Aktienmärkte: Die Stunde der „Stockpicker“

Aktienmärkte
Die Stunde der „Stockpicker“

Jahrelang hingen die Kapitalmärkte am Tropf der Notenbanken. Zahlen und Fakten aus den Unternehmen zählten nicht mehr. Für aktive Fondsmanager machte es das nicht leichter. Doch jetzt sehen sie ihre Stunde gekommen.

DüsseldorfAktive Fondsmanager hatten es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Die Märkte bewegten sich im Bann der Notenbanken und viele Kapitalmarktregeln schienen nicht mehr zu gelten. Auch Fundamentalmarktdaten hatten längst nicht mehr die Bedeutung wie zuvor. Doch nun hat die Stunde der Stockpicker geschlagen. Davon ist zumindest Dan Chambyvon überzeugt. Der Fondsmanager von Blackrock sieht nämlich einen Machtverlust der Zentralbanken und deshalb könnten seiner Auffassung nach Aktieninvestoren, die auf die Auswahl einzelner Titel setzen, wieder mit dem punkten, was sie am besten können.

Auch Chamby selbst kauft wieder Aktien, nachdem er Ende vergangenen Jahres 21 Prozent seines Portfolios in liquiden Mitteln hielt. Die Turbulenzen am Aktienmarkt seien nur natürlich, sagt er. Die Händler müssten lernen, wieder Risiko einzupreisen, die jahrelangen Konjunkturfördermaßnahmen hätten sie abgestumpft.

Statt sich Sorgen über die nächsten Maßnahmen der Währungshüter zu machen, studiert Chamby Konjunkturdaten und sucht nach günstig bewerteten Aktien. Mit Wetten auf eine Erholung beim Ölpreis schwimmt er gegen den Strom und auch einige Kollegen bei Blackrock. „Wir müssen uns viel mehr auf die Fundamentaldaten konzentrieren“, sagte Chamby. Jetzt sei es an der Zeit für die „Stockpicker“, die auf Basis von Analysen Aktien auswählen, „zu zeigen, was in ihnen steckt“.

Auch David Samra kauft wieder. Er ist bei Artisan Partners für Aktienfonds im Volumen von rund 20 Milliarden Dollar verantwortlich. Angesichts der Sorgen über einen Wirtschaftsabschwung in China und den Einbruch der Ölpreise sei es jetzt nötig, eine ruhige Hand zu bewahren und sich nicht von den Emotionen leiten zu lassen. Samra bleibt seinem Investmentprinzip treu: unterbewertete Aktien von Unternehmen mit starken Bilanzen finden.

Den aktuellen Turbulenzen kann er sogar einiges abgewinnen. „Wir begrüßen diese Art von Märkten“, sagt Samra. „Wir waren nicht glücklich über die potenziellen sozialen und wirtschaftlichen Störungen während der Finanzkrise. Das hat zu viel menschlichem Leid geführt. Man ist nicht wirklich glücklich, über das was vor sich geht. Auf der anderen Seite stellte sich heraus, dass es eine Markt-Chance ist.“ Der Anlageexperte wurden von der Ratingagentur Morningstar für die Jahre 2008 und 2013 als besser internationaler Aktienmanager ausgezeichnet.

Die Jahre nach der Finanzkrise 2008 brachten den auf Substanzwert ausgerichteten Investoren, die im Verhältnis zu Unternehmenswert und Gewinnen günstig bewertete Titel aussuchen, magere Erträge. Die beispiellosen Anleihekäufe der Zentralbanken trugen dazu bei, die Aktienkurse auf breiter Front nach oben zu treiben. Inzwischen gibt es Anzeichen, dass sich dies ändert, da die US-Notenbank Federal Reserve die geldpolitischen Zügel wieder anzieht und die Experimente in Europa und Japan mit Negativzinsen einen Ausverkauf an den Aktienmärkten nicht bremsen können. Die Bewertungen von Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren immer ähnlicher geworden waren, beginnen sich auseinanderzuentwickeln.

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