Aktienmärkte
Börsenrally auf wackligen Beinen

Die internationalen Aktienmärkte haben eine beeindruckende Erholung gestartet, auch der Dax hat seit Anfang März kräftig zugelegt. Fundamental lässt sich die Kursexplosion allerdings durch nichts rechtfertigen. Gemessen an Kennziffern sind Aktien zwar extrem günstig bewertet. Doch erst der Blick auf erweiterte Kennziffern vermittelt ein realistisches Bild.

DÜSSELDORF. Die vierte Gewinnwoche in Folge, 800 Punkte oder 20 Prozent seit dem Tief am 9. März. Das ist die atemberaubende Bilanz der aktuellen Dax-Börsenrally. Dabei haben sich die fundamentalen Vorzeichen nicht geändert: Die Weltwirtschaft sinkt im Sturzflug, ganz besonders Deutschland leidet unter einem nie da gewesenen globalen Auftrags- und Nachfragestreik.

Erklären sich die Kurszuwächse aus den wichtigsten Bewertungsziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Dividendenrendite und Kurs-Buchwert? Immerhin, gemessen an diesen Kennzahlen sind Aktien derzeit extrem günstig zu haben. Kritiker wenden zwar ein, dass all diese gegenwarts- und vergangenheitsbezogenen Zahlen wenig über die künftige Entwicklung der Unternehmen aussagen. Doch die Alternative, keinen Kennziffern zu vertrauen, führt auch nicht weiter.

Wer den aktuellen Börsenkurs in Relation zum erwarteten Firmengewinn setzt (KGV), unterliegt zweifellos der Gefahr, dass die Schätzungen mit der Realität wenig gemein haben. So rechneten Analysten bis zum Frühjahr 2008 damit, dass die Gewinne der 30 Dax-Firmen im laufenden Jahr um zwölf Prozent gegenüber 2007 zulegen würden. Tatsächlich wurde daraus ein Einbruch um 40 Prozent. Alle KGV-Berechnungen basierten also auf falschen Annahmen.

Wer auf Unternehmen setzt, die im Verhältnis zum Aktienkurs hohe Dividenden ausschütten, setzt vermutlich auf die Gewinner von gestern und Verlierer von morgen. Denn oft genug kürzen ausgerechnet jene Firmen ihre Ausschüttungen, die vorher üppig zahlten. Der Grund: Aktienkurse nehmen künftige Schwächen der Unternehmen vorweg. Sinkende Kurse deuten auf fallende Firmengewinne und damit auch niedrigere Dividenden hin. So überzeugte die Deutsche Lufthansa wiederholt mit üppigen Dividendenrenditen, strich ihre Ausschüttung aber im Folgejahr auf null.

Wer schließlich das bilanziell ausgewiesene Eigenkapital der Unternehmen in Relation zum Aktienkurs setzt (Kurs-Buchwert), erkennt zwar Aktien, die gemessen an ihrem Eigenkapital günstig zu haben sind. Aber: Viele Besitztümer wie Maschinen und Immobilien sind in Krisen wie jetzt unverkäuflich und damit nichts wert. Hinzu kommt das Risiko, dass sich das Eigenkapital reduziert, wenn die Firmen Verluste anhäufen oder Abschreibungen vornehmen.

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