Aktienmarkt Schanghai
Chinas Börsen kennen keine Krise

Der Kurseinbruch des vergangenen Jahres ist an Chinas Aktienmärkten vergessen, seit Herbst haben sich die Kurse in Schanghai schon wieder verdoppelt. Nach Einschätzung von Anlageexperten spiegelt der Kursaufschwung aber nicht die reale Geschäftsentwicklung der Unternehmen wider. Warnungen vor einer "Blase" machen die Runde.

PEKING. Die guten Wirtschaftsmeldungen kommen in diesem Jahr vor allem aus China. Das gilt auch für die gebeutelte Börsenwelt. Die Kursrally in Schanghai ist stärker ausgefallen als an vielen anderen Finanzplätzen. Seit Anfang November ist der führende chinesische Aktienindex, der Schanghai Composite Index, von 1 700 auf fast 2 700 Punkte gestiegen - eine Wertsteigerung um fast 60 Prozent.

Die Chinesen zocken mit Aktien wie eh und je - Krise hin, Krise her. Doch eine genauere Analyse zeichnet ein anderes Bild. Und viele Fondsmanager warnen bereits vor einer neuen Kursblase, halten eine Korrektur für möglich. Aktien in Schanghai seien noch immer stark überbewertet, sagt etwa Wang Yawei von China Asset Management, einem der größten Fondsmanager in der Volksrepublik. "Vor allem Spekulationen treiben den Markt."

Ausgelöst wurde die optimistische Stimmung in China Anfang November von der Regierung in Peking, als diese ein gewaltiges Konjunkturprogramm ankündigte. Mit Infrastrukturprojekten stemmt sich seitdem China mit aller Macht gegen die Folgen der globalen Krise, hat in der Baubranche, in der Autoproduktion und im Transportwesen bereits die Wirtschaft spürbar angekurbelt. Das Hilfsprogramm der Regierung hat einen Wert von umgerechnet rund 435 Mrd. Euro, die Zentralregierung hat davon bislang rund 50 Mrd. Euro umgesetzt.

Diese Summen, die selbst die Staatshilfen der US-Regierung verblassen lassen, haben bei Anlegern und Bankern für viel Beifall gesorgt. Fast alle großen Banken haben in den vergangenen Wochen darum ihre Wachstumsaussichten für China wieder nach oben korrigiert. Nachdem die Erwartungen zunächst auf fünf bis sechs Prozent gesunken waren, erwartet die US-Investmentbank Goldman Sachs nun für dieses Jahr ein chinesisches Wirtschaftswachstum von 8,3 Prozent und für 2010 sogar 10,9 Prozent - fast wie in alten Boom-Tagen.

Beflügelt wurde die Stimmung an den chinesischen Börsen zudem von Kommentaren berühmter Aktienexperten. Ob Asiens reichster und geschicktester Anleger, Li Ka-shing, oder ob Templeton-Fondsmanager Mark Mobius, der "Altmeister der asiatischen Aktien" - sie alle sehen keine Krisengefahr für China mehr. Auch George Soros, der in die chinesische Fluggesellschaft Hainan Airlines investiert hat, ist überzeugt, dass das Reich der Mitte als erste große Volkswirtschaft wieder brummen wird.

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