Aktienmarkt
Schnäppchenjagd in Russland

Die Krim-Krise hat zu einem krassen Kurssturz an der russischen Börse geführt. Nun könnten die Investoren den Weg zurückfinden – und dabei einige gute Geschäfte machen. Dabei braucht es aber Geduld.
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New YorkGleich reihenweise haben Investoren im Zuge der Krim-Krise ihr Kapital aus dem russischen Aktienmarkt abgezogen. Doch nach dem zuletzt deutlichen Kursabsturz sehen einige Börsianer Licht am Ende des Tunnels. Vor allem Schnäppchenjäger könnten nun die Gunst der Stunde nutzen und bei russischen Papieren zugreifen, sagen Finanzprofis. "Der russische Aktienmarkt ist derzeit einer der preiswertesten der Welt, aber wohl auch einer der unbeliebtesten", sagte Star-Investor Jim Rogers von Rogers Holdings in Singapur.

Rogers, der seit eineinhalb Jahren in Russland investiert ist, erklärte, er habe erst in der vergangenen Woche Aktien des Landes gekauft. Seinen Blick richtet er derzeit vor allem auf Unternehmen, die nicht dem Energiebereich angehören - ein Bereich, der möglicherweise besonders stark von schärferen Sanktionen des Westens betroffen sein könnte.

Bislang haben die USA und die EU wegen der Eingliederung der Krim in die Russische Föderation Reisebeschränkungen verhängt und die Konten einiger Dutzend Personen aus dem Umfeld von Präsident Wladimir Putin eingefroren. Die Aktienkurse und der Rubel gaben deutlich nach. Allein der RTS-Index, dessen Werte in Dollar notiert sind, kam seit der Verschärfung des Konflikts um die Halbinsel Krim Ende Februar in der Spitze auf ein Minus von rund 18 Prozent.

Chef-Investment-Stratege Joe Portelli von der Investmentfirma FMG ist überzeugt, dass sich der Einstieg in russische Aktien gerade wegen der jüngsten Kursverluste lohnt: Die aktuelle Bewertung der Titel sei verlockend und wer Geduld habe, werde belohnt, erklärt der Experte. Es bestehe die Möglichkeit, dass man sein Geld in Russland in drei bis fünf Jahren verdoppeln könne. Nach Einschätzung von Yakov Arnopolin, Fondsmanager bei Goldman Sachs, dürfte die Krise zwar ihre Spuren in der russischen Wirtschaft hinterlassen, aber eben nicht so stark, wie die derzeitigen Marktreaktionen nahelegten. Bemerkbar machte sich die Unsicherheit über den Ausgang des Konflikts zuletzt auch am Anleihenmarkt: Die Renditen der zehnjährigen russischen Anleihen kletterten in der vergangenen Woche auf 9,62 Prozent, den höchsten Stand in zweieinhalb Jahren.

Russland hat die militärische Kontrolle über die Krim übernommen und die Halbinsel im Schwarzen Meer nach einer umstrittenen Volksabstimmung in die Russische Föderation eingegliedert. Im Westen wird befürchtet, die Moskauer Regierung könnte nun auch ein Auge auf die östliche Ukraine geworfen haben. Die zuletzt versöhnlicheren Töne zwischen Russland und den USA machten Anlegern jedoch Hoffnung auf eine diplomatische Lösung der Krise. Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry hatten sich am Wochenende in Paris getroffen und erklärt, sie wollten gemeinsam mit der Regierung in Kiew an einer Lösung des Konflikts arbeiten. Der RTS-Index kletterte daraufhin zu Wochenbeginn um 1,4 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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