Aktienstrategen entdecken Softwarebranche neu
Tech-Titel stehen wieder hoch im Kurs

Aktien aus den Bereichen Finanzen, Automobil sowie Software und Technologie sind in Deutschland bis zum Jahresende die Favoriten der Anlagestrategen. Daneben werden auch Werte aus den Branchen Pharma und Chemie positiv bewertet.

FRANKFURT/M. Geteilter Ansicht sind die Fachleute bei der Einschätzung der Versorger und des Telekomsektors. Das geht aus den Prognosen der großen deutschen, aber auch zahlreicher internationaler Banken hervor.

Insgesamt zeigt sich unter Strategen ein deutlich uneinheitlicheres Bild als zu Jahresbeginn, was die Aussichten der einzelnen Branchen betrifft. Ein Beispiel dafür sind die Einzelhandelswerte, die bisher wegen der geringen Binnennachfrage und der drohenden Mehrwertsteuererhöhung das Stiefkind unter den von Börsianern unterschiedenen 18 Branchen waren. Hier finden sich wieder positive Stimmen.

Grund für das uneinheitliche Bild ist das enorme Kursplus der letzten zweieinhalb Monate, das viele Experten vor einer Überhitzung in manchen Branchen warnen lässt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat seither rund 14 Prozent an Wert gewonnen. Eine weitere Gefahr ist die im historischen Vergleich schlechte Kursentwicklung im dritten Quartal. Der Dax hat in den letzten 20 Jahren von Juli bis September im Schnitt 3,6 Prozent an Wert verloren, wie Experten der Hypo-Vereinsbank (HVB) errechnet haben. „Allerdings gehen wir angesichts niedriger Anleiherenditen und stabiler Gewinnschätzungen nicht von einem signifikanten Rückschlagpotenzial aus“, erklärt die HVB.

Besonders überraschend ist die Rückkehr der lange Zeit von den Investoren gemiedenen Werte aus den Bereichen Software und Technologie. Der Prime Software Performance Index der Deutschen Börse hat seit Anfang Mai über 20 Prozent an Wert zugelegt, der Prime Technology Performance Index sogar 27 Prozent.

Trotz des Kursanstiegs halten Analysten das Potenzial vieler Aktien noch längst für nicht ausgereizt. Beispiel Software AG: Die Experten von M.M. Warburg rechnen bis 2007 bei den Darmstädtern mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 28,9 Prozent. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,1 liegt die Aktie jedoch unter dem TecDax-Durchschnitt von 14,7. Beim großen Wettbewerber SAP überzeugen vor allem die hohen Steigerungsraten der Dividende, die bis 2007 im Schnitt um 23,2 Prozent wachsen soll.

Auf stabiles mittelfristiges Wachstum bei gleichzeitig niedriger Bewertung setzt das Gros der Analysten auch bei Banken und Versicherungen. Die Experten vom Bankhaus Sal. Oppenheim raten jedoch speziell von Finanzdienstleistern wie AWD und MLP ab. Die haben sich seit Anfang Mai um knapp 40 Prozent verteuert und zeigen die beste Kursentwicklung von allen 18 Branchen. „Diese Titel gelten von den Bewertungen her inzwischen als teuer“, sagt Matthias Jörss. Unter den Favoriten von Sal. Oppenheim finden sich stattdessen sowohl große Namen wie die Deutsche Bank, Münchener Rück und UBS als auch Nischenplayer wie die IKB und die Depfa-Bank.

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Auffällig ist bei den Chemiewerten, dass sie gerade bei ausländischen Investoren einen sehr guten Ruf genießen. Bereits im ersten Halbjahr war die Branche Gewinnerin unter allen Segmenten. Im europäischen Modellportfolio von Morgan Stanley sind mit BASF, Bayer und Lanxess gleich drei deutsche Werte und damit so viele wie aus keiner anderen Branche vertreten. Die einheimischen Analysten stehen zumindest Lanxess deutlich skeptischer gegenüber. Sven Dopke von M.M. Warburg empfiehlt die Aktie der Bayer-Abspaltung mit Kursziel 13 Euro zum Verkauf. Gestern notierte sie bei 21 Euro.

Überraschend kommt indes der Aufstieg des Automobilsektors, nachdem im ersten Halbjahr noch der hohe Euro-Kurs die exportorientierten deutschen Hersteller belastet hatte. Immerhin erzielen sie rund 70 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Der Euro ist jedoch seit dem Allzeithoch Mitte März bei 1,34 Dollar um etwa elf Prozent auf Werte um 1,20 Dollar gefallen. Viele Analysten erwarten, dass die meisten Ergebnisschätzungen noch auf Jahresdurchschnittkursen von 1,30 bis 1,40 Dollar je Euro beruhen – die Anleger könnten sich also durchaus positiv überraschen lassen.

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