Aktienstrategie
An den Börsen überwiegt die Skepsis

Die massive Stützungsmaßnahme der US-Notenbank für die Finanzmärkte hat den Aktienkursen nur kurzzeitig aufwärts geholfen. Während Optimisten auf ein baldiges Anziehen der Konjunktur hoffen, rechnen viele Aktienexperten eher mit negativen Folgen, beispielsweise einer steigenden Inflation.

FRANKFURT. Der Plan der US-Notenbank (Fed), Staatsanleihen und andere Finanzprodukte für rund eine Billion Dollar zu kaufen, hat an den Aktienmärkten nur kurz für Erleichterung gesorgt. Die Wall Street gab ihre Gewinne bereits am Donnerstag wieder ab, dem Deutschen Aktienindex gingen zum wochenschluss ebenfalls die Impulse aus.

Dass die Fed mit ihrer Geldpolitik die Märkte dauerhaft retten kann – daran glauben nur wenige Experten. Immer mehr Kritiker melden sich zu Wort. „Verzweifelte Maßnahmen reflektieren verzweifelte Zeiten“, sagt Ben Pedley von der Liechtensteiner Bank LGT. „Die Tatsache, dass die Fed so außergewöhnliche Maßnahmen ergreift, könnte ein Zeichen sein, wie schlecht die Lage in den USA sich noch entwickeln wird.“

Außerdem könnten die Maßnahmen der Fed langfristig die Inflation treiben. Und das könnte zu einem Problem für Investoren werden. Wenn die Zentralbanken das Geld, das sie jetzt drucken, nicht irgendwann wieder einsammeln, leiden darunter auch die Börsen. „Generell lässt sich feststellen, dass eine moderate Inflation von bis zu vier Prozent positiv für Aktienerträge ist“, sagt Andreas Utermann von Allianz Global Investors. Bei höherer Inflation bleibe die Aktienrendite aber üblicherweise hinter der Inflationsrate zurück. Jetzt schon von einer nachhaltigen Wende zu sprechen sei verfrüht. „Wir gehen davon aus, dass die Märkte auch in den kommenden Monaten noch stark schwanken werden“, sagt Utermann.

Die Optimisten hoffen hingegen darauf, dass der Wirtschaftskreislauf nun wieder in Gang kommt. Sollte der Kreditmarkt durch das Geld der Fed anspringen, würde das zuerst den Banken und dann dem Rest der Wirtschaft nutzen. „Je mehr Ballast von den Bilanzen der Banken in die Bilanzen der Zentralbanken verschoben wird, desto größer die Zuversicht auf einen stabileren Unternehmenssektor“, sagt Kornelius Purps von der italienischen Bank Unicredit.

Daneben könnten die Aktienmärkte von einem weiteren Effekt profitieren. Denn die US-Notenbank signalisiert, dass sie die Zinsen auf Dauer niedrig halten will. In Zeiten niedriger Zinsen entwickeln sich Aktien meist besser als festverzinsliche Papiere. Anleger können die erwarteten künftigen Dividenden mit einem geringeren Zinsfuß auf ihren heutigen Wert abzinsen. Aber auch das garantiert noch nicht, dass die Kurse dauerhaft steigen. Während der letzten Börsenkrise in den Jahren 2001 und 2002 reduzierte die Fed die Zinsen deutlich – doch den Aktienmärkten nutzte das zunächst nichts. Erst als die Zinsen schon lange auf einem Tiefpunkt waren, setzte im Jahr 2003 die nächste Rally an der Börse ein.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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