Aktienstrategen rücken die guten Unternehmensperspektiven in den Vordergrund
Börsianer schöpfen neue Hoffnung

Die Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte in den vergangenen Wochen hat an den Börsen Optimismus verbreitet. Mit dem erneuten Sprung über die Marke von 4 000 Punkten nimmt der Deutsche Aktienindex (Dax) wieder Kurs auf sein Jahreshoch, das rund 150 Punkte höher liegt.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Auch wenn die Aussagen der Strategen nicht leicht unter einen Hut zu bringen sind, lässt sich eines sagen: Die Anleger schauen wieder mehr auf die Entwicklung der Unternehmen als auf externe Faktoren wie Ölpreis, Zinserhöhung oder Terror. Und die Firmenperspektiven stimmen positiv.

Einen Dax-Stand von 4 200 Punkten und damit ein neues Jahreshoch erwartet Tina Koch von der SEB schon zur Jahresmitte, bis zum Jahresende soll der Dax bis auf 4 600 Punkte steigen. „Wir erleben derzeit die Verstetigung des Aufschwungs. Überall berichten die Unternehmen von Gewinnsteigerungen und heben ihre Prognosen an. Dabei sind ihre Aktien noch immer günstig bewertet“, sagt Analystin Koch.

Stefan Steib von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) hält sogar einen Dax-Stand von 4 700 Punkten zum Jahresende für möglich. Dazu müsste es aber gerade in den kommenden vier bis sechs Wochen, bis zum Beginn der Ferienzeit, spürbar bergauf gehen. „Wir sind jetzt in einer kritischen Phase, in der die Weichen für das Gesamtjahr gestellt werden“, sagt er. Seinen Optimismus stützt er speziell auf die Bilanzen des zweiten Quartals in den USA, die ab Juli vorgelegt werden.

Auch Christoph Lampert, der bei der Citigroup für das deutsche Aktiengeschäft verantwortlich ist, rechnet schon in den kommenden Wochen mit weiter anziehenden Kursen: „Nach den positiven Arbeitsmarktdaten aus den USA am vergangenen Freitag ist die Zuversicht für ein andauerndes Wachstum zurückgekehrt. Das eröffnet die Chance für eine Sommer-Rally, in der die alten Hochs getestet werden“, sagt Lampert. Allerdings sei die Zeit breit gestreuter Kursgewinne vorbei: „Im zweiten Halbjahr wird es auf die Auswahl der richtigen Aktien ankommen, die ein gutes Gewinnmomentum mit einer attraktiven Bewertung verbinden.“ Dies sieht Lampert bei großen Werten, besonders im Finanzsektor: „Alle Welt hat zuletzt von höheren Zinsen gesprochen, und das hat die Finanztitel belastet. Unter dem Strich haben wir aber noch keine höheren Zinsen, so dass die Finanzinstitute für das zweite Quartal wohl erneut sehr gute Zahlen vorlegen werden.“

Doch nicht alle Strategen sind so optimistisch. Ein Überwinden der seit Ende November bestehenden Dax-Handelsspanne zwischen 3 700 und 4 150 Punkten stehen auf kurze Sicht zu viele Risiken im Wege, meint Bernd Meyer, Europa-Stratege von der Deutschen Bank. „Der hohe Ölpreis, die damit verbundenen Inflationssorgen sowie die Angst vor Terror sind die großen Hemmnisse“, sagt er.

Erst wenn die Unsicherheit weicht, rechnet Meyer mit steigenden Kursen: „Wir unterstellen auf mittlere Sicht ein positives Szenario mit einem gemäßigten Inflationsanstieg und einem stabilen Wachstum in den USA und in China. Sobald sich dieses Szenario als zutreffend erweist, wird sich zeigen, dass europäische Aktien attraktiv bewertet sind.“ Sehr skeptisch ist hingegen Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Er schätzt, dass das dritte Quartal wegen enttäuschender Gewinne fallende Kurse bringen wird. Der Dax dürfte sich erst zum Jahresende wieder 4 000 Punkten nähern.

Wesentlichen Einfluss auf das Vertrauen der Anleger wird die US-Notenbank (Fed) mit ihrer Geldpolitik nehmen. Erhöht die Fed die Leitzinsen nur moderat, könnte die Fed durchaus als Triebfeder für höhere Kurse dienen. Historische Daten belegen, dass die Börsen in den ersten Monaten nach einer Zinswende nicht gelitten haben. „Der S&P-500-Index in den USA hat beispielsweise in der Vergangenheit ein halbes Jahr nach der Zinswende meist seitwärts tendiert und in der Folge waren weitere Anstiege nicht ungewöhnlich“, sagt Michael Kopmann von der DZ Bank.

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