Aktienmarkt
China erwacht aus langem Börsenschlaf

Erwachen Chinas Börsen aus dem langen Dornröschenschlaf ? Zumindest gibt es Anzeichen für eine Trendwende. Vor allem einheimische Anleger stürzen sich auf den Aktienmarkt in Schanghai.

PEKING. Seit einigen Monaten hat Zheng Haijing richtig viel zu tun. Der 13. März war so ein besonders hektischer Tag. An diesem Montag musste der Anlageberater bei Huaxia Fund Management in Peking einen Kundenwunsch nach dem anderen erfüllen. Mehr als 10 000 Aktienkonten wurden an diesem Tag in ganz China eröffnet – so viel wie seit Jahren nicht mehr.

Chinas plötzlicher Anleger-Boom hält Banker wie Zheng seit Wochen auf Trab. Laut Statistik stieg die Zahl der privaten Fondskonten im ersten Quartal dieses Jahres um mehr als 350 000 Neueröffnungen – damit hat sich der Zuwachs des Jahres 2005 bereits in den ersten drei Monaten verdoppelt.

Erwachen Chinas Börsen plötzlich aus dem langen Dornröschenschlaf? Es gibt zumindest Anzeichen für eine Trendwende. Denn mit der Zuversicht steigen auch die Kurse, vor allem an der wichtigsten Festlandbörse in Schanghai. Nach fünf Jahren Talfahrt klettert der SSE-Composite-Index dort langsam nach oben. Dümpelte er Anfang Dezember noch bei 1 100 Punkten, erreichte er Mitte dieser Woche fast die Marke von 1 400 Punkten – ein Plus von gut 25 Prozent. An Chinas Zweitbörse in Shenzen stiegen die Kurse im Schnitt sogar noch deutlicher. Das zieht immer neue Anleger an.

So macht sich auch unter Analysten und institutionellen Investoren die übereinstimmende Meinung breit: Chinas Börsen sind im Kommen. Die Kurse dürften dieses Jahr noch weiter zulegen. Selbst die China-Kenner der britischen Großbank HSBC, die für Asien eher ein Ende des jüngsten Börsenfestes nahen sehen, erwarten in China ein anderes Bild. Sie gehen von weiter überdurchschnittliche Kursgewinnen aus. „Chinas Wirtschaftsentwicklung sieht gut aus, eine Menge Firmen sind unterbewertet, und viele ausländische Investoren blicken nach China“, sagt Stephen Green, Chefvolkswirt bei Standard Chartered in Schanghai.

Dennoch sind die Prognosen auch jetzt noch stark auf dem Prinzip Hoffnung gebaut. Denn der Schlüssel für einen dauerhaften Aufstieg der Börsen sind in China nicht Kapital suchende Firmen und auf Gewinn hoffende Anleger. Die Börsen in Schanghai und Shenzen werden von der Führung in Peking kontrolliert. Und deren Interessen haben oft „nicht die richtige Ausrichtung“, so Green.

Eine Kritik der Experten ist, dass sich Peking in den vergangenen Jahren vor allem um die Reform des Bankensektors gekümmert habe. Der Aufbau einer wirklich sauber funktionierenden Börse sei zu sehr vernachlässigt worden. „Das größte Problem für Chinas Börsen war die Unsicherheit über die vom Staat gehaltenen Aktien“, sagt Green. Das habe viele Anleger abgeschreckt.

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