Aktienrückkäufe
Keine Geschenke für deutsche Anleger

Die großen deutschen Firmen halten sich in der schwachen Börsenphase anders als die US-Unternehmen mit Aktienrückkäufen zurück. Sie wollen ihre Liquidität lieber zusammenhalten.

DüsseldorfWarren Buffett mochte den Kursverlust seiner Investmentholding Berkshire Hathaway nicht länger mit ansehen: Seit März ist die Aktie um 30 Prozent abgestürzt - jetzt will Buffett erstmals eigene Papiere zurückkaufen, um den Kurs zu stützen. Berkshire sei mehr wert, als dies die Börse widerspiegle.

Die Worte wirkten. Obwohl Buffett nicht sagte, wie viel er von den 48 Milliarden Dollar Cashreserven einsetzen will, sprang der Kurs binnen Minuten um 8000 Dollar oder acht Prozent nach oben. Wenn der Chef seine eigene Firma für zu billig hält, muss etwas dran sein, so das Kalkül der Anleger.

Obendrein gilt: Weniger Aktien verknappen das Angebot, erhöhen die Dividende pro Anteilsschein und den Gewinn je Aktie. Alle drei Faktoren beflügeln den Kurs.

So wie Buffett halten es viele globalisierte Konzerne angesichts zurückgefallener Kurse. Der Softwarehersteller Microsoft und der Computerspezialist Dell kündigten neue milliardenschwere Aktienrückkauf-Programme an. Der Ölriese Exxon erwarb in diesem Jahr eigene Aktien für elf Milliarden Dollar, der Schweizer Nahrungsmittelhersteller Nestlé für 6,2 Milliarden Dollar.

Im ersten Halbjahr kauften die 500 größten US-Konzerne nach Angaben von Standard & Poor's Aktien für 200 Milliarden Dollar zurück. Im laufenden dritten Quartal dürften weitere 110 Milliarden Dollar hinzukommen, erwartet S&P-Rückkaufexperte Howard Silverblatt.

Doch die Kurspflege der Amerikaner beeindruckt die Deutschen nicht. Hier regiert das Prinzip Vorsicht. Geld genug hätten sie. Die 30 Dax-Konzerne verdienen in diesem Jahr voraussichtlich 74 Milliarden Euro - so viel wie nie. Die Cashreserven liegen mit 150 Milliarden Euro auf Rekordniveau. Zudem sind die Firmen seit dem Börsenverfall niedrig bewertet. Gemessen an den hohen Gewinnen, dem üppigen Eigenkapital und den Barbeständen sogar so niedrig wie noch nie.

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