchte, wird sich diese Frage stellen. Selbst wer noch nie oder seit Jahren nicht mehr an der Börse unterwegs war, kommt ins Grübeln. Nicht weil die Deutschen auf einmal ihre Liebe zu Aktien entdecken, sondern weil gewinnbringende Alternativen nicht in Sicht sind.

Die Zinsen sind historisch niedrig. Mit Anleihen oder anderen Zinspapieren lässt sich nichts verdienen. Mit Aktien haben Anleger in diesem Jahr sehr gut verdient. Der Dax ist um knapp 20 Prozent gestiegen, auch die Dividendenrendite – bei Dax-Aktien gibt es im Schnitt immerhin 3,5 Prozent – sieht verlockend aus.

Infografik

Wohin mit dem Ersparten?

Vergleich durchschnittlicher Renditen


Das Problem ist nur: Die meisten trauen dem Braten nicht – und trauen sich nicht, ihr Geld in Aktien zu stecken. Sie fürchten einen neuerlichen Einbruch der Weltwirtschaft. Die Schuldenkrise in Europa, der Haushaltsstreit in den USA und schwächere Wachstumszahlen in China bilden ein gefährliches Gemisch. Die Wahrscheinlichkeit für eine weltweite Wirtschaftskrise wird von Experten – zum Beispiel Jeff Hochman von Fidelity oder Leon Cornelissen von Robeco – auf  25 Prozent geschätzt. Das Risiko ist also nicht unausweichlich, aber auch nicht zu verachten.

Die Wirtschaft der Euro-Zone steckt jetzt schon in der Rezession. Selbst Volkswirtschaften, auf die bisher Verlass war, geraten in die Krise. Der nächste Krisenkandidat ist bereits ausgemacht: Frankreich. Das Wirtschaftsmagazin „Economist“ nennt das Land die „Zeitbombe im Herzen Europas“. Deutschland ist bisher glimpflich davongekommen, kann sich aber nicht auf Dauer abkoppeln. Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), sagt, die deutsche Wirtschaft bewege sich „am Rand der Stagnation“. Man beobachte eine „tiefsitzende Verunsicherung“ in den Chefetagen der Unternehmen, die die Wirtschaftsentwicklung bremsen dürfte, auch wenn Deutschland vorerst nicht in die Rezession abrutschen werde.

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Unternehmen die Krise zu spüren bekommen, bis die Gewinne abbröckeln und damit auch die Aktienkurse. „Unter den makroökonomischen Gegebenheiten halte ich es für riskant, ausschließlich auf steigende Aktienkurse zu spekulieren“, sagt Andreas Utermann, Chefanlagestratege von Allianz Global Investors. Die Volatilität an den Aktienmärkten werde auch im kommenden Jahr hoch bleiben.

Kommentare zu " Aktienmärkte: Angst vor Rezession? Ach was!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zustimmung- bis auf die Ausführung Daxstand. Ich meine, dass nicht der Index die Kaufentscheidung beeinflussen sollte, sondern einzelne Papiere, die sich sicher erholen werden, nur möglicherweise nicht in wenigen Monaten. Viel Glück bei der Auswahl!

  • Aber in schlechten Zeiten steigen die Kurse, weil da sGeld nicht für Investitionen benötigt wird.

  • Ok. Aber Gold zahlt keine Dividende. Wie sieht das Ergebnis aus, wenn die Dividenden eingerechnet werden?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%