Aktienquoten sinken
Instiutionelle Anleger suchen Sicherheit

Die Finanzkrise wirbelt die Depots großer institutioneller Investoren durcheinander. Anstatt wie geplant die Aktienquoten zu erhöhen, ziehen sich Institutionelle weiter aus Akien zurück. Stattdessen erhöhen sie den Anteil von Anleihen und Geldmarktanlagen. Das bringt viele Investoren allerdings in Nöte.

FRANKFURT. Die Kreditkrise setzt auch institutionelle Investoren unter Druck. "Ich erwarte Anpassungen auf der Beitrags- und Leistungsseite, etwa bei Versorgungswerken, weil die erzielbaren Renditen nicht mehr ausreichen", sagt Jürgen Olbermann, Geschäftsführer von Feri Institutional Advisors. Feri ist ein großes deutschen Beratungshaus für institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen, Altersvorsorgeeinrichtungen. Institutionelle Adressen hatten allein in den für sie aufgelegten Spezialfonds Ende September 662 Mrd. Euro angelegt. Daneben verwalten sie weitere Mittel außerhalb der Fondshülle.

Eine wichtige Rolle für die Erwartung Olbermanns spielen die sinken Anleihezinsen, denn das Gros des Kapitals steckt in Festverzinslichen, deren Renditen gefallen sind. Neue Gelder können deshalb nur zu geringeren Zinsen angelegt werden. Weil gleichzeitig die Kurse an den Aktienmärkten eingebrochen sind, ist der Bewegungsspielraum vieler Institutioneller stark eingeengt worden. Viele Adressen, v.a. Versicherer und Altersvorsorge-Einrichtungen müssen ihren Kunden häufig vier Prozent oder mehr pro Jahr bieten. Eine zehnjährige Bundesanleihe wirft jetzt aber nur noch 3,80 Prozent Rendite ab.

Die Anlageplanung der Institutionellen bringt das gehörig durcheinander. "Viele strategische Planungen konnten wegen der Krise nicht umgesetzt werden, eine Flucht aus Risiko-Assets setzte ein", sagt Olbermann. So hätte etwa jeder dritte Institutionelle trotz geplanter Aufstockung der Aktienquote diesen Anteil im Folgequartal verringert. Feri spricht von Quoten-Verringerungen in den Größenordnungen zwischen zwei und fünf Prozent während der vergangenen zwölf Monate. Die Experten der Gesellschaften befragen monatlich 80 Investoren mit einem verwalteten Vermögen von etwa 300 Mrd. Euro.

"Die Investoren reagieren auf Marktentwicklungen und bauen Aktien ab, ersetzen das durch Geldmarktanlagen und Anleihen", sagt Olbermann. Die Aufstockungen auf der Geldmarktseite erfolgten bei vielen Adressen ungeplant. Hier hatte jeder Dritte bis Fünfte Senkungen geplant, am Ende erhöhten viele Häuser dann jedoch die Anteile, meist in der Größenordnungen von bis zu zwei Prozent pro Quartal. Ebenfalls im Schnitt gestiegen sind die Anleihequoten, diese allerdings häufig auch geplant.

In der Konsequenz hätten inzwischen "viele Institutionelle keine Risikobudgets mehr", erklärt Olbermann. Diese Einschätzung teilen auch andere Berater. Viele Institutionelle sind wegen interner Vorgaben oder wegen aufsichtsrechtlicher Anforderungen im Zuge der sogenannten Stresstests gezwungen, Kapitalmarkteinbrüchen mit Blick auf die künftigen Leistungsverpflichtungen vorzubeugen. Insbesondere Aktienpositionen müssen dann abgebaut werden. Das hat allerdings den Nachteil, dass gerade bei tiefen Preisen dann billigere und antizyklische Neuanlagen verhindert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%