Aktienmarkt
Dax-Zugehörigkeit der Hypo Real Estate in Gefahr

Die Geduldsprobe für Aktionäre des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate nimmt kein Ende. Nachdem sich der Kurs des HRE-Anteilsscheins allein seit Jahresanfang mehr als halbiert hat, stellen Experten die Zugehörigkeit der Aktie zum deutschen Leitindex zunehmend in Frage. Und das ist nicht die einzige Negativnachricht, die das heutige Dax-Schlusslicht aktuell zu verdauen hat.

DÜSSELDORF. Mehr als sechs Milliarden Euro Marktkapitalisierung hat der Kursverfall der Aktie der Hypo Real Estate seit Mitte Juli vergangenen Jahres vernichtet. Das heutige Dax-Schlusslicht, das aktuell mit 16,90 Euro gehandelt wird, notierte damals auf seinem Allzeithoch bei über 50 Euro.

Grund für die jüngsten Kurs-Abschläge: Die Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) erwartet weitere Abschreibungen und hat die Bonitätsnoten gesenkt. Obwohl sich die Änderung der Bewertung laut Hypo Real Estate nicht auf den Geschäftsverlauf auswirken wird, sind die Anleger daher verstimmt.

Für Skepsis sorgen auch Experten der LBBW, die angesichts des sinkenden Streubesitzes die Mitgliedschaft der Hypo Real Estate im Dax für fraglich halten.

Nach der neuen Rangliste der Deutschen Börse habe die Immobilienbank nur noch einen Streubesitz von 75,1 Prozent. "In Verbindung mit der schlechten Kursperformance der Aktie läuft die HRE damit Gefahr, im September bei der nächsten regulären Indexanpassung aus dem Dax herauszufallen", stellte LBBW-Analyst Martin Peter fest.

Dennoch traut die Mehrheit der Analysten der Aktie mittelfristig eher wieder anziehende als fallende Notierungen zu. Das ergibt die Auswertung des "Analystencheck-Tools" von Handelsblatt.com und dpa-afx, der Agentur für Finanznachrichten. Demnach stehen aktuell zehn Kaufempfehlungen nur drei Verkauf-Einstufungen gegenüber. Fünf Experten stufen den Wert neutral ein.

Im Analysten-Check werden Studien aller namhaften Banken sowie unabhängiger Research-Institute ausgewertet und daraus unter anderem durchschnittliche Kursziele errechnet. Für die Aktie der Hypo-Real Estate liegt der Mittelwert der Analysteerwartungen bei 28,10 Euo und damit deutlich über dem aktuellen Stand.

Auf diesem Kursniveau erwartet beispielsweise auch die WestLB den Immobilienfinanzierer laut einer Analyse vom heutigen Donnerstag. Experten der Landesbank haben wegen der schwierigen Bedingungen am Markt ihre Gewinnschätzungen und das Kursziel für Hypo Real Estate zwar von 32 auf 28 Euro gesenkt. Die Einstufung "Buy" habe aber unverändert Bestand.

Die Herabstufung des "Counterparty-Ratings" durch die Ratingagentur Standard & Poor´s dürfte die Finanzierungskosten der Bank nicht sehr stark steigen lassen, sagen die Analysten. Der Wertberichtigungsbedarf der HRE dürfte seine Spitze schon im vierten Quartal des vergangenen und im ersten Quartal dieses Jahres erreicht haben. In den kommenden Quartalen dürfte sich die Ertragsentwicklung bessern.

Ähnlich lautet die Einschätzung in einer weiteren heute veröffentlichten Analyse: M.M. Warburg hat die HRE-Aktie ebenfalls mit "Buy" und einem Kursziel von 28 Euro bestätigt.

Die Abstufung durch die Ratingagentur S&P sei keine Überraschung, so Analyst Andreas Pläsier. Zudem wolle sich die Hypo Real auf Finanzierungen über Pfandbriefe, die ihr "AAA"-Rating behalten haben, konzentrieren. Daher sei der Effekt der Kreditrating-Abstufung auf den Gewinn begrenzt. Auch eine Kapitalerhöhung hält Pläsier nicht für notwendig.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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