Aktienmarkt Japan
„Ende 2015 steht der Nikkei bei 22.000 Punkten“

Erst knackte der Nikkei die 20.000 Punkte, dann sackte er ab: Hideki Hiraki ist dennoch guter Dinge. Der CEO von Japans größtem Asset Manager erklärt, was die Wirtschaft künftig treibt und was Mario Draghi ändern muss.
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Er ist wohl der Gast mit der bislang längsten Anreise: Mehr als 9.000 Kilometer hat Hideki Hiraki zurückgelegt, bevor ich ihn in der Düsseldorfer Handelsblatt-Zentrale begrüßen kann. Obwohl er Englisch gut versteht, kommt der neue CEO des Treuhandgeschäfts von Japans größtem Asset Managers, SuMI Trust, mit Übersetzer. 474 Milliarden Dollar Vermögen verwaltet Hiraki zurzeit. Der Besuch ist ihm wichtig. Die Botschaft: Japan sei ein Zukunftsmarkt – insbesondere für Investoren aus Europa, die im Null-Zins-Umfeld auf der Suche nach Rendite sind. Noch im April hat der japanische Leitindex Nikkei mehrfach die Marke von 20.000 Punkten übersprungen – dies war ihm 15 Jahre lang nicht gelungen. Im Mai musste allerdings auch der Nikkei Rücksetzer verkraften.

Herr Hiraki, im April hat der Nikkei mehrmals die 20.000 Punkte geknackt und stand so hoch wie seit 15 Jahren nicht. Anfang Mai kam dann die Korrektur. Der Nikkei fiel zwischenzeitlich um fast 500 Punkte. Wie geht es weiter?
Zuerst haben wir gedacht, dass die längere Urlaubszeit in Japan, die Anfang Mai beginnt, die kleine Korrektur ausgelöst hat. Nun dürfte die Warnung von Fed-Chefin Janet Yellen, dass die Aktienmärkte zu heiß laufen könnten, die Korrekturphase noch ein wenig verlängern.

Kann der Nikkei die Rekordjagt fortsetzen?
Unabhängig von der aktuellen Korrektur glauben wir, dass der Nikkei bis zum Jahresende einen Stand zwischen 22.000 und 23.000 Punkten erreichen wird. Japan wird die Reformen, die Premier Abe angestoßen hat, über die nächsten Jahre umsetzen. Wir werden sehen, dass der Markt weiter wächst. Der Rekordstand vom April ist keine einmalige Sache.

Das klingt, als stütze echtes Wachstum den Aufschwung am Aktienmarkt. Hierzulande wird immer wieder Angst laut, dass die Hausse am Aktienmarkt nur auf der ultralockeren Geldpolitik und den fehlenden Sparzinsen basiert.
Die Gewinne japanischer Unternehmen steigen zur Zeit so sehr an wie in kaum einem anderen entwickelten Land. Wie der Gewinn pro Aktie steigt, tendiert auch der Nikkei höher. Das bedeutet, das Preisniveau der Aktien spiegelt bislang die Gewinne wider.

Ein Nikkei 20.000 ist also nicht überbewertet?
Wenn man sich das Verhältnis zwischen Eigenkapitalrendite und Aktienpreisen ansieht, folgen wir immer noch einem linearen Trend. Beide Größen haben sich nahezu proportional entwickelt. Vor dem Hintergrund ist die Bewertung fair. Eine Blase müsste man erst fürchten, wenn sich das Gewinnwachstum verlangsamen würde.

Sehen das auch ausländische Investoren so positiv? Lange Zeit hat der japanische Markt Anleger hierzulande wenig interessiert ...
In der Tat: Vor zwei Jahren noch hatten Investoren ein sehr schlechtes Bild von Japan. Nur schleppend floss Kapital nach Japan, am Ende war der Kapitalfluss sogar rückläufig. Jetzt zielt die Regierung aber darauf, aus dem Deflationszyklus herauszukommen in ein eher inflationäres Umfeld ...

... zuletzt lag die Inflation bei

Das wird einen positiven Effekt auf die Aktienpreise haben. Und das wissen auch Investoren.

Lässt sich das steigende Interesse ausländischer Investoren auch beziffern?
Ihr verwaltetes Vermögen hat sich in den vergangenen drei Jahren auf jetzt etwa 10 Milliarden Dollar verdreifacht.

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