Aktienrückkäufe sind stark in Mode
Profianleger achten auf die Perspektive

Am Geld kann es nicht liegen. Seit Deutschlands Unternehmen ihre Kosten drastisch gesenkt und ihre Bilanzen aufgeräumt haben, besitzen die Konzerne Cash zuhauf. Doch davon wird Besorgnis erregend wenig in Investitionen gesteckt, sagen Marktanalysten.

DÜSSELDORF. Am Geld kann es nicht liegen. Seit Deutschlands Unternehmen ihre Kosten drastisch gesenkt und ihre Bilanzen aufgeräumt haben, besitzen die Konzerne Cash zuhauf. Innerhalb von drei Jahren haben sich die Barreserven verdreifacht. Doch davon wird Besorgnis erregend wenig in Investitionen gesteckt, sagen Marktanalysten. Während Dividenden und kursfördernde Aktienrückkaufprogramme unter Privatanlegern an Popularität gewinnen, schwenken Profis schon wieder um: Sie achten vermehrt auf wachstumsfördernde Investitionen.

„Wir sehen, dass noch jede Menge neue Dividendenfonds aufgelegt wird“, sagt etwa Chefstratege Rolf Elgeti von ABN Amro, „aber die Märkte sind schon einen Schritt weiter und fragen: Wer investiert in die Zukunft?“ Auch der unabhängige Vermögens- und Fondsverwalter Jens Ehrhardt sagt: „Wer sich nur um die Sanierung der Bilanzen kümmert und nicht genug investiert, endet in einer Sackgasse.“ Unternehmensberater Marc Loueux von der auf das Management liquider Mittel spezialisierten REL Consultancy Group meint: „In einer langsam wachsenden Wirtschaft wird natürlich weniger ausgegeben und mehr an die Aktionäre verteilt. Doch wir sind von einem Extrem ins andere geraten.“

Noch genießen Ausschüttungen eine Popularität wie selten zuvor. Binnen Jahresfrist sind die Dividendenzahlungen der Dax-Konzerne kräftig gestiegen (siehe Tabelle). Auch kurssteigernde Aktienrückkäufe sind in Mode. Zuletzt haben die Deutsche Börse, BMW und Adidas größere Rückkaufprogramme angekündigt. Doch unter institutionellen Anlegern wächst die Sorge: Wenn Geld ausgeschüttet wird oder bloß herumliegt, fehlen früher oder später die Perspektiven.

Dabei würden Ausschüttung und Investitionsausgaben meist nicht einmal miteinander konkurrieren. „Es ist nicht so, dass die Firmen nicht investieren können, die Frage ist, ob sie investieren wollen“, sagt Marktstratege Jörg Naumer von der Fondsverwaltung Dit. Er hat beobachtet, dass die Investitionsausgaben nicht nur nach dem Platzen der Spekulationsblase, sondern auch in den Jahren 2003 und 2004 deutlich unterproportional zum lahmen Bruttoinlandsprodukt gestiegen sind.

„Das ist auch volkswirtschaftlich ein ernstes Problem“, sagt Fondsverwalter Ehrhardt. „Die Investitionsnachfrage hat auf das Wirtschaftswachstum einen Multiplikatoreffekt, der fehlt uns jetzt.“ Positive Beispiele für vorausschauende Investitionen hätten in jüngster Zeit etwa Eon, RWE und Hochtief gegeben. Sie haben vorwiegend in Osteuropa investiert. In Deutschland weniger.

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