Aktienstrategie
Das Ende der Wachstumsfantasie

Entgegen der Hoffnung vieler Anleger bedeutet selbst eine mögliche Lösung der Schuldenkrise noch keine neue Hausse bei Aktien. Vielmehr signalisieren die Dax-Gewinnprognosen, dass es weiter abwärts geht.
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DüsseldorfWenn das keine mutige Prognose ist: „Ich gehe davon aus, dass wir in eine ’Schlussphase’ der Krise eintreten“, sagt Andrew Wells von der internationalen Fondsgesellschaft Fidelity. Seine Argumentation lautet: Deutschland dürfte schon bald einer Lockerung der Geldpolitik, das heißt dem ungebremsten Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank zustimmen. Nicht aus Überzeugung, sondern weil schon bald nichts anderes mehr den Bestand der Euro-Zone und der Gemeinschaftswährung sichern kann.

Gut möglich, dass Anleger solch eine Kehrtwende der Deutschen zumindest als Ende der Schuldenkrise feiern würden und mit kräftigen Gewinnen an den Aktienmärkten rechnen könnten. Für eine Erholung sprechen auch die starken Erträge und die niedrige Börsenbewertung der Unternehmen. Die 30 Dax-Konzerne kosten nur noch das Neunfache dessen, was sie in diesem Jahr verdienen werden. Das sind knapp 40 Prozent weniger als im historischen Mittel. Um „fair“ bewertet zu sein, müsste der Dax bei über 8000 Punkten stehen.

Aber: Die Börse handelt nicht die Gegenwart, sondern spekuliert auf die Zukunft. Der niedrigen Bewertung stehen Abschwungszenarien gegenüber. „Das schwache Gewinnwachstum dürfte einen stärkeren Kurssprung verhindern“, sagen die Experten der DZ-Bank.

Reihenweise senken die Analysten der internationalen Finanzhäuser derzeit ihre Gewinnschätzungen für die deutschen Firmen, weil sich die Weltwirtschaft abschwächt. In nur drei Monaten haben sie die 2012er-Nettogewinnschätzungen für die Lufthansa um durchschnittlich 54 Prozent, für den Chiphersteller Infineon um 38 und für den Stahlproduzenten Thyssen-Krupp um 30 Prozent gesenkt. Durchschnittlich fielen die Gewinnprognosen bei den 30 Dax-Konzernen um 12,4 Prozent. Solch einen Absturz gab es zuletzt im Herbst 2008 – im Vorfeld der größten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Nur für zwei Unternehmen, SAP und FMC, hoben die Analysten ihre Schätzungen leicht an.

Die Unternehmen nähren die Skepsis. Monatelang perlte die Schuldenkrise an ihnen ab – doch das ist Vergangenheit. Der Autozulieferer Schaeffler warnte, dass die Schuldenkrise mit ihren Turbulenzen an den Kapitalmärkten das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu beeinträchtigen drohe. VW-Chef Martin Winterkorn signalisierte im Handelsblatt, dass 2012 ein schwieriges Jahr werden dürfte. Der Chiphersteller Infineon prognostizierte geringere Umsätze und Margen. Infineon und Lufthansa verhängten einen Einstellungsstopp.

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Frühindikatoren nähren die Skepsis

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  • Schade, dass das HB zunehmend in den Sensationsjournalismus abzugleiten scheint. Überschrift, Bild und Tenor des Artikels kann man kaum als ausgewogen bezeichenen. Das können andere Blätter besser und die Druckversion des HB kaufe ich mir schon lange nicht mehr.

    Analysten sind ein eigenartiges, überbezahltes Grüppchen. In der derzeiten Berichtssaison wurden die Schätzungen zu 60% übertroffen. Wieso sollte ich den zukünftigen Prognosen mehr vertrauen oder gar den ZEW Index ernst nehmen? Wäre die Leistung anderer Berufsgruppen derart schlecht, dürfte man wohl kein Flugzeug besteigen oder Krankenhaus aufsuchen.
    Die Analysten richten ihr Fähnchen gerade so in den Wind, wie es die Stimmung der Märkte hergibt.

    Die Situation der deutschen Unternehmen ist günstig wie selten. Historisch hohe Gewinne bei stabilen Ausblicken und niedrigen Bewertugen. Klar, dass nach einer Rekordphase auch mal die Gewinne und Wachstum stagnieren dürfen. Immerhin betrachten wir Gewinne und nicht Gewinnwachstum.
    Stagnierende Fühindikatoren dafür heranzuziehen, eine Situation wie 2008 herbeizuschrieben ist kein seriöser Journalismus.

  • Jeder Ratschlag dieser vermeintlichen Profis hat nur eines im Sinne:Den Markt nach seinen Interessen versuchen zu beinflussen.Erzählen die was von fallenden Märkten,wollen sie,dass man die Aktien verkauft,damit sie billig einsteigen können.Klar,wenn demnächst die Geldflut kommt, muss man was haben zum Billig kaufen.

  • Ob Deutsche Aktien billig sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber teuer sind sie in keinem Fall, bei einem Vergleich mit anderen Asset-Klassen !

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